05.08.2020 - 13:49 Uhr
VorbachOberpfalz

Gemeinderat Vorbach: Arbeitsgruppe präsentiert Ideen zum Hochwasserschutz

Der Hochwasserschutz in Oberbibrach ist für den Gemeinderat das Gebot der Stunde. Erste Vorschläge unterbreitet eine Arbeitsgruppe. Fachplanungen sollen folgen. Auch die große Dorferneuerung ist in Sicht.

Zu den Vorschlägen der Arbeitsgruppe gehört auch eine Bachbett-Erweiterung des Biberbaches
von Robert DotzauerProfil

Die Überschwemmungen in der Nacht vom 14. auf 15. Juni stecken noch vielen Oberbibrachern in den Gliedern. Die Flutwelle und die großen Schäden beschleunigen die Überlegungen für einen nachhaltigen Hochwasserschutz für das Dorf. Eine intensive und rasche Ursachenforschung mündete bereits nach sechs Wochen in einen Ideenkatalog mit umfassenden Vorschlägen, die in der Gemeinderatssitzung mit viel Beifall aufgenommen wurden.

Das von einer Arbeitsgruppe unter Federführung von Dominik Eckert und Martin Wiesend erstellte Papier befasst sich, auf langjährigen Beobachtungen fußend, schon fast fachkundig mit der Ursachenforschung und ebenso mit ersten Ideen für Rückhaltekonzepte. Gegenstand der Überlegungen sind zudem ökologische Verbesserungen im und am Biberbach. Die siebenseitige „Expertise“ beginnt schon mit Untersuchungen weit außerhalb des Gemeindebereichs. Einbezogen wird das große Gebiet des gemeindefreien Speinsharter Forstes mit den Bayerischen Staatsforsten als Eigentümer.

„Auch der Staatsforst ist bei der Hochwasserprävention gefordert“, darin ist sich die Arbeitsgruppe einig. Allerdings konzentrieren sich die Vorschläge auf das Gemeindegebiet mit den Weiher-Schwerpunkten und auf den Wasserlauf des Biberbaches. Vorschläge für Rückhaltekonzepte unterbreitet die Arbeitsgruppe unter anderem für die Weiherkette zwischen Lohe und Roten Bühl, zwischen Rosaweiher und Rosamühle, für den Rosaweiher und den Schneidweiher. Angedacht wird zum Beispiel ein Ankauf durch die Gemeinde und der Bau eines Stauwerkes.

Waren Biberlöcher die Ursache für das Oberbibracher Hochwasser?

Oberbibrach bei Vorbach

Denkansätze enthält die Ideensammlung zudem für Rückhaltungen entlang der Kreisstraße NEW 14, für Dammerhöhungen mit gleichzeitiger Vermeidung von Biberschäden, für künstliche Mäander, für ein Anheben des Biberbaches mit Verstärkung der Fließgeschwindigkeit, für die Nutzung des Bolzplatzes als Überschwemmungsgebiet und Vorhaltebecken und für ein Verbreitern des Bachlaufes im Ortskern. Dabei sollte auch über die Zukunft der Bachgasse nachgedacht werden, heißt es in den Überlegungen.

Zudem erstellten sie eine sogenannte Nährungsberechnung für den Wasserdurchfluss des Biberbaches bei einem Jahrhunderthochwasser. Auf der Basis der Ideensammlung wünscht sich die Arbeitsgruppe Voruntersuchungen eines Ingenieurbüros unter Berücksichtigung von Renaturierungsmaßnahmen. „Viele wünschen sich die Bachschwünge früherer Zeiten zurück“, heißt es. Anstreben sollte die Gemeinde auch eine Flachwasser- und Feuchtwiesengestaltung, Fischtreppen und eine innerörtliche wohldosierte Uferbepflanzung.

Die Vorschläge der Arbeitsgruppe, deren Ergebnisse weiter verfeinert werden sollen, sind reif für eine Ausschreibungsgrundlage, urteilte Bürgermeister Alexander Goller. Auch Gemeinderat Martin Kräml befand: „Die Vorarbeit der Arbeitsgruppe war gigantisch und ist eine Steilvorlage für Planungsbüros“. Bürgermeister und Gemeinderat erwarten sich auf dieser Basis weitere Fachplanungen. Einstimmig beschloss das Gremium Angebote von drei Ingenieurbüros einzuholen.

Zudem verwies Goller auf das Zeitfenster für den Hochwasserschutz als erstes Projekt für die künftige Große Dorferneuerung in Oberbibrach und kündigte nach Verhandlungen mit dem Amt für Ländliche Entwicklung und mit dem Wasserwirtschaftsamt für das kommende Jahr eine große Informationsversammlung an. Nach der Planungsphase 2022 rechnet der Bürgermeister mit einer ersten Baumaßnahme im Jahr 2023. Goller sprach von insgesamt 20 Teilprojekten in den nächsten zehn Jahren. „Die Dorferneuerung und der Hochwasserschutz in Oberbibrach genießen bei den Fachbehörden hohen Stellenwert“, bestätigte der Bürgermeister.

Dammbruch und Flutwellen in Oberbibrach

Oberbibrach bei Vorbach
Das Jahrhunderthochwasser vom Juni 2020 beschleunigt die Planungen für einen nachhaltigen Hochwasserschutz in Oberbibrach. Zeitgleich soll auch die Große Dorferneuerung beginnen
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