25.09.2018 - 11:39 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Der Schmerz der Mütter

Seit 281 Jahren pilgern Menschen zum Gnadenbild der „Schmerzhaften Muttergottes“ in Stribro/Mies und bringen ihre Anliegen vor. 29 Jahre lang begleiten mittlerweile auch deutsche Pilger aus Vohenstrauß diese Wallfahrt.

Regionaldekan Holger Kruschina aus Roding war in diesem Jahr Hauptzelebrant bei der Pfarrwallfahrt in der Dekanalkirche in Stribro/Mies. Außerdem waren der ehemalige Vohenstraußer Stadtpfarrer Franz Winklmann, Ortspfarrer Jiří Hájek, Dekan Alexander Hösl udn Kaplan Ulrich Eigendorf (von rechts nach links) beim Gottesdienst dabei.
von Elisabeth DobmayerProfil

Zur deutsch-tschechischen Pfarrwallfahrt machten sich auch in diesem Jahr wieder einige Gläubige aus der Partnerstadt mit dem Bus zu einem Besuch in Tschechien auf. Auf dem Stadtplatz in Stríbro wurden die Wallfahrer vor der barocken Mariensäule musikalisch von der Stadtkapelle willkommen geheißen, bevor Ministrant Kristof Jelinek alle Gäste im Namen der Pfarrgemeinde Stríbro begrüßte.

Anschließend entbot auch Bürgermeister Bohuslav Cervený seine Grüße an die Wallfahrer. Mit dem Lied "Wir ziehen zur Mutter der Gnade" formierte sich ein kleiner Pilgerzug, den die Ministranten und Priester mit dem Ortspfarrer Jirí Hájek als Gründer und Initiator der Partnerschaft, der ehemalige Vohenstraußer Stadtpfarrer Franz Winklmann, Hauptkonzelebrant Dekan Holger Kruschina, Dekan Alexander Hösl und Kaplan Ulrich Eigendorf sowie Pastoralreferent Maximilian Pravida anführten. Erneut haben die Vertreter der Marianischen Männercongregation (MMC) mit Konrad Uschold, Hans Wittmann sowie Georg Selch das Banner der MMC vorangetragen.

Hohe Ehre kam Pfarrgemeinderätin Hannelore Hansliková zu, die das Bild der "Schmerzhaften Muttergottes", geschmückt mit einer weißen Stola um die Schultern, in der Prozession zur Dekanalkirche tragen und vor dem blumengeschmückten Altar abstellen durfte. Seit jeher habe man sich auf die mütterliche Liebe der Muttergottes verlassen, sagte Pfarrer Jirí Hájek, für den es eine große Ehre war, dass Dekan Kruschina aus Roding mit den Wallfahrern diesen Festgottesdienst feiert. Die Feier wurde vom "Hausorchester" und dem Chorensemble aus Prag unter Leitung von Adolf Melichar und Organist Antonín Stehlík zu einem musikalischen Hochgenuss. Aufgeführt wurde die barocke Messe von Frantisek Václav Habermann. Pfarrgemeinderatssprecher Josef Felber aus Stríbro und Maria Kopp aus Unterlind trugen die Lesung vor.

Gemeinsame Geschichte

"Im Leben der Menschheit gibt es Dinge, die uns alle verbinden: egal welche Sprache wir sprechen oder zu welcher Zeit wir leben", leitete Dekan Kruschina seine Predigt ein. "Heute schauen wir auf die Schmerzensmutter. Maria spürt den Schmerz jeder Mutter, die ein Kind verloren hat. Und wie der Tod Jesu Christi jeden Tod eines Menschen umfängt, so trägt auch die Trauer Mariens alle Trauer mit. In diesem Bild dürfen wir uns alle, unsere beiden Völker und unsere gemeinsame Geschichte wiederfinden."

Die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten auf tschechischem Staatsgebiet, der Krieg und die Vertreibung vereinen uns alle in der Trauer, unterstrich Kruschina. "Immer sind es die Mütter und Väter gewesen, die das Leid am schmerzhaftesten erfahren haben. Wir leben Gott sei Dank in einer Generation, die das Unrecht, das ein Teil unserer Vorfahren einander angetan hat, offen und ehrlich beim Namen nennen. "Unsere tschechischen Nachbarn müssen nicht nur den Krieg, sondern auch noch die Schattenseiten von über 40 Jahren Kommunismus anschauen. Aus deutscher Erfahrung kann ich ihnen sagen: Die Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit hat gerade erst begonnen, aber sie ist wichtig, damit Volk und Land in Frieden mit sich und den Nachbarn leben können."

Auch in dieser Stunde, trauern Mütter um ihre Kinder, die gewaltsam ums Leben gekommen sind: in den Kriegen in Syrien und Jemen, in den Gefängnissen Nordkoreas und Chinas, auf der Flucht in Myanmar, in Afrika, ertrunken im Mittelmeer. "Für sie wollen wir in diesem Gottesdienst beten und daran erinnern, dass auch wir einen Teil der Verantwortung tragen." Viel Lob erhielt am Ende der Messe Michaela Wolfinger für die Organisation dieses Pilgertages ins tschechische Nachbarland.

Tschechische Spezialität

Das triumphale "Ode an die Freude", die instrumentale Grundlage der Europahymne beendete den Festgottesdienst. Nicht nur für Dekan Kruschina sondern auch für das Orchester und den Chor brandete dankbarer Applaus für diesen einzigartigen Hörgenuss auf. Am Kirchenportal warteten die fleißigen Bäckerinnen noch mit selbstgebackenen "Golatschen" auf, einer tschechischen Spezialität, die den deutschen Kirchweihkuchen ähneln. Nach einem gemeinsamen Mittagessen standen nachmittags der Ausflug nach Tachov mit Besichtigung des Schlosses und der Reitschule Svetce (Heiligen) an.

Die Pfarrwallfahrt nach Stribro/Mies wurde mit einer Prozession eingeleitet, bei der das Bild der "Schmerzhaften Muttergottes" in die Dekanalkirche getragen wird.
Die Marianische Männercongregation aus Vohenstrauß kam sogar mit dem Banner zur Pfarrwallfahrt nach Stribro/Mies.
Bei der Pfarrwallfahrt in der Dekanalkirche überraschte der ehemalige Domspatz, Regionaldekan Holger Kruschina aus Roding die Gläubigen mit einem spontanen Liedbeitrag, der bei den Kirchenbesuchern ankam.
Seit 29 Jahren begleiten Gläubige aus Vohenstrauß die Pfarrwallfahrt nach Stribro/Mies.
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