Vohenstrauß
19.07.2018 - 09:02 Uhr

Stadt um einen Traditionsbetrieb ärmer

Nach 100 Jahren Bäckerhandwerkstradition schließt die Vohenstraußer Bäckerei Messer in der Pfarrgasse 10 zum 1. August die Pforten.

Sabine und Sabrina Messer mit Töchterchen Katharina fällt der Schritt der Schließung des Traditionsgeschäfts sehr schwer. Er ist aber unabwendbar. dob
Sabine und Sabrina Messer mit Töchterchen Katharina fällt der Schritt der Schließung des Traditionsgeschäfts sehr schwer. Er ist aber unabwendbar.

(dob) Damit geht eine lange Familien-Ära zu Ende, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg begann, als der „Dietl-Beck“ Hans das Bäckerhandwerk gleich in unmittelbarer Nachbarschaft beim Pinter-Bäcker erlernte, obwohl sein Vater Karl Dietl Schreiner war. Nach der Rückkehr aus dem Krieg gründete der Bäcker den „Natl-Beck“ im Elternhaus und stand jeden Tag ab den Morgenstunden in seiner Backstube. Heute führt Sabine Messer mit ihrer Tochter Sabrina und dem Gesellen die Bäckerei. Am Monatsende ist Schluss.
„Die Unkosten und Ausgaben fressen uns schier auf. Es geht nicht mehr“, informieren die beiden Frauen. Ein schwerer Schicksalsschlag im August vor zwei Jahren, als Karl Messer viel zu früh verstarb, machte alles zunichte. Zwar haben Ehefrau und Tochter, die vor zehn Jahren nach erfolgreich abgelegter Gesellenprüfung im Bäckerhandwerk in vierter Generation ins Geschäft einstieg, die große Hoffnung, dass es gut geht, aber die nach dem Tod des Ehemanns und Vaters nötig gewordenen und veränderten Öffnungszeiten und die totale Schließung am Wochenende machten auch den letzten Hoffnungsschimmer zunichte. „Ich habe keinen einzigen Bäcker bekommen, der am Wochenende backen würde“, sagt Sabine Messer resigniert. Ihr Geselle Joachim Klimt arbeitet eh schon die ganze Woche und konnte nicht auch noch am Samstag und Sonntag eingesetzt werden, nennt Sabine Messer einschneidende Gründe für die unabwendbare Schließung.
Früher stand Berta Messer mit ihrem Vater in der Backstube. Als dieser kränkelte sorgte sie noch einige Jahre für den Fortbestand der Bäckerei mit Backwaren. Beliefert wurde die Bäckerei Messer damals vom Bäckerkollegen Lindner aus Waidhaus, der täglich Brot und Semmeln anlieferte. 1967 verstarb der „Natl-Beck“ und Berta, die am 10. Juni 1954 Oskar Messer heiratete, kümmerte sich nun um ihre Kinder und Familie. Die Bäckerei verpachtete sie an den Konditor Werner Fischl, der daraufhin mit seiner Ehefrau Christa den florierenden Bäckerladen betrieb.
Zuckerkuchen, Puddingschnecken und Fischl's Hefebuchteln waren ein Hochgenuss und heute noch bei vielen Vohenstraußern in Erinnerung. Berta Messer, die seit Kindesbeinen an eine sehr tüchtige Geschäftsfrau war, hegte die große Hoffnung, dass ihr Sohn Karl in die Fußstapfen seiner Vorfahren stieg. 1990 legte der junge Mann tatsächlich seine Meisterprüfung ab und bald darauf eröffnete er wieder die eigene Bäckerei. Neben seiner Ehefrau stand auch seine Mutter in aller Herrgottsfrüh hinter der Theke und bediente die Berufstätigen mit den frischduftenden Backwaren.
Nach einem Umbau richteten die Messers auch ein Café ein, das stets viele Gäste gerne besuchten. Sonntagnachmittag war die Bäckerei erste Anlaufstelle für Torten und Gebäck für die Kaffeetafel. Ein tiefer Einschnitt war dann der plötzliche Tod von Karl Messer vor zwei Jahren, der mit 51 Jahren mitten aus dem Leben gerissen wurde und kurz darauf die damals 83-jährige Mutter Berta, die den Tod nicht verkraften konnte. Der Entschluss steht nun fest: Sabine Messer kann den Betrieb und das Haus nicht halten. „Vielleicht übernimmt ja wieder einmal ein Bäcker.“
Mit der Schließung der Traditionsbäckerei verliert die Pfalzgrafenstadt ein alteingesessenes Unternehmen in der Pfarrgasse, die zunehmend ruhiger wird. Mit dem Einzug der Lebensmittelmärkte verlor auch dieser Straßenzug an Anziehungs- und Einkaufskraft. Sabine und Sabrina Messer fällt der endgültige Schritt nicht leicht und „es wird dauern, bis wir darüber hinwegkommen und abschließen können“.

Die Bäckerei Messer gehört ab 1. August der Vergangenheit an. dob
Die Bäckerei Messer gehört ab 1. August der Vergangenheit an.
 
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