Vohenstrauß
13.08.2023 - 08:26 Uhr
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Modernes Abenteuer statt Luxus-Urlaub: Reger-Bau-Chef radelt zum Nordkap

Er könnte sich im Urlaub jeden Luxus leisten, stattdessen leistet er lieber selbst: Bauunternehmer Josef Reger erzählt von seiner Solo-Radtour ans Nordkap und überlegt schon mal, wo es nächstes Jahr hingehen könnte.

Er hat's schon wieder getan: Nach seiner 500-Kilometer-Radtour von Trondheim nach Oslo war Josef Reger im Juni 2023 nochmal länger unterwegs. Viel länger. Der Bauunternehmer ist von Vohenstrauß ans Nordkap in Norwegen geradelt. 14 Etappen, 3200 Kilometer, 22 000 Höhenmeter. Im Schnitt kam der 58-Jährige auf fast 230 Kilometer pro Tag.

An seine Grenzen stieß er jedoch nie, wie er nach seiner Rückkehr im Gespräch mit Oberpfalz-Medien berichtet. "Natürlich gab es Momente, an denen es unangenehm wurde", erzählt Reger. Das passiere aber auch, wenn er für eine Runde in der Oberpfalz unterwegs ist. Aufgeben, sich abholen lassen, zurückfahren? Daran denkt Reger nicht, weder bei der Feierabend-Runde noch bei der Zwei-Wochen-Tour, die ihn über Rostock nach Dänemark, weiter nach Schweden, durch Finnland und schließlich an den nördlichsten Punkt Norwegens geführt hat.

Dass er in diesem Sommer eine große Tour unternehmen wird, das stand schon Mitte 2022 fest, kurz nachdem er vom 600-Kilometer-Rennen "Styrkeprøven" aus Norwegen heimgekommen war. Nach einigen Überlegungen habe sich dann die Fahrt in den ganz hohen Norden herauskristallisiert.

Entspannendes Alleine-sein

Dass er dafür keine Mitfahrer wird finden können, habe ihn nicht geschreckt, sagt Reger im Rückblick. "Ich muss beruflich oft und viel reden." Das Alleinsein habe er deshalb durchaus als erholsam empfunden. Nur mit seiner Frau Michaela habe er täglich telefoniert. "Ihr bin ich sowieso sehr dankbar, denn ohne ihre Zustimmung wäre so ein Projekt gar nicht möglich."

Sein Unternehmen mit 160 Mitarbeitern und mehr als 30 Millionen Euro Jahresumsatz war dagegen überhaupt kein Hindernis. "Es kann ja nicht sein, dass so eine Firma an nur einem Kopf hängt", sagt Reger. Schon seit er vor rund 15 Jahren einen leichten Schlaganfall erlitten hatte, war es ihm wichtig, dass das Tagesgeschäft ohne ihn funktionieren kann. Er selbst konzentriere sich als Unternehmer auf längerfristige Planung und Strategie. Entsprechend unkompliziert war es, diesen besonderen Urlaub zu planen. Zwei oder drei Leuten habe er vorab Bescheid gegeben, damit war alles klar.

Der Podcast mit Josef Reger:

Start, Ziel, fertig

Ähnlich unkompliziert beschreibt der Sportler auch die Touren-Planung selbst. Auf Komoot.de habe er nur den Startort "Vohenstrauß" und das Ziel "Nordkap" eingegeben. "Die vorgeschlagene Route habe ich dann einfach in passende Tagesabschnitte unterteilt. Fertig." Was nach mangelnder Planung klingt, war für Reger in Wirklichkeit der Plan selbst. "Mir ging es ja darum, Neues, Unvorhergesehenes zu erleben."

Deshalb habe er vorab auch keine Übernachtungsmöglichkeiten gebucht. "Das hätte wieder Druck bedeutet, weil man bestimmte Ziele hätte erreichen müssen." Ohne Plan sei die Tour viel freier. Zur Absicherung hatte er lediglich den leichtesten Schlafsack dabei, den er im Internet finden konnte. "So hätte ich auch mal an einer Bushaltestelle übernachten können, wenn ich gar nichts gefunden hätte."

Wirklich nutzen musste er diese Option nicht, auch wenn es ein oder zweimal beinahe so weit kam. Dank hilfsbereiter Skandinavier habe er immer passende Übernachtungsmöglichkeiten gefunden. Überhaupt haben es Josef Reger die Menschen angetan, die er auf der Reise getroffen hatte. Immer wieder sei er nett und freundlich aufgenommen worden – auch wenn viele nicht fassen konnten, welche Tour sich dieser Deutsche mit dem buschigen Ziegenbart da vorgenommen hat. "Ich bin kein einziges Mal auf der Straße angehupt worden", erinnert sich Reger.

Plötzlich Touristen-Attraktion

Noch mehr beeindruckt habe ihn aber die Landschaft. Die Weite, Stille und Größe, die immer mehr wurden, je weiter ihn die Strecke nach Norden brachte. Erst am Nordkap, wo viele Kreuzfahrtschiffe ihre Passagiere für einen Tagesauflug an Land gehen lassen, habe er wieder viele Menschen getroffen. Er selbst und seine Tour waren dort plötzlich selbst Touristen-Attraktion. "Ich könnte wahrscheinlich heute noch dort stehen und mich mit Touristen fotografieren lassen, wenn ich nicht irgendwann gegangen wäre", scherzt Reger.

Viel eindrücklicher als das Erlebnis am Nordkap selbst sei aber die Reise dorthin gewesen, bilanziert er im Rückblick. Die Landschaft und die über zig Kilometer immer geradeaus führenden Straßen habe er nicht als eintönig empfunden, eher als beruhigend und stärkend. "Ich hab dich noch nie so still erlebt", habe seine Frau in der ersten Tagen mehrfach gesagt, nachdem er per Flugzeug vom finnischen Rovaniemi aus wieder heimgekommen war.

Auch Josef Reger selbst sagt, dass ihn solche Touren verändern und weiterbringen, auch als Unternehmer. "Meine besten Ideen habe ich auf dem Fahrrad." Nicht nur deshalb denkt er schon übers kommende Jahr nach. Dass es eine große Tour geben wird, steht fest, sagt Reger. Nur beim Ziel ist er noch nicht sicher. Logisch wäre die andere Richtung in den Süden, etwa nach Sizilien. "Aber da müsste ich noch einen Umweg über Frankreich einbauen." Unter 2000 Kilometer fängt Reger gar nicht mehr an.

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Vohenstrauß11.08.2023
Hintergrund:

Training für besondere Touren

Auch oder gerade weil Josef Reger gerne sehr ausgefallene Radtouren unternimmt, ist er gerne und viel in der Oberpfalz unterwegs. Hier stellt er eine seiner Lieblingstrainingstouren vor

  • Start und Ziel liegen in Vohenstrauß
  • Die Tour führt über knapp 87 Kilometer und etwa 750 Höhenmeter
  • zunächst nach Süden bis Oberviechtach.
  • dann durchs Schwarzachtal nach Westen, bei Wölsendorf über die Naab.
  • nun nach Norden bis Pfreimd und dann nach Osten über Wittschau auf der alten B14 vorbei am "Kalten Baum" zurück bis Vohenstrauß.

https://www.komoot.de/tour/1241922228

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