Es ist ein uralter Brauch, dem sich Gesellen auf dem Weg zum Meister auch heute immer wieder gern stellen. Seit knapp einem Jahr befindet sich der aus Marburg an der Lahn stammende Kilian Steinpaß auf der Walz. Der junge Mann, ein Zimmerergeselle, machte auf seinem Weg nach Danzig kurz Station in der Pfalzgrafenstadt Vohenstrauß. Junge Handwerker gehen auf Wanderschaft, um sich die Sporen für den Meister zu verdienen und Erfahrungen zu sammeln.
In seiner schwarzen Kluft mit weiter Schlaghose, einem kragenlosen weißen Hemd, Jackett, dazu Hut (als Zeichen des freien Mannes) und Wanderstab (Stenz) sowie ein paar Habseligkeiten verstaut in einem Bündel marschiert er durch die Lande. Für Logis und Reise dürfen kein Geld ausgegeben werden. Da kam ihm der Josefitag in Vohenstrauß gerade recht. Aufgrund einer Einladung eines Gastes durfte er die Tradition am Josefitag in der Zoiglstube „d’Eisenbahn“ miterleben. Dort fand sich dann auch spontan ein Quartiergeber für die bevorstehende Nacht. Am darauffolgenden Tag verabschiedete sich Kilian Steinpaß noch bei Bürgermeister Wutzlhofer mit dem zimmermannsgetreuen Spruch und bat um eine kleine Unterstützung für seine Reisekasse, was dem jungen Mann auf seiner dreijährigen Walz nicht verwehrt blieb. Wutzlhofer freute sich, dass ihm der junge Mann über den Weg lief.
Um als Fremdgeschriebener die Welt auf traditionelle Art bereisen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Auf die Wanderschaft darf heute nur gehen, wer die Gesellenprüfung bestanden hat, ledig, kinderlos, schuldenfrei und unter 30 Jahre alt ist. Die Tippelei war und ist teilweise an schwierige Bedingungen geknüpft. So darf der Wandergeselle während seiner Reisezeit einen Bannkreis von meist 50 Kilometern um seinen Heimatort nicht betreten, auch nicht im Winter oder zu Feiertagen. Er darf kein eigenes Fahrzeug besitzen und bewegt sich nur zu Fuß oder per Anhalter fort. Öffentliche Verkehrsmittel sind nicht allgemein verboten, aber verpönt. Reisen auf andere Kontinente per Flugzeug sind zwar erlaubt, Alternativen, wie das Anheuern auf einem Segel- oder Frachtschiff beziehungsweise die Nutzung langer Landwege, gelten jedoch als die gesellengerechtere Art des Reisens. In der Öffentlichkeit muss der Handwerker stets seine Kluft tragen. Er hat sich auch immer ehrbar und zünftig zu verhalten. All sein Hab und Gut oder Werkzeug sind in dem Bündel enthalten, das er stets mit sich trägt.
Der wichtigste Gegenstand, den ein jeder Wandergeselle mit sich führt, ist sein Wanderbuch. Es ist ein unersetzliches Dokument der eigenen Wanderschaft und nach deren Ende dessen wichtigstes Erinnerungsstück. Da Form und Inhalt vor Missbrauch geschützt werden sollen, sind Wanderbücher nur in einer vertraulichen Umgebung oder aus offizieller Notwendigkeit vorzuweisen, insbesondere dürfen diese nicht veröffentlicht werden.













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