Fast wäre Siedlergemeinschaftsvorsitzender Albert Schuhmann zwei Tage vor dem Altenstädter Gaudiwurm noch in die Bredouille geraten. Schuld war die Nachricht am Freitag über das überraschende Aus des Krematoriums. Dieser politische Paukenschlag forderten noch einmal alle Kräfte, denn der Faschingswagen mit einem selbstgebauten Krematorium war bereits startklar. „Jetzt hieß es, schnell umdichten und den Wagen für die neue Situation zurechtmachen“, sagte Schuhmann, als er am Sonntag bei der Aufstellung des Festzugs in der Buchengasse mit seinen Mitgliedern auf den gelungenen Coup anstieß. „Die einen fanden es gut und toll, die anderen hatten die Nase voll“ oder „Gute Luft hin und her, das Krematorium gibt’s nicht mehr“ stand auf dem selbstgezimmerten Häuschen, aus dem auf Knopfdruck der Kamin qualmte.
Sargträger in dunklen Anzügen begleiteten den Wagen. Außerdem wurde auch ein Schnitter mit Sense gesichtet, der extra aus Tännesberg anreiste und ein Geschäft roch. Ob die Krematoriumsdiskussion für diesen Auftritt ausschlaggebend war, blieb offen. Was ein teilweise fehlgeschlagenes Update Schlimmes anrichten kann, führte Kapellmeister Josef Wolfrath von der Jugendkapelle Roggenstein bombastisch vor. „Was nicht rußt, hat keine Leistung“, waren die Musikanten außerdem der Meinung und prangerten damit den Diesel-Skandal an. Die Mitglieder zogen einen knatternden und qualmenden Motor hinter sich her, den „der Werkstodmoista“ begleitete. Heidi Hierold und Inge Wolfrath tauchten in alten Oma-Kostümen mit Pelz auf und trugen das Schild: „Wir beide jederzeit startklar, robust und keine Ausfälle.“ Immerhin liefen sie noch „mit alter Software“. Ihr Fett bekamen auch die CSU und Ministerpräsident Markus Söder von den Freien Wählern ab. „Bienen retten 1-2-3, da ist da Söder a dabei. Früher von der CSU belacht, nun will’s a Blumenpracht.“
Harsche Kritik übten die Fußballer des SV Waldau als „Macht vom Elm“ an Weltstar Franck Ribéry, der ein mit Blattgold serviertes Steak verzehrte und im Netz den Reichtum zur Schau stellte. Ein fatales Signal für die Öffentlichkeit fanden die Fußballer und dichteten: „Goldene Steaks fressen, dann schimpfen, Ribéry, dir sollte man Demut impfen.“ Das Bier anstelle der Bienen retten wollte nicht nur die Katholische Landjugend (KLJB) Waldau: „Save the Bee(r)s“ und „Wer Bier trinkt rettet die Landwirtschaft“, dichteten die jungen Leute.
Dieser Meinung waren auch die Fußgruppenteilnehmer des Vohenstraußer "Jungg'sell’n Clubs". Die KLJB-Kollegen aus Michldorf warben für ihr Stodlfest am 22. Juni als blaue Schlümpfe und versprachen: „Am 22.6. sind nicht nur wir blau.“ Sogar Pfarrer Alfons Forster aus Michldorf kam extra nach Altenstadt, um seine Leute zu unterstützen. Was in der Natur nie klappt, schaffte die Fußgruppe „Muckes“ und vereinte Eisbär, Pinguine und Eskimos.
Dritter Bürgermeister Johann Gollwitzer zog als Scheich mit seinem Harem ein Beduinen-Zelt durch die Straßen und verteilte „Schönheits-Gel vom Kamel“ an die Zuschauer. Das Weidener Nordoberpfalz Center, kurz NOC, mit der grauen Fassade war dem Katholischen Burschenverein einen Umzugswagen wert. „Eröffnung 2019?“, hinterfragten sie skeptisch. Jedenfalls würde die finstere Fassade noch jede Menge Werbung vertragen, waren die jungen Männer der Ansicht. Venediger Karnevalsflair versprühte der Katholische Frauenbund, und die Artenvielfalt kam auch bei den Bewohnern des Baugebiets "Breite Wiesen" noch einmal aufs Tablett. Unter einer blühenden Blumenwiese versteckten sich Bienen, Frösche und Co. und dichteten „Artenvielfalt hochgepriesen, schaut nur auf die 'Breiten Wiesen'“. Das Prinzenpaar Theresia Gollwitzer aus Altenstadt und Florian Kraus aus Kleinschwand mit seinem Hofstaat konnte jedenfalls mit „Genau“-Präsident Christoph Gollwitzer stolz auf das bunte Spektakel sein, und ehe man sich versah, war schon wieder die Kehrmaschine unterwegs und räumte die letzten Konfettireste weg. Fastnacht-Fans kamen jedenfalls voll auf ihre Kosten.















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