19.10.2018 - 11:32 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vorsitzender schiebt Frust

Die Besucherzahlen im Museum gehen zurück. Schulen zeigen wenig bis gar kein Interesse mehr an der städtischen Einrichtung, die der Heimatkundliche Arbeitskreis betreut.

Heiner Aichinger und Peter Staniczek (sitzend, von links) gehen die nächsten drei Jahre wieder gemeinsam für den Heimatkundlichen Arbeitskreis voran. Dann soll aber endgültig Schluss sein.
von Elisabeth DobmayerProfil

Lehrer an den verschiedenen Bildungseinrichtungen haben heute wenig bis gar kein Interesse mehr am Museum. „Die Museumspädagogik wird heute mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt“, stellte der stellvertretende HAK-Chef Peter Staniczek in der Mitgliederversammlung im Gasthof „Schübl’adl“ fest. Zuvor hatte Vorsitzender Heiner Aichinger deprimiert berichtet, dass im September kein einziger Besucher die Ausstellung "200 Jahre Verfassungsstaat – 100 Jahre Freistaat Bayern" besucht hatte. Bei Schulklassen sei die Ausstellung bisher totale Fehlanzeige gewesen. Niemand aus den Schulen habe sich bisher offenbar für einen Besuch aufraffen können. „Das frustet und das sage ich offen mit aller Deutlichkeit.“ Für den Aufwand, den die HAK-Mitarbeiter betrieben haben, um diese Ausstellung auf Anraten des Hauses der Bayerischen Geschichte und des Verbands Bayerischer Geschichtsvereine zeigen zu können, sei dieses Desinteresse niederschmetternd.

Mittelschul-Rektor Alfons Raab versprach, umgehend seine Lehrer zu motivieren, sich die Schau anzusehen. Ein Besuch in einem Museum bedarf einer gewissen Vorbereitung, und diese scheuten heute viele Lehrer einfach aus Zeitnot. Der Lehrplan sei mittlerweile ein ganz anderer als noch vor einigen Jahren. Dem pflichtete auch der ehemalige Seminarrektor Georg Schmidbauer aus Oberbernrieth bei.

Wegen hoher Restbestände der "Streifzüge" 26 bis 30 nahmen die Anwesenden einstimmig den Vorschlag Aichingers an, den Verkaufspreis von 6 auf 3 Euro herabzusetzen. „Unser Klientel der Streifzüge stirbt langsam weg, und junge Leute lesen nicht mehr. Das wird immer schlechter“, so die Meinung. Ebenfalls sollen die neuen Stadtführer mit den verschiedenen Streifzügen eingedeckt werden, um sich daraus Wissen anzueignen. Das Durchschnittsalter der Mitglieder beträgt mittlerweile 69,7 Jahre und sei nur deswegen minimal gesenkt worden, da das älteste Mitglied, Schulrat a. D. Karl Weber, mit knapp 92 Jahren starb. Bisher lag das Durchschnittsalter bei 74 Jahren.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer fand es eine tolle Idee, die Stadtführer mit den "Streifzügen" zu unterstützen. „Da können die Jungen ein gewisses Potential an Informationen erwerben.“ Seinen Dank richtete er in diesem Zusammenhang an Staniczek, der viel Zeit, Wissen und Mühe in die Ausbildung der neuen Stadtführer steckte. „Das hat sich mittlerweile sehr gut eingespielt. Die Stadtführer bringen uns als Stadt auch wieder ein Stück nach vorne und davon profitieren wir.“

Der nächste Streifzug, Nummer 40, sei dank Rudolf Großmann so gut wie fertig, informierte der Vorsitzende. „Das wird ein schönes Heft und mit einer Auflage von 300 Stück eine feste Größe.“ Der HAK feierte heuer 40-jähriges Bestehen, erinnerte der Vorsitzende in seinem Rückblick. Zwei Gründungsmitglieder, Volker Wappmann und Karl Ochantel, erhielten als kleines Dankeschön ein Buchgeschenk von Aichinger. Seit der Eröffnung des Heimatmuseums besuchten bis zum 25. Geburtstag, der am 17. Juli gefeiert wurde (wir berichteten), 17 774 Personen das Museum, was einen Jahresschnitt von 711 ergibt. Leider waren es im vergangenen Jahr nur 250 Besucher, darunter zwei Schulklassen.

Neu in den Bestand kamen ein gerahmtes Telegramm zur Eröffnung der Lokalbahn 1886 vom ehemaligen Zoiglwirt Jürgen Schittenhelm, die Zunfttruhe der Vohenstraußer Schneider und ein weiteres Poesiealbum und einige Exponate Seltmann-Porzellan von einer gebürtigen Altenstadterin. Ebenfalls Gesellschaft erhielt der historische Grenzstein im Museumsgarten durch zwei weitere, die städtische Mitarbeiter dort errichteten. Karl Ochantel hat im Namen des HAK für die Stadtverwaltung auf Anfrage des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge für eine geplante Internetseite „Kriegerdenkmäler in der Oberpfalz“ die sieben der Großgemeinde beschrieben und fotografiert. Wegen des neuen Datenschutzgesetzes wurde auf Anraten von Reiner Claußen und nach Rücksprache im Vorstand einstimmig ein zusätzlicher Passus in der Vereinssatzung aufgenommen. Am 19. September besuchte der Geschichtsprofessor an der Karls-Universität Prag und Leiter des Freilandmuseums Visocky Chlumec in Prybram das Heimatmuseum. Konrad Uschold und Peter Staniczek betreuten den Gast. Der neugegründete HAK Waldthurn war ebenfalls kürzlich mit 18 Personen im Museum.

Heimatkundlicher Arbeitskreis:

Bei den Neuwahlen ließen sich Heiner Aichinger und Peter Staniczek nun zum letzten Mal als Vorsitzende wählen. In drei Jahren müsse sich eine Verjüngung ergeben, machten beide deutlich, denn dann stünden sie beide nicht mehr für eine Kandidatur zur Verfügung. Als Kassier wurde wieder Reiner Claußen von den 13 Stimmberechtigten gewählt und die schriftlichen Arbeiten bleiben in den Händen von Johann Ertl. Zu Beisitzern erklärten sich Karl Ochantel, Rudolf Großmann und Volker Wappmann bereit. Die Kasse prüfen Konrad Uschold und Karl Ochantel. In den Beirat wurden Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Josef Pflaum und Altbürgermeister Josef Zilbauer berufen. „In drei Jahren wird die Wahl sicherlich spannender“, meinte Wahlleiter Andreas Wutzlhofer.

Info:

Für eine Anfrage eines in Südafrika lebenden, in Hamburg geborenen Mannes, Jahrgang 1933, der 1944/45 in Vohenstrauß im Rahmen der Kinderlandverschickung untergebracht war an die Stadt stellte der Vorsitzende schriftliche Unterlagen zur Verfügung. Nicht geholfen werden konnte jedoch bei dessen Bitte um Nachsuche nach einem „von einem Amerikaner vergrabenen wertvollen Gegenstand in Bahnhofsnähe bei einer Fabrikruine“, meinte Heiner Aichinger schmunzelnd.

Das frustet und das sage ich offen mit aller Deutlichkeit.

HAK-Vorsitzender Heiner Aichinger

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