Wer die Gemeinschaftspraxis der Ärzte Heinrich Gref, Gerhard Hammer, Bernd Lauterbach und Zakaria Abo Mostafa in der Frühlingsstraße in Vohenstrauß betreten will, muss sich warm anziehen. Gref hat auf den Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine im Februar persönlich und mit dem ganzen Praxisteam reagiert und die Raumtemperatur auf ein Minimum gedrosselt. Nur einige Bereiche wie zum Beispiel das Schreibbüro und der Operationsraum werden mit Maß geheizt. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien beschreibt der 77-Jährige seine Beweggründe: "Ich will Putin nicht weiter füttern."
Die Patienten klärt Gref jetzt anhand einer Nachricht auf Zetteln, die im Wartezimmer ausliegen, kurz über Sinn und Zweck der Übung auf: "Wegen Putin und gegen einen Gastnotstand beteiligen wir uns aus Klimaschutzgründen an Gassparmaßnahmen. Es ist nicht verboten, einen oder zwei Pullis und eine Jacke anzuziehen. In meiner Kindheit wurde ein Zimmer, nur die Wohnstube, im Haus geheizt, und bei kriegsfolgender Mangelernährung sind wir gesünder aufgewachsen als viele unserer Kinder heute."
Patienten akzeptieren Maßnahme
Die Maßnahme stoße bei den Patienten auf große Akzeptanz. Offenbar schätzen und vertrauen sie ihrem Arzt. Seit Jahrzehnten ist der ehemalige Stadt- und Kreisrat für seine Konfliktbereitschaft und seinen offenen Einsatz für gewisse politische und ökologische Themen bekannt. Und da ist laut Gref auch jetzt der Fall: "Sehr viele finden es richtig." Vor allem die Älteren hätten kein Problem damit, sich ein paar Minuten mit Jacke ins Wartezimmer zu setzen. "'Die wissen auch noch aus eigener Erfahrung, wie schwierig und mühsam es früher war, das Holz für den Ofen zu bekommen." Keine Sorge müsse man haben, dass es für die Patienten zu kalt werden könnte. Die frischen Temperaturen seien laut Gref auch für Kranke keineswegs ungesund - ganz im Gegenteil.
Selbstverständlich würden bei den Operationsräumen 20 Grad eingehalten. "Die Patienten bekommen da ja immer Decken." Hier müsse niemand frieren. Gref werde es auch keineswegs riskieren, dass die Wasserleitungen einfrieren. Klimaschutz ist für den Mediziner, der sich am vergangenen Freitag in den Ruhestand verabschiedete, essenzielles Thema und ständige Aufgabe. Seine Praxis prüfe er ständig auf Einsparmöglichkeiten: "In Zimmern, wo gerade nicht gearbeitet wird, machen wir das Licht aus. Wir haben schon vor Jahren auf LED-Lampen umgestellt. Standby gibt es bei uns überhaupt nicht. Wir haben überall Kipp-Schalter, um Strom zu sparen." Als Privatmensch würde er seiner Linie treu bleiben: "Mir macht es nichts aus, mich im Bad bei 15 Grad nur kurz zu duschen."
Klima- und kriegsgerecht
Beim Blick auf die Stadt Vohenstrauß ist für Gref klar, dass in Sachen Energiesparen noch sehr viel Luft nach oben sei. "Man sollte sich schon überlegen, ob man früh um 6 Uhr alles beleuchten muss. Einige Supermärkte sind da vorbildlich und schalten ihre Reklame nachts aus. Das finde ich klima- und kriegsgerecht", betont der ehemalige Stadtrat. Im Hinblick auf die Weihnachtsbeleuchtung sollten die Verantwortlichen ebenfalls ein Zeichen setzen: "Ich kann ja Lampen anbringen, aber nicht so tierisch hell. Es reicht doch, nur jede dritte anzumachen."
Gref geht davon aus, dass seine Kollegen die Praxis in der Frühlingsstraße in seinem Sinne weiterführen und die Temperaturregler nicht ohne Not einfach hochdrehen. Auch wenn er als Chef nicht mehr im Eilschritt durch die Zimmer hechtet - seine "Mädels", die langjährigen Assistentinnen, würden darauf achten. Ihnen liege das Thema Energie mittlerweile selbst sehr am Herzen.


















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