09.04.2021 - 08:00 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstraußer Haushalt bricht erneut Rekord

Corona kann der Stadt Vohenstrauß bislang nichts anhaben - zumindest was die Haushaltslage anbelangt. Kämmerer Rainer Dötsch legt am Donnerstag dem Stadtrat erneut einen Rekordetat vor.

Die Stadt Vohenstrauß ist finanziell weiter auf einem sehr guten Weg.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Breitbanderschließung, Kindergärten, Schulen, Städtebauförderung - die Liste der Investitionsbereiche der Großgemeinde Vohenstrauß ist lang. Mit einem Rekordhaushalt in Höhe von insgesamt 26,3 Millionen Euro geht die größte Stadt im Landkreis Neustadt/WN die kommenden Monate an. Kämmerer Rainer Dötsch rechnete wie immer mit spitzem Bleistift, ließ sich aber vom Coronavirus nicht beirren und zu übervorsichtigen Ansätzen verleiten: "Anders noch als im vergangenen Jahr, wurden Unwägbarkeiten wegen der immer noch andauernden Pandemie im Großen und Ganzen vernachlässigt." Die Gewerbesteuereinnahmen 2020 hätten gezeigt, dass nicht alle Unternehmen von der Wucht der Pandemie getroffen werden.

Der Verwaltungshaushalt schließt mit 17,6 Millionen Euro ab. Gegenüber dem Vorjahr sind dies 1,7 Millionen oder fast 11 Prozent mehr. Die Schlüsselzuweisung, die sich nach der Steuerkraft einer Kommune berechnet, beträgt heuer 2,2 Millionen Euro und ist um etwa 213 000 Euro geringer als im Vorjahr. Die Kreisumlage schlägt mit 3,4 Millionen Euro zu Buche. Das sind fast 330 000 Euro mehr als 2020.

Schon 2020 ein Rekordhaushalt in Vohenstrauß

Vohenstrauß

Freiwillige Leistungen

Dötsch setzt die Gewerbesteuer 2021 auf 2,5 Millionen Euro an. Damit ist er weitaus optimistischer als im vergangenen Jahr, als er nur 500 000 Euro angesetzt hatte und dann eines Besseren belehrt wurde, weil ganze 2,7 Millionen Euro eingenommen werden konnten. Die freiwilligen Leistungen an LTO (25 000 Euro), Zuschüsse für Jugendarbeit und Jugendfeuerwehren (7500 Euro), Beförderungskosten für Kindergärten (8250 Euro), Zuschüsse an Wohlfahrtsverbände (2500 Euro), Zuschüsse an Senioren (1500), Zuschüsse an Eltern von Neugeborenen (5500 Euro), Übernahme der Mietkosten Weidener Tafel e.V. (3300 Euro), Zuschüsse an Sportvereine (25400 Euro) und Benutzungsgebühren für städtische Einrichtungen für Vereine (85 000 Euro) bleiben ebenfalls auf dem Niveau der Vorjahre.

Die Defizite bei Wasserversorgung (28 160 Euro) und Abwasserbeseitigung (32 856 Euro) halten sich in Grenzen. Groß ist dagegen das Defizit im Bestattungswesen mit insgesamt 98 275 Euro. Dötsch: "Bei anhaltender Entwicklung wird man sich zeitnah mit einer Neukalkulation der Gebühren befassen müssen." Ein Lichtblick sind die Ergebnisse der Photovoltaikanlagen auf den öffentlichen Gebäuden der Stadt. Die Prognose konnte 2020 wieder erreicht werden. Die Einnahmen lagen hier um rund 69 000 Euro über der Summe der Ausgaben.

Kostenintensive Maßnahme beendet

Der Vermögenshaushalt wurde von Dötsch heuer mit rund 8,7 Millionen Euro veranschlagt. Der Grund für die Verminderung zum vergangenen Jahr um fast 420 000 Euro liegt darin, dass etliche kostenintensive Maßnahmen wie zum Beispiel die Sanierung der Mehrzweckhalle und der Ausbau der Pleysteiner Straße bereits abgeschlossen sind. Die Stadt geht aber etliche neue Investitionen an. Hier nur ein kleiner Auszug aus dem Investitionsprogramm: Einrichtung der neuen städtischen Bücherei am Marktplatz 3 (102 000 Euro), Schaffung einer Kinderkrippengruppe im Kindergarten "Anton Ferazin" in Roggenstein (Planungskosten 50 000 Euro), Abwasserbeseitigungsanlagen Vohenstrauß (285 738 Euro) und Böhmischbruck (35 000 Euro), Breitbanderschließung Zeßmannsrieth und Erpetshof (1,4 Millionen Euro) und Erschließung Gewerbegebiet Vohenstrauß Ost Bauabschnitt 2 (1,1 Millionen Euro), Erschließung Baugebiet "Sommerwiesen" Bauabschnitt 3 (928 590 Euro).

Bei der Ausstattung der Schulen im Rahmen "Digitalpakt" kann sich die Stadt an verschiedenen Fördertöpfen des Freistaats bedienen. Für die Grundschule sind in diesem Bereich 94 500 Euro eingeplant, der Zuschuss beträgt 70 000 Euro. Für die digitale Aufrüstung der Mittelschule sind 143 000 veranschlagt, 90 000 Euro davon zahlt der Freistaat. Die Kosten für die Sanierung der Dreifachturnhalle haben sich auf etwa 3,1 Millionen Euro erhöht. Für zunächst nicht eingeplante Maßnahmen wie Windfang, Kraftraum und Prallwand plant der Kämmerer weitere 120 000 Euro im Haushalt ein.

Zusätzliche Mittel für Kindergarten

Auch bei der Sanierung des katholischen Kindergartens "Don Bosco" muss Dötsch zusätzliche Kosten in Höhe von 50 000 Euro einplanen. Das Geld wird für folgende Maßnahmen gebraucht: Ausbau von gepflasterten Flächen im Bereich Zugang aus der Wiesenstraße, Anlage einer Fahrbahn rund um das Hauptspielgerät im Innenbereich der Einrichtung, Behindertenparkplatz im Zuwegungsbereich zur Kinderkrippe und zusätzliche Parkflächen oberhalb des ehemaligen Ascherlhauses. Bislang übernimmt die Kommune von den 1,5 Millionen Gesamtkosten etwa eine Million. Die Parkierungsanlage (ehemalige Brauerei Würschinger) kostet rund 300 000 Euro. Für die Sanierung des ehemaligen Forstamtsgebäudes gibt die Stadt dem Landkreis einen Zuschuss aus dem Städtebauförderprogramm in Höhe von 500 000 Euro.

Die Finanzierung dieser Investitionen erfolgt neben den Einnahmen aus Beiträgen, Verkaufserlösen, Zuweisungen und Zuschüssen durch eine Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt in Höhe von 2,5 Millionen Euro sowie einer Rücklagenentnahme von 1,4 Millionen Euro. Erneut erfreulich: Die Stadt muss keine Kredite aufnehmen. Der Schuldenstand wird sich bis zum 31. Dezember von derzeit 495 543 Euro auf dann 287 875 Euro weiter verringern. Die Pro-Kopf-Verschuldung am Ende des Jahres 2021 beträgt 38,71 Euro. Damit liegt Vohenstrauß um 632,29 Euro oder 94,23 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Ohne den Kredit für die Photovoltaikanlagen liege die Pro-Kopf-Verschuldung gar nur mehr bei 25,11 Euro.

"Anders noch als im vergangenen Jahr, wurden Unwägbarkeiten wegen der immer noch andauernden Pandemie im Großen und Ganzen vernachlässigt."

Kämmerer Rainer Dötsch

Kämmerer Rainer Dötsch

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