11.05.2020 - 11:08 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Serie "Virus und wir": Über den Berg

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Ausgedehnte Spaziergänge sind das beste Mittel, um auf andere Gedanken zu kommen. Kollegin Christine Walbert beschreibt in der Serie "Virus und wir" ihre Erfahrungen, die sie beim Durchstreifen der näheren Umgebung macht.

Wandern durch den Wald entspannt. Auch der Hund fühlt sich dabei pudelwohl.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Raus an die frische Luft. Das ist meine natürliche Reaktion, wenn mir die Nachrichten vom RKI und den Virologen rund um Shootingstar Christian Drosten aufs Gemüt zu schlagen drohen. Lange Spaziergänge erhellen die Gedanken. Zusammen mit meiner Tochter und dem Hund geht es hinaus in die Natur. Aber egal, welche Himmelsrichtung wir einschlagen: Immer lauert irgendwo ein Berg. Leuchtenberg, Fahrenberg, Schellenberg – klingt alles nach Hügel, in der Praxis müssen aber auch die erst einmal erklommen werden, um mit einer herrlichen Aussicht belohnt zu werden. Kurze Rundwanderwege haben es uns besonders angetan. Radfahrer belächeln wir. Diese Art der bequemen Fortbewegung (vielleicht sogar noch mit Elektromotor) kommt für einen echten Wandersmann gar nicht in Frage. Wir gehen lieber.

Nach und nach werden wir mutiger, verlassen die gut markierten Routen und suchen uns eigene Pfade. Das führte in einem Fall dazu, dass wir zwei Stunden lang rund um den Fahrenberg, dem heiligen Berg der Oberpfalz, herumirrten. Der Hund, nach einem Sprung in einen Tümpel total verdreckt, hatte immer noch mordsmäßig Spaß. Meine Tochter dagegen fing an, wild zu schimpfen: „Weshalb auf ausgeschilderten Wegen gehen, wenn man ja auch auf eigene Faust durch die Pampa laufen kann!“ Sie drehte Videos über Snapchat, in denen sie sich von ihren Freundinnen für immer verabschiedete. Der Suchtrupp, der unsere leblosen Körper in einigen Wochen finden würde, könne ja unser tragisches Ende durch die Fotos auf dem Smartphone rekonstruieren.

Als die Beine langsam schwer wurden, und wir schon ziemlichen Durst bekamen, erblickten wir in weiter Ferne zwei Kirchturmspitzen. Ja, wir sind gerettet. Das ist Pleystein. Über den gottlob wenig abenteuerlichen Bocklradweg, auf dem wir dann die Radfahrer nicht mehr belächelten, kehrten wir sichtlich abgeschlagen, aber trotzdem stolz zurück zum Ausgangsort. Jetzt spazieren wir wieder häufiger auf ausgewiesenen Wandersteigen und streifen gezielt durch Täler: Pfreimdtal, Lerautal und Zottbachtal haben auch ihre Vorzüge.

Entrümpeln kann ebenfalls für Befreiung sorgen

Weiden in der Oberpfalz
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