12.04.2019 - 11:44 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Nur mehr 82 Euro pro Vohenstraußer

Kämmerer Rainer Dötsch feiert mit dem Haushalt 2019 eine Premiere: Erstmals seitdem er vor 15 Jahren in Vohenstrauß den Rechenschieber übernommen hat, sinkt die Pro-Kopf-Verschuldung auf unter 100 Euro.

Die Pro-Kopf-Verschuldung der Stadt Vohenstrauß sinkt 2019 auf 82 Euro. Der Landesdurchschnitt lag im Jahr 2017 bei 695 Euro.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Das Gesamtvolumen des Etats 2019 (22,3 Millionen Euro) stieg im Vergleich zum vergangenen Jahr um 5,45 Prozent. "Das ist der allgemeinen Entwicklung bei Strom, Wasser oder Friedhofsgebühren und auch den höheren Investitionen geschuldet", erklärt Dötsch. Gibt es neue Förderprogramme des Freistaats wie zum Beispiel für die Feuerwehren, dann springt die Kommune gerne auf und investiert für mehrere Tausend Euro in Schutzbekleidung für Atemschutzträger.

Ähnlich verhält es sich mit dem Zuschussprogramm "Digitales Klassenzimmer". Insgesamt gibt die Stadt 58 587 Euro für Whiteboards, Notebooks, Dokumentenkameras und Beamer aus. Vom Freistaat erhält sie dafür 57 594 Euro. Die Grundschule stattet damit fünf Klassenzimmer aus, die Mittelschule vier weitere Räume. Außerdem bekommt die Bildungseinrichtung im Erweiterungsbau eine Klimaanlage für 25 000 Euro. Mit der Generalsanierung der Dreifachturnhalle packen die Verantwortlichen der Stadt eine längst notwendig gewordene Maßnahme an. "Heuer haben wir zunächst die Planungskosten von 325 350 Euro im Etat", sagt der Kämmerer. Der Zuschuss aus dem "KIP-S" beträgt hierfür 160 000 Euro. Erst im nächsten Jahr soll dann von Frühjahr bis Herbst die Sanierung für insgesamt 2,8 Millionen Euro über die Bühne gehen. Mitte Mai treffen sich Planer, Vertreter der Stadt und Vereine, um über den Zeitplan und die Organisation zu sprechen.

Auch die Investitionen in die Vorschuleinrichtungen können sich sehen lassen. Der Anteil der Stadt zur Sanierung des katholischen Kindergartens Don Bosco beträgt fast 993 000 Euro. Fördermittel in Höhe von 550 000 Euro erleichtern die Finanzierung natürlich enorm. Für den evangelischen Kindergarten werden jeweils 175 000 Euro für einen Container zum Betrieb einer altersgeöffneten Kindergartengruppe und einen zweiten Container für eine Hortgruppe eingeplant. 941 000 Euro gibt die Stadt für verschiedene Straßenbaumaßnahmen aus. In Sachen Baugebiet "Sommerwiesen" sei man darauf bedacht, dass man alle Leute, die dort bauen wollen, auch bedienen kann. Nachdem im ersten Bauabschnitt nur mehr wenige der insgesamt 70 Parzellen zu haben sind, muss die Stadt bereits für den zweiten Bauabschnitt die Planung vorbereiten.

Rund 150 Kilometer lang ist das Netz der Wasserleitungen, das die Kommune in Schuss halten muss. Dötsch ist sich sicher: "In diesen Bereich werden wir die nächsten Jahre kräftig investieren müssen." Zug um Zug werden marode Rohre saniert. Heuer sind zunächst 150 000 Euro hierfür vorgesehen. Ein Lecksuchgerät für 11 000 Euro soll helfen, die undichten Stellen zu finden.

Rund 280 000 Euro plant der Kämmerer für den Kauf von landwirtschaftlichen Flächen ein, die der Stadt dann als Ausgleichsflächen dienen können. Ein Großteil davon wird in Kaimling erworben.

Gute Steuerkraft

Die Schlüsselzuweisung, die sich nach der Steuerkraft einer Kommune berechnet, beträgt heuer 113 020 Euro und ist um über 86 000 Euro geringer als im Vorjahr. Als Grund gibt Dötsch die relativ gute Steuerkraft 2017 an. Die Einkommenssteuerbeteiligung entwickle sich gut. Sie beläuft sich auf 3,8 Millionen Euro. Obwohl der Kreisumlagesatz um 1,5 Punkte verringert wurde, zahlt die Stadt Vohenstrauß 3,1 Millionen Euro an den Landkreis. Stolz ist der Kämmerer darauf, dass erneut eine Zuführung zum Vermögenshaushalt möglich war. Sie beträgt 2,6 Millionen Euro. Und auch die Rücklagen werden gestärkt mit einer Zuführung von 680 587 Euro. Der Schuldenstand wird zum 31. Dezember 2019 nur mehr 609 601 Euro betragen.

Keine neuen Kredite

Erstmals kommt die Stadt Vohenstrauß demnach mit ihrer Pro-Kopf-Verschuldung unter 100 Euro: 82,23 Euro am Ende des Jahres stehen einem Landesdurchschnitt von 695 Euro gegenüber. Die ehemalige Kreisstadt liegt somit um 88,17 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Neue Kredite sind nicht erforderlich. Angesichts einer satten Rücklage von 6,3 Millionen Euro braucht den Verantwortlichen vor der Zukunft nicht bange zu werden. Nach wie vor sehr zufrieden ist der Kämmerer mit den Gewerbesteuereinnahmen, auch wenn er eine "vermehrte Bewegung von Betriebsprüfungen und Anpassungen" registriert. Nach dem sehr guten Ergebnis von 2,7 Millionen Euro Einnahmen an Gewerbesteuern, setzt Dötsch heuer wieder bei 2 Millionen Euro an. "Wir sind natürlich bestrebt, dass es so weitergeht", erklärt der Finanzchef der Stadt. Mit der Erweiterung des Gewerbegebiets sei ein wichtiger Schritt getan.

Im Großen und Ganzen sorgt sich der Kämmerer nicht um die Zukunft der Kommune: "Es geht was um. Städtebau, Baugebiete, Kinderbetreuung, Schulen - das ist alles wichtig für eine Stadt."

Freiwillige Leistungen:

Folgende freiwillige Leistungen sieht die Stadt Vohenstrauß vor: Zuschuss für das Landestheater Oberpfalz 19 500 Euro, Sommerserenaden 2800 Euro, Zuschüsse für die Jugendarbeit und Jugendförderung Feuerwehren 9000 Euro, Beförderungskosten Kindergarten Roggenstein 1500 Euro, Beförderungskosten Kindegarten Don Bosco, Gottfried Sperl und Waldkindergarten 6750 Euro, Zuschüsse an Wohlfahrtsverbände, BRK, Caritas und andere 2500 Euro, Zuschüsse für Senioren 1500 Euro, Zuschüsse an Eltern von Neugeborenen (50 Euro je Kind) 6200 Euro, Übernahme der Mietkosten Weidener Tafel e.V. 4000 Euro, Zuschüsse an Sportvereine 15 400 Euro, Benutzungsgebühren von städtischen Einrichtungen (Mehrzweckhalle, Turnhalle, Sportzentrum, Gymnastikhalle) 92 000 Euro, Zuschuss an die Katholische Kirchenstiftung zur Sanierung des Pfarrheims Böhmischbruck 4400 Euro.

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