06.03.2019 - 17:15 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Mehr Chiller als Killer

Hundeprofi Martin Rütter hätte einiges zu nörgeln an dem siebenjährigen Malteser Chupo. NT-Redakteurin Christine Walbert liebt ihren Hund trotzdem und kämpft gegen seinen unbändigen Ungehorsam mit unlauteren Mitteln an.

Chupo in seinem Element: Der siebenjährige Malteser liebt das Gefühl von Freiheit und streckt beim Autofahren schon mal gern den Kopf aus dem Fenster.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Unser Hund ist sieben Jahre alt, ein relativ groß gewachsener und mit seinen sieben Kilo von Kraft strotzender, wunderschöner Malteser. Er hört auf den Namen Chupo - theoretisch. In der Praxis macht sich die Fellnase nicht viel aus ihrem Namen (der aus dem Spanischen übersetzt unglücklicherweise "Furunkel" bedeutet). Mitunter schaut sich Chupo kurz um, wenn er gerufen wird. Eine weitere, sichtbare Reaktion bleibt aus. An manchen Tagen lässt sich höchstens sein ausgestreckter Mittelfinger erahnen, bevor sich "Wuschel-Puschel" wieder seiner eigentlichen Beschäftigung widmet.

Das kann dann alles (Un-)Mögliche sein: Unser Chupolino buddelt gern Löcher im Garten (und sieht danach aus wie Sau), markiert fremde Mülltonnen oder holt sich Plastikspielzeug aus dem Gelben Sack. In der Sommersaison residiert "Monsieur" - wie wir den Malteser wegen seines edlen Naturells auch häufig nennen - im Schatten der Rotbuche und ergötzt sich an seinem Reich. Dürstet ihn, labt er sich an der stets gut gefüllten Vogeltränke.

Zum Tier wird er, wenn sich an SEINEM Gartenzaun etwas regt. Handelt es sich dann noch um einen Hund, kommt das einem Affront gegen seine Majestät gleich. Das darf unter keinen Umständen geduldet werden. Chupi sprintet zum Zaun und tobt nach allen Regeln der tierischen Macho-Kunst. Sein maßlos übertriebenes Aggro-Gebell kombiniert mit hektischem Herumgehüpfe bringt selbst ausgesprochen entspannte Artgenossen wie Labradore manchmal zum Staunen. Selbstverständlich wissen die Großkaliber, wie sie den eingesperrten Plüschzwerg provozieren können: Sie pinkeln durch das Zaungitter und genießen anschließend die komplette Eskalation des knuddeligen Grundbesitzers. "Komm doch rein, ich hau' dir auf die Schnauze", hört man den Wauwau mit fletschenden Zähnchen den weiterspazierenden Tieren wütend hinterkeifen.

Größe spielt bei ihm nur eine untergeordnete Rolle. Trotz seiner knuffigen Erscheinung, die er durch das weiße Flauschefell auch im hohen Alter wohl nicht verlieren wird, fühlt er sich als Hund. Wer auch immer an SEINEM Revier vorbei muss, hat sich ihm zu unterwerfen - zumindest vorübergehend. Zurück im Schatten der Rotbuche knurrt Chupo noch einige Zeit leise weiter: "Dem Dicken hab' ich's aber gezeigt. Der traut sich so schnell nicht wieder vorbei. Und morgen geh' ich mit Frauchen an seinen Zaun und pinkel durch die Holzlatten. Da wird er spitzen."

Als Chupos Frauchen oder Herrchen und damit standesgemäßer Befehlshaber hat man nur eine Chance, seine Aufmerksamkeit im Handumdrehen zu erobern. Man schnappt sich den Autoschlüssel und fragt wie nebenbei: "Willst du MITFAHREN?" Das löst folgende Kettenreaktion aus: Das Wollknäuel startet wie eine Rakete Richtung Auto und wedelt in Höchstgeschwindigkeit mit seinem immer hübsch in Form geschnittenem Schwanz. Rein in die Karre, rauf auf den Beifahrersitz, Fenster runter und Köpfchen raus. Malteser sind nämlich von Natur aus nicht auf Krawall gebürstet, vielmehr Chiller als Killer: Bei Sonnenuntergang zur Musik der "Eagles" die Schlappohren im kühlen Fahrtwind flattern lassen - das ist Chupos wahre Bestimmung.

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