31.10.2019 - 11:17 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Eine Ode an den Oktober

Noch einmal haben Hortensien, Astern, Fetthenne und Zieräpfel ihren ganz großen Auftritt, bevor der erste Raureif Ruhe in Christa Gielers Garten bringt.

von Elisabeth DobmayerProfil

Eigentlich hat sich Ende Oktober alles im Garten zurückgezogen. Doch in diesem Jahr geben die Wolken noch viel Sonne frei und so präsentieren sich die Freiluftwohnzimmer noch immer als wäre die herbstliche Schatzsuche noch nicht abgeschlossen. Zwar wehen die goldgelben Blätter schon von den Bäumen, Blumen schlafen längst. Aber irgendwo im großen Garten von Christa Gieler leuchten letzte Rosen, Hortensien stehen stolz und standhaft und hurtig fliegen die Vögel, um die letzten Samenbestände abzunagen und zu knacken. Die ganze Gartensaison über ist der Tisch für Insekten und Schmetterlinge auf diesem Areal reich gedeckt. Die passionierte Gärtnerin zeigt uns ihre letzten Schätze des vergangenen Gartenjahres.

Nur ein paar Schritte von der Terrasse entfernt wartet neben der Begrenzungsmauer zum Nachbarn das erste kleine Herbstwunder: Mitten in der dunklen Erde die bereits umgestochen ist, schlängelt sich eine rote Dahlie durch den Zaun in Nachbars Garten und hält ihre Blüte den Schatzsuchern entgegen. Davor wollen die letzten Salatköpfe noch geerntet werden. Schaut man an der Terrasse nach oben, entdeckt man einen reich bestückten Blauregen, der sich um die Kletterhilfen rankt und noch wie mitten im Sommer, den Freisitz vor zu heftigen und heißen Sonnenstrahlen schützen will. Freilich die blau leuchtenden Blüten sind längst verschwunden. Gieler arbeitet gerne in ihrem Garten, auch wenn es manchmal schon über ihre Kräfte geht. Sie hat aber in Gerhard einen fest zupackenden Ehemann, der ihr bei allen schwereren Arbeiten unter die Arme greift. Büsche und Stauden säumen die verschlungenen Wege. Dazwischen viel Accessoires zum Staunen. Es gibt viel zu entdecken.

Am Vogelhaus in dem fröhlich die unterschiedlichsten gefiederten Freunde munter zschilpen leuchtet über den Resten der letzten Sommerstauden mit noch erstaunlich vielen verblühten Dolden die Clematis, die wohl zu den schönsten Kletterkünstlern gehört. Ihre walnussgroßen filigranen Blüten an den dünnen Ästchen ähneln der Pusteblumen im Sommer. Rot leuchten gleich unweit daneben die kleinen Zieräpfelchen entgegen. Christa Gieler hat den kleinen Baum noch nicht allzu lange in ihrem Paradies gepflanzt hat. Die Vögel wissen um die vielen Samen, Dolden und Leckerbissen in ihrem Garten und kommen deshalb in Scharen. „Jeden Tag in aller Herrgottsfrüh sind zwei Meisen am Körnerfettring im Baum und fressen sich satt.“ Von den anderen Früchten im Garten bekommt aber auch der Hausherr etwas ab, denn Gieler kocht fleißig Marmeladen und Gelees aus Äpfeln, Quitten und Brombeeren. Leise raschelt der Wind in den vertrockneten braunen Büscheln. Die letzten Trauben hängen noch in den Weinreben an der Südseite des Hauses. „Es waren heuer einfach zu viele Trauben“, lacht die Hobbygärtnerin. „Jetzt dürfen sich daran auch die Vögelchen noch laben.“

Die Obstbäume strecken noch ihre Äste mit gelbem Laub dem Himmel entgegen. Ein knorriges Baumstück in der Mitte des Rasens ist noch ein Überbleibsel von einem ehemals stattlichen Baum. Bevor es um das nächste Hauseck geht, muss man einfach an den schönen Rosen riechen, die ihre Blütendolden weit geöffnet haben. Wieder andere mit teils geschlossenen Blüten werden wohl heuer nicht mehr aufmachen. Doch wenn der erste Frost darüber zieht, sind sie ebenfalls herrlich anzuschauen. Wenn schon vieles andere verblüht ist, schmücken die Blüten- und Samenstände der Fetthenne noch die Beete. Frost und Reif machen die Zier- und Heilpflanze erst richtig schön. Es ist nicht zu bestreiten, der Name „Fetthenne“ lässt eher an übergewichtige Hühner denken. Diese wenig schmeichelhafte Federvieh-Assoziation haben die schönen Staudenpflanzen nicht verdient. Selbst wenn sie – zugegeben – dicke Blätter haben. Staudengärtner kommen nicht ohne sie aus, denn sie zieren rund ums Jahr die Beete und Rabatte. Besonders im Herbst, wenn der üppige Sommerflor verblüht ist, fällt auf, wie unermüdlich die aufrechten Blütenschirmrispen der Fetthennen den Garten schmücken.

Im Winter schließlich verwandeln Reif und Frost sie in filigrane Kunstwerke. „Auch für den gelb blühenden Oleander wird es langsam Zeit, ins Winterquartier zu wechseln“, meint Gieler und holt gleich die Sackkarre aus dem Schuppen. Zwar verträgt der Oleander tiefere Temperaturen bis zu Minus 5 Grad Celsius. Er freut sich, wenn er noch etwas länger im Freien verbringen darf, als all die anderen Kollegen. Doch irgendwann geht es ganz schnell und es heißt umziehen. „Gegossen wird eher selten“, verrät die Vohenstraußerin. „Alle vier Wochen gebe ich den Pflanzen eine kleine Ration Wasser.“ Dazu gehören auch die Engelstrompeten, für die Gieler ein ganz besonderes Händchen beweist. Allerdings brauchen diese Kübelpflanzen auch ganz viel Wasser. „Wenn mein Mann nicht das Wasser von der nahen Brauchwasserstelle gleich neben dem Bauhof holen könnte, wäre es nicht mehr machbar, diese durstigen Blumen zu halten.“ Und weil der Frühling bereits im Herbst beginnt und der Blütenreigen für das Jahr 2020 gut vorbereitet werden will, sind die Knollen bereits alle im Haus.

Noch etliche der pflanzlichen Gartenbewohner warten darauf, dass sie rechtzeitig für die nun beginnende kalte Jahreszeit vorbereitet werden. Empfindliche Pflanzen erhalten schützende Hüllen, die Blumenknollen bereits ein sicheres Winterquartier, auch die Hecke wurde ihrem letzten Schnitt unterzogen und die Rosen werden noch angehäufelt. Der wunderschöne Seerosenteich verlangt auch noch nach Betreuung und die Rosen müssen noch zurückgeschnitten werden, berichtete Christa Gieler, wohl wissend, dass noch längst nicht alle Arbeit getan ist. Aber es ist nicht nur das Vergehen, es ist auch das Werden. Im späten Herbst pflanzte die Gärtnerin noch schnell Beerengehölze auf Hochstamm. „Da ist die Ernte einfach bequemer und rückenschonender.“ Der Frühling liegt also bereits in der nebligen Herbstluft. Außerdem hängen heuer die ersten dekorativen Früchte am Chinesischen Blumen-Hartriegel „Teutonia“. Die im Durchmesser bis zu zwei Zentimeter großen erdbeerähnlichen Früchte lassen sich ebenfalls zu Marmeladen verarbeiten. Wenn nicht, sind sie auch eine begehrte Futterquelle für die Vögel im Winter. Noch einmal haben die letzten Blumen ihren ganz großen Auftritt, bis dann eine Schneedecke für ein klein wenig Ruhe sorgt.

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