06.02.2019 - 11:25 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Mehr Geld für Sanierungen in der Innenstadt

Mit finanziellen Anreizen für Immobilienbesitzer und auch Mieter will die Stadt Vohenstrauß den Stadtkern attraktiv halten. Wer in den Genuss des Städtebauförderprogramms kommen will, muss aber einige Auflagen erfüllen.

Das Städtebauförderprogramm der Stadt Vohenstrauß hat schon viele Projekte unterstützt, die das Ortsbild sehr positiv beeinflussen.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Kämmerer Rainer Dötsch und Bauamtsleiter Johann Balk erklären die Situation: Was bis vor einigen Wochen noch durch eine Gestaltungssatzung aus dem Jahr 1995 geregelt wurde, übernimmt nun eine neu formulierte Fibel.

Grundvoraussetzung für die Inanspruchnahme öffentlicher Fördermittel ist, dass das angestrebte Sanierungs-, Abbruch, Umbau- oder Neubauprojekt im Geltungsbereich dieser Fibel liegt. Ziel ist, die seit 1972 laufende Altstadtsanierung erfolgreich weiterzuführen und das Erscheinungsbild der Altstadt zu erhalten, zu pflegen und dort, wo es geboten ist, zu verbessern. Wutzlhofer: "Wir wollen Immobilienbesitzern, aber nun auch Mietern von Geschäftsflächen einen finanziellen Anreiz geben, eine orts- und regionaltypische Renovierung ihrer Häuser beziehungsweise die Umsetzung ihrer Geschäftsideen anzugehen und zu erleichtern." Auch wenn die Gestaltungssatzung abgeschafft ist, weil sich laut Balk die bautechnischen Möglichkeiten und auch die Bedürfnisse der Bewohner in den vergangenen Jahrzehnten geändert haben, gilt es für die Bauherren, die Vorgaben der Fibel einzuhalten. Der Bauamtschef wird noch deutlicher: "Alle Veränderungen müssen sich am Bestand orientieren und in die historische Umgebung einfügen." Sonderlösungen dürfen das Altadtgefüge nicht beeinträchtigen.

Sanierungsgebiet

Der Geltungsbereich für das Kommunale Förderprogramm verläuft einerseits vom Bahnhofsareal bis zum Bereich der Friedrichsburg. Die westliche Begrenzung ist die Schreinergasse, im Osten sind es Wallstraße/Fluderweg.

In der Fibel wird detailliert aufgelistet, was gewünscht ist. Aufgeführt sind Bauweise, Freiflächen, Baukörper, Parzellenstruktur, Gebäudestellung, Bebauungsmaß und Dachlandschaft. Auch was die Fassaden betrifft, haben die Stadtplaner - allen voran der städtebauliche Berater Urban Meiller aus Amberg - genaue Vorstellungen. Generell sind zum Beispiel bei Neuverputzungen und Anstrichen Musterflächen anzulegen, die von der Stadt freizugeben sind. Fenster, Tore und Türen sind ein weiteres Thema der Fibel. Als Material für Fenster und Türelemente sind heimische Hölzer einzusetzen. Andere Werkstoffe wie Metall und Kunststoff sind nur nach Abstimmung und ausdrücklicher Freigabe durch den städtebaulichen Berater im Einzelfall verwendbar. Werbeanlagen sind genehmigungspflichtig.

Das Thema Solarenergie wird in der Fibel mit einem eigenem Kapitel abgehandelt. Photovoltaikanlagen auf Dachflächen im historischen Umfeld seien sorgsam zu diskutieren. Auf Baudenkmälern sind sie nicht zugelassen. Die dem Marktplatz zugewandten Flächen seien gänzlich von Solarenergieelementen freizuhalten. In Absprache mit der Regierung der Oberpfalz, die an dem Städtebauförderprogramm mit beteiligt ist, hat die Stadt Vohenstrauß die Fördersätze verdoppelt. Seit dem 1. Januar 2019 gibt es einen 30-prozentigen Zuschuss der Investitionssumme, maximal aber 15 000 Euro. Die Förderung übernimmt zu 60 Prozent der Freistaat, 40 Prozent die Stadt. Neu ist das Geschäftsflächenprogramm, nach dem die Immobilienbesitzer oder die Mieter ebenfalls 30 Prozent der Investitionskosten als Zuschuss erhalten. Maximal können das 30 000 Euro für den Innenbereich und weitere 5000 Euro für den Außenbereich (Werbeanlagen) sein.

Kampf gegen Leerstand

Wutzlhofer sieht darin die Chance, potenziellen Bauherren, die einen Leerstand im Altstadtgebiet mit Leben erfüllen wollen, einen "letzten, wichtigen Impuls" geben zu können, indem sie die aufgestockten Fördermittel in Anspruch nehmen. "Allerdings muss das Konzept schon passen", schränkt der Bürgermeister ein. Die Geschäftsideen sollten in die "Struktur unserer Einzelhandels-Szene" passen. Von Spielautomatenhallen oder Sonnenstudios sei er nicht begeistert, weil sie das "Ausbluten einer Stadt" ankündigen würden.

Grundsätzlich, das würde auch die Regierung der Oberpfalz bestätigen, laufe die städtebauliche Entwicklung in Vohenstrauß sehr gut. Dötsch erklärt, dass die laufenden Maßnahmen noch mit den alten Fördersätzen unterstützt werden. Es gebe aber bereits ein Projekt in der Stadt, das über das vom neuen Geschäftsflächenprogramm profitiere. Der Rathauschef ist zuversichtlich, dass sich weitere Bauherren - egal ob privat oder gewerbetreibend - finden werden, die die Reihe der bislang sehr gelungenen Projekte der Städtebauförderung fortsetzen werden.

Dem stimmt auch der städtebauliche Berater, Urban Meiller, zu: "Wenn man es geschickt macht, bekommt man durch die Förderung ein hochwertigere Ausstattung." Das Städtebauförderprogramm sei durch das "Belohnungsprinzip" eine Erfolgsgeschichte sowohl für die Bürger als auch für die Stadt, weil sie damit in der Innenstadt ein "stimmiges Konzept" verwirklichen könne.

Ansprechpartner der Stadt:

Ansprechpartner der Stadt in Sachen Städtebauförderprogramm ist Kämmerer Rainer Dötsch. Er stellt den Erstkontakt zum städtebaulichen Berater, Urban Meiller, her, der eine unverbindliche und kostenlose Beratung vornimmt. Es werden grundsätzlich Projekte unterstützt, die städtebaulichen Mehrwert bezwecken. Der reine Unterhalt wie zum Beispiel ein neuer Farbanstrich wird nicht gefördert. Erreichbar ist Dötsch unter der Telefonnummer 09651/922227 oder per E-Mail rdoetsch[at]vohenstrauss[dot]de

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