Vohenstrauß
03.11.2020 - 14:15 Uhr

"Nagel" trifft selbigen auf den Kopf

Kurz bevor die Lichter bei den Kulturveranstaltungen wieder ausgehen, gibt es in der Friedrichsburg noch eine Lesung. Schriftsteller, Musiker und Künstler Thorsten Nagelschmidt weiß um die Bedeutung des richtigen Timings.

Der gebürtige Münsterländer Thorsten Nagelschmidt liest in der Friedrichsburg aus seinem neuen Buch "Arbeit". Bild: dob
Der gebürtige Münsterländer Thorsten Nagelschmidt liest in der Friedrichsburg aus seinem neuen Buch "Arbeit".

Denn ausgerechnet als Nagelschmidt, kurz "Nagel", sein neuestes Buch "Arbeit" der Öffentlichkeit präsentieren wollte, rollte der erste Lockdown wegen der Corona-Pandemie übers Land. "Das war keine gute Zeit ein Buch vorzustellen", berichtete der Autor am Samstagabend den wenigen Gästen bei der Lesung auf Einladung der "Schaltlücke"-Macher.

Nagelschmidt ist vielen noch unter seinem Punk-Namen "Nagel" bekannt, den er als Frontmann der Band "Muff Potter" trug und nie ganz abgelegt hatte. Der Verlag riet eigentlich dazu, die Vorstellung im Frühjahr zu verschieben, aber Nagelschmidt entschied sich doch nach drei Tagen zur Veröffentlichung. "Ich hätte nicht loslassen können." Mehr als drei Jahre habe er an diesem Buch gearbeitet.

In einem Kreuzberger Club einer Bekannten stellte er dann sein Buch im Livestream vor und 1500 Leute schauten zu, berichtete er begeistert. Ab Sommer war er dann wieder bei Live-Veranstaltungen in einem Garten, auf Parkplätzen ("komplett absurd") unterwegs. Doch es waren Abende, an die er sich gerne erinnert. Das Buch bekam gute Kritiken. Auf keinen Fall wollte er wegen der steigenden Corona-Zahlen auf seine Bayern-Tour verzichten und so kam er über Nürnberg, München und Coburg nach Vohenstrauß.

In seinem Buch "Arbeit" schreibt der Autor über all jene, die nachts wach sind und ihren Job erledigen, während Studenten, Touristen und Raver feiern. Temporeich erzählte er von zwölf Stunden am Rande des Berliner Ausgehbetriebs.

In einem Kreuzberger Hostel beginnt Sheriff seine Nachtschicht und fühlt sich mal wieder wie ein schlecht bezahlter Sozialarbeiter. Im Späti nebenan erlebt Anna den zweiten Überfall in diesem Jahr. An der Tür vom "Lobotomy" steht Ten und realisiert, dass ihm seine junge Familie durch seine Arbeit komplett zu entgleiten droht. Außerdem: Eine idealistische Notfallsanitäterin, eine zornige Pfandsammlerin und ein Drogendealer mit Zahnschmerzen, der sich fragt, ob er Freunde hat oder nur noch Stammkunden. Nagelschmidt liest Bruchstücke dieser Geschichten, um die Spannung hochzuhalten und die Gäste einzuladen, sein Buch zu kaufen, um jeweils das Ende selbst erleben zu können. Den Reaktionen des Publikums nach geht die Taktik auf.

 
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