07.12.2018 - 17:32 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Krematorium: Umstrittenes Millionenprojekt in Vohenstrauß

Hohenburg hat eines, Regensburg und Selb auch ein Krematorium. Nun könnte Vohenstrauß die für Ostbayern noch bestehende Lücke bald schließen.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Autobahn-Meisterei (links) sehen die Unternehmer einen idealen Standort für das Ostbayern-Krematorium.
von Josef ForsterProfil

Zwei Jungunternehmer wollen der Stadt in absehbarer Zeit zu einem neuen Alleinstellungsmerkmal verhelfen. Sein exklusives Projekt präsentierte das Duo am Donnerstagabend dem Stadtrat. Michael Dirscherl und Roman Danzer planten das Zwei-Millionen-Vorhaben zunächst in der eigenen Heimat. Im Landkreis Cham stießen der Betriebswirt und der Bestatter aber schnell auf Widerstände, vor allem in Hinblick auf die baurechtliche Genehmigung einer Feuerbestattungs-Einrichtung. Eine "Notlösung" sei Vohenstrauß für die beiden Fachleute aus dem Südosten der Oberpfalz aber nicht.

Nach intensiven Auseinandersetzen seien beide zu der Überzeugung gekommen: "Vohenstrauß wäre ein wunderbarer Standort." Die Vorteile seien überzeugend: direkte Anbindung an die Autobahn und eine gut ausgebaute B22, die eine "Erschließung der südöstlichen Oberpfalz" möglich mache. Wie Bürgermeister Andreas Wutzlhofer informierte, habe die Stadt ausgelotet, ob der Platz gegenüber der Straßenmeisterei zu erwerben wäre, was der Fall sei. Ende November hätten sich daraufhin die Verantwortlichen im Landratsamt zu einer Abstimmung getroffen. Das Ergebnis: "Ein Ausschlussgrund ist nicht gegeben."

Demografischer Wandel

Sollte der Stadtrat einen Beschluss fassen, müsse ein Sondergebiet ausgewiesen und ein Bauleitverfahren in Gang gesetzt werden. Bevor es soweit war, übergab der Rathauschef das Wort an die beiden Gäste. Danzer erklärte, wie die Idee entstand. Grundlegend sei die Frage gewesen: Wie verändern sich Demografie und Einäscherungszahlen? Daraus habe sich das festgestellte Standortpotenzial ergeben. Angedacht werde ein Flachbau mit einem Verabschiedungsraum, einem Einfahrbereich und einem Kühlraum.

Über den Ablauf in einem Krematorium informierte Bestatter Dirscherl. Der Einäscherungsvorgang dauere rund eine Stunde. Dahinter stecke "viel Technik inklusive Abgasreinigung". Den Erfolg der Investition sehe er in der Schaffung eines "tollen Verabschiedungsraums mit Preisen wie in Tschechien". Kunden seien in erster Linie die Bestatter. Die Kalkulation gründe auf derzeit rund 7500 Sterbefällen pro Jahr zwischen Lam im Süden, Mitterteich im Norden und Vilseck im Westen. Die Einäscherungsquote liege mit einer Zahl von 4500 bereits bei 60 Prozent.

Hinzu geselle sich der demografische Wandel, der eine Steigerung der Sterbefälle in den nächsten zehn Jahren von 15 Prozent erwarten lasse. Allein aufgrund dieser Zahlen "wird in Ostbayern sicher ein Krematorium kommen." Ein Standort in Vohentrauß bringe der Stadt mindestens fünf Arbeitsplätze und einen krisenunabhängigen Gewerbesteuerzahler. Der gesamten Region könne zudem eine Kühlraumnutzung mit einer 24-Stunden-Anlieferung angeboten werden, ergänzte Dirscherl. Den Friedhöfen würde nichts weggenommen", vielmehr entstünde die Möglichkeit einer zusätzlichen Verabschiedung.

Viele Schadstoffe

Als "befremdend" bewertete Stadtrat Volker Wappmann die Vorgabe, innerhalb einer Woche darüber entscheiden zu müssen: "Ich wünsche mir mehr Zeit für diesen Meinungsbildungsprozess." Auch stellte er den Standort unweit der Friedrichsburg optisch infrage. Das Anfallen "sehr vieler Schadstoffe wie Quecksilber und Dioxin" trug Ulrike Kießling in das Gremium. Danzer sprach von einer dreimaligen Filterung des heißen Abgases, wobei die Schadstoffe gebunden und gesammelt würden. Nach dem Abfüllen in Spezialfässer erfolge eine Endlagerung ähnlich wie bei Atommüll. Kießling brachte zudem den "sehr großen Energieaufwand" zur Sprache, worauf Danzer bestätigte, dass nur ein Erdgasanschluss die Versorgung gewährleiste.

Die durchschnittliche Zahl der täglichen Verbrennungen interessierte Willi Woldrich, worauf ihm eine Zahl von täglich acht genannt wurde. Münchmeier machte sich für eine Grundsatzentscheidung, aber noch keine direkte Zusage, stark. Konkrete Aussagen zu den Abgaswerten und der Lagerung des Sondermülls sollten dem Stadtrat nachgeliefert werden. Damit hatte er mehr Erfolg als Wappmann, der einen Antrag auf vier Wochen Bedenkzeit forderte. Die dazu eingeschobene Abstimmung befürwortete außer ihm jedoch nur sein Fraktionskollege Johann Gösl. Über diese beiden Gegenstimmen hinaus erntete der Beschluss durch Gabi Eichl Nein insgesamt drei Vetos.

Vohenstrauß
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Bestatter Michael Dirscherl (links) und Investor Roman Danzer stellen das Projekt im Stadtrat vor.
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