Ein Spaziergang, ein kurzer Abstecher zu den altbekannten Schwammerlplätzen – und plötzlich liegt da ein echter Prachtkerl vor den Füßen: Maria Hausner-Taucher staunte nicht schlecht, als sie in den vergangenen Tagen auf einem Wiesenfleck nahe dem Waldrand einen außergewöhnlich großen Steinpilz entdeckte. Stolze 1,1 Kilogramm brachte das stattliche Exemplar auf die Waage. Und damit nicht genug: Der Riese war kerngesund und völlig frei von Wurmbefall.
Beim weiteren Absuchen ihrer bekannten Stellen hatte sie schließlich noch mehr Glück. Nach und nach füllte sich der mitgebrachte Korb mit weiteren wunderschönen Steinpilzen. Aus dem kleinen Spaziergang wurde so eine äußerst erfolgreiche Schwammerltour. Und selbstverständlich sollten die Pilze nicht nur bestaunt werden. Maria Hausner-Taucher verriet, dass sie daraus eine typisch oberpfälzische Schwammerlbröih mit knusprigem Dotsch zaubern wolle.
Für Schwammerlsucher heißt es derzeit: Geduld haben. So schön der außergewöhnliche Fund auch ist – von einem üppigen Pilzjahr kann noch keine Rede sein. Pilzsachverständiger Stefan Hartwig aus Vohenstrauß betrachtet die aktuelle Schwammerlsaison nüchtern. Er ist regelmäßig im Wald unterwegs und kennt seine sogenannten Zeigerstellen genau. Diese Stellen zeigen ihm aktuell, wie schwierig die Situation ist. „Wenn an den Zeigerstellen nichts wächst, dann brauche ich auch an anderen Stellen nicht suchen“, sagt der erfahrene Pilzkenner.
Dabei hatte die Saison zunächst vielversprechend begonnen. Der Mai und Juni waren feuchter, die Böden besser mit Wasser versorgt, und auch die ersten Pilzfunde ließen hoffen. Doch dann kam die erste große Hitzewelle – und es wurde still im Wald. Das Pilzwachstum kam weitgehend zum Erliegen. Zwar fanden sich vereinzelt noch besonders trockenheitsverträgliche Arten wie der Milchbrätling, ein wahrer Trockenkünstler, doch nach der nächsten Hitzewelle im Juli herrschte laut Hartwig vielerorts schlichtweg „tote Hose“.
Die Situation bleibt angespannt, denn auch der Regen kann nicht viel bewirken. Fehlt die notwendige Feuchtigkeit im Boden, können die Pilze kaum Fruchtkörper bilden. Dass ausgerechnet Maria Hausner-Taucher einen solchen Ausnahmefund machen konnte, ist deshalb umso bemerkenswerter. Bei ihren Steinpilzen handelt es sich nach Einschätzung von Hartwig um Fichtensteinpilze. Diese wachsen bevorzugt auf Wiesen in Waldrandnähe und an möglichst windgeschützten Stellen. Der Steinpilz ist dabei keineswegs ein Einzelgänger. Er lebt in enger Verbindung mit seinen Wirtsbäumen und geht mit ihnen eine sogenannte Mykorrhiza-Beziehung ein.
Beim Gemeinen Steinpilz ist besonders die Fichte ein wichtiger Partner, informiert Hartwig. Der Pilz versorgt den Baum mit Nährstoffen und Wasser, während er im Gegenzug von den Kohlenhydraten des Baumes profitiert. Die Fruchtkörper des Gemeinen Steinpilzes erscheinen hauptsächlich zwischen Juli und Oktober. In Mitteleuropa ist diese beliebte Pilzart weit verbreitet und sowohl bei Pilzsammlern als auch in der Küche sehr geschätzt. Neben dem Gemeinen Steinpilz gibt es noch weitere schmackhafte Vertreter dieser Gruppe, darunter den Sommersteinpilz, den Kiefernsteinpilz und den Bronzeröhrling, der wegen seines dunklen, teilweise fast schwarzen Hutes auch als Schwarzhütiger Steinpilz bekannt ist. Letzterer findet sich besonders in der Nähe von Eichen.
Laut Hartwig macht nicht nur die Hitze den Pilzen zu schaffen. Auch die Bedingungen in bewirtschafteten Landschaften beeinflussen das Pilzwachstum. Die diesjährige Saison dürfte deshalb insgesamt deutlich schwächer ausfallen als in normalen Jahren. Allerdings zeigt sich einmal mehr, dass die Natur ihre eigenen Regeln hat. Während an manchen Stellen kaum ein Pilz zu finden ist, können wenige Kilometer weiter ganz andere Bedingungen herrschen. Wie unterschiedlich die Situation sein kann, erfuhr Hartwig bei einem Besuch in Plzeň. Dort wurde ihm berichtet, dass deutlich mehr Pilze zu finden seien. Der Grund liegt offenbar auf der Hand: Dort hat es mehr geregnet.
Sollte es in den kommenden Wochen ausreichend regnen und anschließend warme, aber nicht zu heiße Temperaturen folgen, könnte sich die Lage noch einmal verändern. Vielleicht waren Maria Hausner-Tauchers Steinpilze deshalb nicht nur ein außergewöhnlicher Fund, sondern auch ein kleiner Vorbote dessen, was noch kommen könnte. Die Hoffnung auf einen besseren Schwammerlherbst ist deshalb noch lange nicht aufgegeben. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eines: ein ordentlicher Landregen, der den trockenen Waldboden wiederbelebt.

















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