15.02.2019 - 16:22 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstraußer Schulleiter Alfons Raab verabschiedet sich in den Ruhestand

Ob Dekan, Bürgermeister, Sekretärin oder die Schülersprecher Xenia Meyer und Roman Scharff. Jeder will sich vom scheidenden Schulleiter der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule verabschieden. Es wird ein Abschiedsmarathon.

Eine zweistündige Abschiedsfeier machte deutlich, wie geschätzt der Rektor der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule ist. Jetzt gehört seine Freizeit seiner Familie und vor allem seinen Enkelkindern Lukas und Leonie.
von Elisabeth DobmayerProfil

Ob die Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule wegen des schalkhaften Versprechers von Nikola Wolfrath bei der Verabschiedung von Rektor Alfons Raab nun tatsächlich in die Pfalzgraf-Alfons-Mittelschule umbenannt wird, muss die Zukunft zeigen.

Fest steht aber, den geschätzten Schulleiter, Kollegen und Lehrer ließen die Vohenstraußer nur ungern ziehen. Sogar seitens des Schulamts Neustadt/WN wurden ernstzunehmende Versuche unternommen, den Rektor zum Verlängern zu überreden. Doch auch von anderer Seite kamen Bitten zur Fortsetzung der Schullaufbahn wie von Bürgermeister Andreas Wutzlhofer und Raabs Sekretärin Andrea Hanauer, die gar einen fertig ausgefüllten Verlängerungsantrag mit Androhung eigenmächtiger Unterschriftsleistung an das Schulamt schicken wollte.

Doch alle Versuche liefen ins Leere. Raabs Zeit gehört jetzt seiner Familie und vor allem seinen Enkeln Lukas und Leonie. Damit war es Fakt und die Dienstzeit Raabs endete mit diesem Freitag. Dem Rektor fiel es trotz wohlüberlegter Entscheidung sichtlich schwer, sich von seiner geliebten Mittelschule, den Schülern und Kollegen zu trennen. Nicht umsonst zierte auf seiner Einladung das Zitat von Friedrich von Schiller: „Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich.“

Nikola Wolfrath eiferte in der Begrüßung dem Butler von „Dinner for One“ nach. Es war vielen Menschen aus Schule, Kirche, Politik und Stadtverwaltung aber auch ehemaligen Weggefährten ein großes Bedürfnis, an der Abschiedsfeier für Raab teilzunehmen. Am Ende der zweistündigen Feier trat er das letzte Mal in seiner Eigenschaft als Schulleiter ans Rednerpult.

Schulrätin Margit Walter, eine enge Weggefährtin aus der Rektorenzeit an der Grundschule, überreichte die offizielle Entlassurkunde. Sie verglich die Situation mit Menschen am Bahnsteig. Die Fenster des Zuges sind noch einen Spalt geöffnet. Letztmals werden wortlos Hände gedrückt, und irgendwann ertönt unerbittlich das Abfahrtssignal und der Zug setzt sich in Bewegung. Abschiedsstimmung beherrscht das Geschehen. Der Bahnsteig wird leer. „Jetzt heißt es auch für dich, lieber Alfons, Abschied nehmen, loslassen von wertgeschätzten Kollegen, von vertrauten Aufgaben, meist lernwilligen Schülern, kooperativen Eltern und einem äußerst schulfreundlichen Sachaufwandsträger.“ Er verlasse nicht nur den Bahnhof, sondern auch den Führerstand der Lokomotive. Zurück bleibe seine gesamte Crew. Vor fünfzehneinhalb Jahren trat er die Fahrt an und übernahm die Leitung der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule. Nach rasanter und abwechslungsreicher Fahrt stellt er den Zug nun ab. Vieles habe sich in dieser Zeit verändert. „Du hinterlässt sicher keine langsam vor sich hin schnaufende Bimmelbahn, die sorglos und ignorant durch die Schullandschaft tuckert, sondern einen feinen Intercity mit einem besonders tollen Speisewagen.“

Die Einführung der Ganztagsschulen, von Berufseinstiegsbegleitern und Sozialarbeitern an der Schule, der Anbau an die Mittelschule oder die Namensgebung und das Logo zeugen von seiner Umtriebigkeit. Das Label „Referenzschule für Medienbildung“ oder das Projekt „Talente finden und fördern“ prägten die Bildungsstätte ebenfalls. Die Gründung des Fördervereins war ein weiterer Meilenstein. Auch das Profil Inklusion wurde verliehen oder der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Die Schulrätin attestierte Raab eine umfassende Fachkompetenz, ein hohes Maß an Empathie und Loyalität. „Dein Beruf war für dich Berufung und Herzensangelegenheit.“ Während seiner gesamten Lehrerzeit fehlte Raab an keinem einzigen Tag wegen Krankheit. „Das gibt es wirklich.“ Lange ließe sich die Liste der positiven Eigenschaften fortsetzen, sagte Walter. Im Schulamtsbezirk sei er jedenfalls eine verlässliche Größe gewesen. „Herr Raab hat sich geschworen, ich unterrichte nicht mehr morgen“, sang der Schulchor zwischendurch und lockerte die Veranstaltung musikalisch auf.

Selten habe der Bürgermeister den scheidenden Schulleiter so nachdenklich gesehen wie an diesem Tag. „Es fiel ihm sehr schwer, das Rektorenzimmer zu räumen und seine letzte Mathematikstunde zu unterrichten“, wusste das Stadtoberhaupt. Besonders intensiv gestaltete sich Raabs Einsatz nachdem er 2008 ins Stadtratsgremium gewählt worden war. Anfänglich waren es noch leicht erfüllbare Wünsche wie eine Einbauküche fürs Lehrerzimmer. Ein fünfstelliger Betrag war dann schon bei der Neuausstattung des Computerraums und des Bushäuschens nötig. Die Krönung seiner exklusiven Antragstellung war dann der Erweiterungsbau der Mensa mit zusätzlichen Klassen- und Differenzierungsräumen für die Ganztagesklassen mit abgerechneten 2,4 Millionen Euro. Mit Nachdruck setzte sich der Rektor auch für die Sanierung der Mehrzweckhalle ein, für die locker drei Millionen in den Haushalt eingestellt werden müssen. „Deswegen müsste ich eigentlich jetzt froh sein, dass du dich in den Ruhestand verabschiedest“, scherzte der Rathauschef. In seinem Ruhestand könne Alfons Raab nun noch mehr die Rolle des Opas, des Familienvaters, des SpVgg-Funktionärs und des Stadtrats ausfüllen.

„Gib der Welt das Beste, was du hast, es wird nicht genug sein, trotzdem gib weiter das Beste.“ Dieses Zitat stammt von Mutter Teresa und passe für Raab, der auch gerne scherzhaft mit der Nonne aus Kalkutta verglichen werde, führte Dekan Alexander Hösl aus. „Sie haben stets Ihr Bestes gegeben.“ Raab legte mit einem besonderen Charisma vor, was heute nicht mehr im beruflichen und zwischenmenschlichen Bereich erlebbar ist. Dekan Hösl dankte auch für Raabs gelebtes Glaubenszeugnis und die religiöse Tradition, die er auch versuchte, in den Schülern wachzuhalten.

Realschuldirektor Andreas Meier erinnerte sich an die erste Begegnung mit Raab. Stets strömte der Rektor der Nachbarschule Ruhe und Gelassenheit aus. Probleme seien immer harmonisch gelöst worden. „Uns vereint stets das Wohl der uns anvertrauten Kinder im Blick zu haben.“ Eines hatte ihm Raab aber immer voraus: „Deine Reden waren immer länger als meine.“

Personalratsvorsitzende Elisabeth Graßler bezeichnete Raab, der seit 18 Jahren im Personalrat und ihr Stellvertreter war, „als leuchtendes Vorbild, als Schulleiter, der zeigt, wie Führung gehen kann.“ Sein Nachfolger im Amt habe es sicher nicht leicht, denn seine Spuren sind groß. Die Schülersprecher Xenia Meyer und Roman Scharff buchstabierten das Wort „Danke“ mit Durchblick, Aufgeschlossenheit und Ausgeglichenheit, Nähe zu den Schülern, wahrer Kinderfreund und nicht endend wollende Energie. Bekannte Oldies texteten die Lehrer auf ihren scheidenden Chef um und schenkten ihm aussagekräftige Karikaturen von Werner Weingandt.

Mit sehr persönlichen Worten blickte der angehende Pensionär noch einmal auf seine Zeit als Pädagoge zurück. Er wünschte, dass die Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule in der Spur bleiben möge, ihrem Selbstverständnis und Leitbild treu, vielen weiteren Generationen von Schülern eine sichere und beständige Heimat zum Lernen und Erfolg und allzeit in Topform ihren Dienst an Kindern und Jugendlichen erfüllen kann. „Schei woars, aus is und goar is, schod is, dass woahr is“, meinte Raab gerührt.

Info:

Lebenslauf

Geboren wurde Alfons Raab am 31. März 1953 als drittes Kind der Eheleute Anna und Martin Raab in Etzgersrieth. Nach dem Besuch der Volksschule besuchte er das Augustinus Gymnasium in Weiden und legte dort 1973 sein Abitur ab. Danach folgte das Lehramtsstudium in Regensburg. Als Lehramtsanwärter startete er 1976 in Moosbach ohne Klassenführung. In Eslarn legte Raab sein zweites Staatsexamen ab. 1979/80 war der Junglehrer in Tännesberg mobile Reserve und leitete eine erste Klasse. 1980 heiratete er seine Heidi. Vier Jahre später kam Tobias und 1991 Sohn Kilian dazu. Beide Söhne traten mittlerweile in seine Fußstapfen. Als Lehrer in Moosbach sammelte er Erfahrung, 1982 folgte die Verbeamtung auf Lebenszeit. Raab war Betreuungslehrer für Lehramtsanwärter und die erste Sprosse seiner Karriereleiter erklomm der Lehrer 1996 als Konrektor in Moosbach. Er war Mitglied in der Lehrplankommission der Grundschule. 1999 kam er schließlich als Konrektor an die Grundschule Vohenstrauß und vier Jahre später übernahm er die Rektorenstelle an der Hauptschule und heutigen Mittelschule, die er bis zum Eintritt in den Ruhestand am Freitag leitete. (dob)

Leonie, Raabs jüngstes Enkelkind, verfolgt die Reden aufmerksam und geduldig auf dem Schoß von Oma Heidi.
Leonie, Raabs jüngstes Enkelkind, verfolgt die Reden aufmerksam und geduldig auf dem Schoß von Oma Heidi.
Schulrätin Margit Walter entzündet eine Lobeshymne auf den scheidenden Rektor.
Bürgermeister Andreas Wutzlhofer hätte den scheidenden Rektor - trotz der kostspieligen Forderungen - gerne behalten.
Bürgermeister Andreas Wutzlhofer hätte den scheidenden Rektor - trotz der kostspieligen Forderungen - gerne behalten.
Auch Dekan Alexander Hösl verabschiedet sich herzlich. Alfons Raab habe den Schülern stets seine Glaubenstradition vermittelt.
Elternbeirat und Förderverein sagen auf Wiedersehen.
Die ganze Schulfamilie sagt "Danke". Konrektor Richard Troglauer zeigt den Gästen die Fotografie mit allen Schülern und Lehrkräften.
Leonie, Raabs jüngstes Enkelkind, verfolgt die Reden aufmerksam auf dem Schoß von Oma Heidi.
Werner Weingandt zeichnete Karikaturen für diesen besonderen Anlass.
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Werner Weingandt zeichnete Karikaturen für diesen besonderen Anlass.
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Der Lehrerchor dichtete Schlageroldies auf Alfons Raab um. "Tränen lügen nicht."
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Eine zweistündige Abschiedsfeier verdeutlicht, wie geschätzt der Rektor der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule ist. Jetzt gehört seine Freizeit seiner Familie und vor allem seinen Enkelkindern Lukas und Leonie.
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Nach der Abschiedsfeier gibt es stehende Ovationen für den scheidenden Rektor, der ganz gerührt ist.
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