20.08.2019 - 11:59 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Zirkus noch vor der Premiere

Der Circus Afrika sorgt seit einigen Wochen für Schlagzeilen. Tierschützer machen Front gegen den Familienbetrieb Weisheit aus Thüringen. Ende August kommt die Truppe nach Altenstadt bei Vohentrauß. Und schon vorher geht der Zirkus los.

Hardy Weisheit will mit seinem Circus Afrika vom 30. August bis 1. September in Altenstadt bei Vohenstrauß gastieren. Die Vorzeichen sind nicht besonders gut. Die Truppe aus Thüringen wehrt sich gegen Vorwürfe von Tierschützern, die Tierhaltung sei nicht artgerecht.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Zirkusdirektor Hardy Weisheit fiel am Montag aus allen Wolken, als er per E-Mail von der Stadtverwaltung Vohenstrauß darüber informiert wurde, dass die bereits erteilte Plakatierungsgenehmigung für das Gastspiel von 30. August bis 1. September in Altenstadt bei Vohenstrauß widerrufen wird. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien platzt ihm der Kragen: „Ich fühle mich verfolgt wie im Dritten Reich. Aber ich sage Ihnen eins: Der Zirkus wird nach Altenstadt kommen, ob mit oder ohne Plakatierung. Weil das Publikum auf unserer Seite ist.“

Wie viele andere in der Branche kämpft die 30-köpfige Truppe um Hardy Weisheit mit dem Tross, der etwa 50 Tiere umfasst, um den Erhalt des Traditionsbetriebs. Kritische Stimmen gehören zum Zirkus-Alltag. Tierschutzorganisationen haben sich längst in Stellung gebracht. Angeprangert wird vor allem die angeblich nicht artgerechte Elefantenhaltung. Die Dickhäuter würden starke Verhaltensstörungen zeigen und nachts an zwei Beinen festgekettet. Vor einigen Tagen verschickte die "Aktionsgruppe Tierrechte Bayern" eine Mitteilung an die Medien. Darin nehmen die Tierschützer vor allem den Zirkusdirektor ins Visier. Zu Werbezwecken würde dieser die Elefanten immer wieder quer über befahrene Straßen, Felder und durch Fußgängerzonen führen. Ein Video dieser Praxis vom aktuellen Standort in Regensburg sorgte in dem Zusammenhang für große Empörung. Das Veterinäramt Greifswald, so wird in dem Schreiben berichtet, habe fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten für die Elefanten und Kamele bemängelt. Weil der Direktor auf eine kontrollierende Amtstierärztin losging, sei dieser kürzlich rechtskräftig wegen Körperverletzung verurteilt worden.

Hardy Weisheit weiß von dem Schreiben der Tierrechtler, das seiner Meinung nach nun „alle in Aufruhr bringt“. Er versucht seit Tagen die Wogen zu glätten und verweist in Stellungnahmen - nicht zuletzt auf der Zirkus-Homepage - auf die gute Pflege und Haltung seiner Tiere. Als „große Frechheit“ bezeichnet er es, wenn nun der Vohenstraußer Bürgermeister die Plakaktierungsgenehmiung vor dem Gastspiel in Altenstadt widerruft. "Wir sind ja schon am Plakatieren, schließlich haben wir schon dafür bezahlt.“ Sollte die Stadt die Plakate entfernen, werde er eine einstweilige Verfügung gegen „den guten Mann“ beantragen. Er scheue auch nicht den Gang vor das Verwaltungsgericht.

„Es ist eine große Schweinerei, wie man uns Zirkusleute diskriminiert.“ Den Behörden fehle jegliches Rückgrat. „Die machen sich doch ins Hemd vor den Tierrechtlern“, schimpft der Zirkusdirektor zornig weiter. Die Bedingungen seien angesichts der heißen Sommermonate ohnehin enorm schwierig. Zu allem Überfluss habe man mit den Nachwirkungen des Brands vor einigen Monaten in Weiden, bei dem ein Sachschaden von insgesamt 75 000 Euro entstanden war, zu kämpfen. Die Versicherung habe bislang noch keinen Euro gezahlt. „Aber das hier jetzt ist die Krönung“, wettert der Zirkuschef. „So eine Kleinstadt wie Vohenstrauß sollte doch froh sein, wenn in der Ferienzeit der Zirkus kommt und den Kindern etwas bietet.“

Der geplante Ort für den Standort des Zirkus befindet sich in Altenstadt in unmittelbarer Nähe des Fußballplatzes auf einer Wiese, die sich in Privatbesitz befindet. Nochmals betont Weisheit, dass der Zirkus auf alle Fälle kommt – auch wenn keine Plakate darauf hinweisen sollten.

Der Vohenstraußer Rathauschef steht zu seiner Entscheidung. Nach einer ausführlichen Internetrecherche habe er die vom dritten Bürgermeister am Freitag erteilte Plakatierungsgenehmigung nach seinem Kurzurlaub am Montag widerrufen. "Für mich war die Verhaltensweise und die lange Liste der Vorkommnisse bei dem Zirkus entscheidend", erklärt Wutzlhofer. In mehreren Telefongesprächen mit dem Zirkusdirektor am Montag sei er zu dem Schluss gekommen, dass dessen Aussagen nicht immer der Wahrheit entsprechen. "Er hat gesagt, dass die Plakatierung bereits laufe. Ihm sind angeblich bereits Kosten entstanden. Ich habe mich selbst davon überzeugt. In Vohenstrauß und allen Ortsteilen hing am Montagnachmittag kein einziges Zirkus-Plakat." Außerdem fragte der Bürgermeister nach, ob Weisheit bereits das zuständige Veterinäramt informiert habe. Während der Zirkuschef dies bejahte, fiel die Antwort eines Behördensprechers ganz anders aus: Weisheit sei mit dem Amt bislang noch nicht in Kontakt getreten.

Den bitterbösen Vorwurf, die Bürgermeister würden "kein fahrendes Volk" in ihren Gemeinden dulden, will Wutzlhofer nicht auf sich sitzen lassen: "Ob Bettenreinigung, Kasperltheater oder Zirkus - wir hatten alles schon in unserer Stadt. Aber wenn gegen das Tierwohl verstoßen wird und noch dazu nicht mit ehrlichen Karten gespielt wird, ist das Grund genug für mich, den Widerruf bestehen zu lassen." Das Geld, das der Zirkus der Stadt für die Plakatierungsgenehmigung angeblich bereits überwiesen habe, sei laut Wutzlhofer am Dienstagvormittag noch nicht auf dem Konto gewesen.

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