09.09.2020 - 11:53 Uhr
VohenstraußOberpfalz

VHS Vohenstrauß erwägt Trennung von Eschenbach

Der Zusammenschluss zwischen den beiden Volkshochschulen läuft nicht professionell. Die Vohenstraußer überlegen auszutreten, bevor der Start vollzogen ist. Sogar von grobem Vertrauensbruch ist die Rede.

VHS-Vorsitzender und Altbürgermeister Josef Zilbauer (links) ist sehr verärgert über die Vorgehensweise des Partners aus Eschenbach. Eine Kooperation stellen sich aber auch die Kuratoriumsmitglieder Alfons Raab, Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Richard Pruy und Geschäftsführerin Erika Grötsch (von links nach rechts) etwas anders vor.
von Elisabeth DobmayerProfil

Das aufpolierte und glänzende Profil, das die kooperierenden Volkshochschulen (VHS) Vohenstrauß und Eschenbach mit ihrem erstmals gemeinsamen Programmheft vermitteln wollten, hat gehörig an Glanz verloren. Beide Bildungseinrichtingen wollten gemeinsam in Sachen Bildung marschieren, zumindest bei der Premiere ist das nicht gelungen. Für Wirbel beim Vohenstraußer Vorstand um Altbürgermeister Josef Zilbauer sorgte der veröffentlichte Pressebericht am 31. August in Oberpfalz-Medien „Der neue Tag“, der keineswegs mit den Vohenstraußern abgesprochen gewesen und in alleiniger Manier der Eschenbacher mit Geschäftsführerin Angelika Denk an der Spitze formuliert worden sei.

Mehr üver die Präsentation des VHS-Programms lesen Sie hier

Eschenbach

Darüber ärgerte sich Zilbauer bei der Vorstellung des Herbstprogramms im kleinen Rathaussaal maßlos: „Die Vorstandschaft erwägt, den bestehenden Kooperationsvertrag wegen groben Vertrauensbruchs zu kündigen.“ Zilbauer weiter: „Da wird über Vohenstrauß geschrieben und wir wissen null davon.“ Wenn das die ganze Kooperation sei, dann wolle er mit seiner gesamten Führungsriege aufhören, machte Zilbauer deutlich. Die Vohenstraußer VHS-Geschäftsführerin Erika Grötsch bestätigte, dass niemand bei ihr wegen des Pressebeitrags angefragt habe. Sie habe schon erwartet, dass bei einer Kooperation eine gemeinsame Programmvorstellung ins Auge gefasst worden wäre. Noch dazu wisse die Geschäftsführerin aus Eschenbach nicht, welche Kurse hier in Vohenstrauß angeboten werden und umgekehrt. „Das darf in Zukunft nicht mehr passieren, da brauchen wir genaue Absprachen. So etwas schadet uns.“

Die Vorstandschaft erwägt, den bestehenden Kooperationsvertrag wegen groben Vertrauensbruchs zu kündigen.

Josef Zilbauer

Kuratoriumsmitglied und Bürgermeister Andreas Wutzlhofer missbilligte die Vorgehensweise ebenfalls. Vorstandsmitglied Richard Pruy fand, dass eine Kooperation nur funktionieren könne, wenn es gemeinsame Absprachen gebe, an die sich alle halten. „Das ist ein absoluter Vertrauensbruch gleich zu Beginn der Kooperation“, meinte Wutzlhofer. „Ich finde das ist ein sehr unglücklicher Einstieg in eine Kooperation.“

Erstauftritt offenbar sehr teuer

Die Vorstellung des neuen druckfrischen Programmhefts hätte in keiner Weise pressiert, hieß es. „Von einer Geschäftsführerin, die in höchster Bezahlung steht, erwarte ich eine andere Vorgehensweise“, sagte Zilbauer in Richtung Denk. „Wenn ich ein Gemeinschaftsprojekt habe wie das neue Programmheft, dann erwarte ich ein Miteinander bei der Pressevorstellung.“ Grötsch befand sich zwar in Urlaub, aber zuhause und bekomme in anderen Sachen auch Whatsapp-Nachrichten aus Eschenbach, wenn Hilfe gebraucht werde. Der Erstauftritt der Kooperationsgemeinschaft verschlang offenbar auch viel Geld, war zu hören, obwohl die Teilnehmer das Titelbild des Hefts mit dem östlichen und westlichen Landkreis als sehr gelungen bezeichneten.

Auch das Innenleben sei sehr übersichtlich. Bisher habe man beim Programmheft sehr auf die Kosten geblickt, erklärte Grötsch. Jetzt übernahm ein professioneller Designer die Ausarbeitung. „Mich schmerzt es schon, wenn ich sehe, wie wir in den vergangenen Jahren gespart haben.“ Noch dazu habe das Programmheft längst nicht mehr den Stellenwert wie früher. Viele Kunden buchten über die Internetseiten der VHS. 80 Prozent der Kosten für Broschüre oder Internet-Design werden einmalig über den Volkshochschulverband abgerechnet, jeweils 10 Prozent der verbleibenden Kosten müssen die Volkshochschulen Vohenstrauß und Eschenbach tragen. „In Zukunft muss man darauf schauen, Einsparungen zu treffen, da die Größenordnung einfach ein Kostenfaktor ist“, versicherte Grötsch.

Start um 14 Tage verschoben

Wegen Corona habe man sogar den Start des Herbst-/Winterprogramms um 14 Tage vorgezogen. „Die Leute sind derzeit offen für alles, das müssen wir nutzen.“ Beim Durchblättern der Broschüre kritisierte Wutzlhofer, dass auf mehr als zehn Seiten über Hatha Yoga informiert wird. „Warum kann man das nicht komprimieren?“ Auch die Burgführungen in Burgtreswitz werden auf zwei Seiten ausführlich behandelt. „Da kann man doch massiv Platz und Seiten sparen. Das ist überzogen. Das Heft hätte unsere Geschäftsführerin auf die Hälfte der Seitenanzahl reduziert.“ Sollte es ein Fortführung der Kooperation geben, werde man da genau darauf schauen, waren sich die Vertreter einig. „Wir sind gewohnt, zu sparen.“

Die Zwangsehe zwischen Vohenstrauß und Eschenbach sei nur zustande gekommen, weil der Bayerische Volkshochschulverband (BVV) wegen der Teilnehmerzahlen die kleineren Zweigstellen ausgeschlossen hätte. Grötsch hätte auch gerne einen Testlauf beim Programmheft gesehen, um Probleme beheben. Es sei zwar eine Kooperation, aber jede VHS müsse ihr eigenes Geld erwirtschaften. Die bisherige Besetzung bleibe bestehen, denn jeder kenne die eigene Kundschaft vor Ort am besten, sagte Grötsch.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.