26.03.2020 - 15:38 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Wallfahrt gegen die Seuche

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Das Coronavirus hat auch das Vereinsleben im Altlandkreis Vohenstrauß lahmgelegt. Treffen und Veranstaltungen sind abgesagt oder verschoben. Ein Ereignis würde besonders unter der Ironie des Schicksals leiden.

Ob sich Ross und Reiter heuer wieder am vierten Juli-Wochenende beim St.-Jodok-Ritt treffen, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Der St.-Jodok-Ritt in Tännesberg ist die zweitgrößte Pferdewallfahrt in Bayern. Er erinnert an ein Gelübde aus dem Jahr 1796. Damals hatte eine Seuche verheerende Folgen in der Gemeinde. Daran starben zwar keine Menschen, aber 200 Tiere. Für Fördervereins-Vorsitzenden Benedikt Uhlemann wäre es daher reine Ironie des Schicksals, wenn die Prozession am vierten Juli-Wochenende abgesagt werden müsste. "Die Planungen liegen auf Eis", sagt er . "Normalerweise ist Ostern der Stichtag, die Einladungen an Reiter und Ehrengäste zu verschicken." Demnächst soll es eine Besprechung im Vorstand geben, ein Termin dafür steht aber noch nicht fest. "Finanziell wäre es kein Genickbruch, wenn der Ritt abgesagt werden müsste", betont Uhlemann. Historisch gesehen schon, denn es wäre erst das dritte Mal in der Geschichte.

Auch viele andere Vereine und Organisationen befinden sich im Ruhemodus. Der evangelische Posaunenchor in Vohenstrauß hat seine Proben ausgesetzt, das Vereinsheim ist geschlossen, berichtet Leiter Erwin Scholz. "Es gibt ja keine Auftritt in nächster Zeit. Wenn jeder für sich zu Hause was macht, dann ist es in Ordnung, es gibt aber keine Anweisung. Wir sind wie die Fußballer, die auch daheim trainieren."

Die SpVgg Vohenstrauß hat Training und Spielbetrieb schon vor knapp drei Wochen eingestellt, informiert Vorsitzender Uli Münchmeier. "Wir versuchen, keine Kosten zu verursachen." Trainer verzichten auf Gehalt, Bedienungen im Sportheim, das der Verein in Eigenregie führt, oder Reinigungskräfte sind im Zwangsurlaub. Abbuchungen für einen Bezahlsender ruhen. Sportheim und -gelände gehören der Stadt, wegen einer Aussetzung der Pacht laufen Gespräche, sagt Münchmeier. "Es gibt aber positive Signale."

Im April würde die neue Saison starten, pro Heimspiel fehlen dann etwa 300 bis 500 Euro, die Einnahmen aus der Bewirtung fallen komplett weg. "Aber wir haben gut gewirtschaftet und ein finanzielles Plus und können eine Durststrecke überwinden."

Der TV Vohenstrauß ist nicht auf Zuschauereinnahmen angewiesen, schildert Vorsitzender Klaus Nigg die Situation. Seit 8. März ruht der gesamte Sportbetrieb, virtuelle Stunden per Internet gibt es nicht. Aber zumindest die Leichtathleten haben ein Trainingsprogramm für zu Hause bekommen.

Die SpVgg Moosbach hat den Spielbetrieb vor etwa vier Wochen eingestellt, informiert Vorsitzender Helmut Meindl. Die Kicker halten sich persönlich fit. Da der Verein das Sportheim selbst bewirtschaftet, gibt es momentan keinen größeren Verlust. Falls die Saison aber ausfallen sollte, fallen 100 bis 300 Euro pro Heimspiel plus die Eintrittsgelder weg.

Der Musikverein Waidhaus steht ebenfalls still, erklärt musikalischer Leiter Hermann Mack. Die Musiker proben zu Hause, sind aber nicht per Videokonferenz miteinander verbunden. "Wir können auch keine Auftritte planen", außerdem wären Ende Mai Wertungsspiele, an denen die Waidhauser aber nicht teilnehmen werden. "Das wird aber wohl eh abgesagt", vermutet Mack.

"Wir treffen uns nicht mehr, es ist alles stillgelegt", bedauert Frieda Striegl vom Schäferhundeverein Waidhaus. Die Herrchen oder Frauchen aus dem ganzen Landkreis und Weiden dürfen auch den Übungsplatz nicht mehr benutzen, Kontakt gibt es momentan nur per Whatsapp. Finanziell schlagen aktuell nur Heizkosten zu Buche, aber "es sollte wärmer werden". Striegl hofft, dass nach Ostern eventuell wieder ein Betrieb in kleinem Rahmen anlaufen kann.

Die Eslarner Hubertus-Schützen haben ihr Schützenhaus schon vor den Ausgangsbeschränkungen geschlossen, berichtet Schützenmeister Daniel Biermeier. Der Verein wird heuer 50, aber einige Veranstaltungen sind schon abgesagt oder verschoben worden. Für die Aktiven gäbe es sogar eine Art Trockentraining für daheim, "aber das macht wahrscheinlich keiner". Immerhin sind die laufenden Kosten minimal.

Die Burg Leuchtenberg hätte im April geöffnet, bleibt aber bis auf Weiteres geschlossen. Noch nicht sicher sind auch die "Sommerfestspiele Landestheater Oberpfalz", am 22. Mai wäre Premiere.

Ab April wäre normalerweise die Burg Leuchtenberg geöffnet, bis auf Weiteres bleibt sie aber geschlossen, erklärt Fördervereins-Vorsitzende und Burgwartin Rita Lingl. Nach Absprache mit der Gemeinde kann sie alleine vorbereitende Arbeiten erledigen. Im August steht wieder die "Belebte Burg" im Kalender. Teilnehmende Gruppen müssten rechtzeitig angeschrieben werden, Lingl kann die Veranstaltung jedoch bisher nur unter Vorbehalt planen.

Die Burg ist auch Spielstätte des Landestheaters Oberpfalz (LTO), am 22. Mai hätten die "Sommerfestspiele Landestheater Oberpfalz" Premiere. LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer will den Termin natürlich halten, die weitere Entwicklung in Sachen Coronavirus ist aber derzeit nicht vorhersehbar. Verschiedene Szenarien werden daher durchgespielt. Absoluter Horror wäre eine Absage der Sommersaison, die 70 Prozent der Erlöse einbringt, betont Meidenbauer. "Wenn, dann müssten wir komplett umplanen." Gesichert sind der Betrieb der LTO-GmbH und die kurzfristige Liquidität, außerdem prüfen die Verantwortlichen, staatliche Fördergelder zu beantragen. Schauspieler und Sänger proben jedenfalls zu Hause, erläutert der Vohenstraußer. "Das Rollenstudium läuft auch über Videokonferenzen."

Ob das Freizeitzentrum Pleystein überhaupt aufmachen kann, steht bisher noch nicht fest.

Auch beim Förderverein des Freizeitzentrums Pleystein liegen die Aktivitäten auf Eis. Arbeitsdienste im Freibad gibt es vonseiten der Mitglieder aktuell nicht. "Wir müssen warten, ob das Freibad überhaupt aufmachen kann", sagt Vorsitzender Stefan Kabitschke. Falls es geschlossen bleiben müsste, wäre das "der worst case, die Besucher kommen schließlich von überall her". Für den Verein würden dann auch Einnahmen wegbrechen, beispielsweise aus dem Flutlichtschwimmen, das bisher jeweils 1000 bis 2000 Euro in die Kasse gespült hat.

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