16.04.2020 - 12:54 Uhr
VorbachOberpfalz

„Tue recht und scheue niemand“

Es jedem recht zu machen, war nicht sein Ding. Im Gegenteil: Vorbachs Bürgermeister Werner Roder verabschiedet sich nach 24 Jahren im Amt des Gemeindechefs mit der Feststellung: "Meine Zielsetzung war es, jedem gegenüber gerecht zu sein."

Bürgermeister Werner Roder: "Meine Zielsetzung war es, jedem gegenüber gerecht zu sein."
von Robert DotzauerProfil

Mit dem Leitgedanken „Tue recht und scheue niemand“, also rechtschaffen und mutig zugleich zu sein, gelang es dem Vorbacher, seine Heimatgemeinde in den vergangenen 24 Jahren zu einem blühenden Gemeinwesen zu entwickeln. Bescheiden erklärt Roder im jüngsten Gemeindeboten diese Devise: „Mein Handeln verband sich mit rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedinungen und der gebotenen Gleichbehandlung.“

Allerdings seien die Interessen der Gemeinde beständig höher zu gewichten als die Einzel- und Gruppeninteressen, betont Roder gleichzeitig. Zusammenfassend und berührend entschuldigt sich er sich dafür, über durchaus mögliche Entscheidungen jemandem Unrecht getan zu haben, ohne es zu bemerken.

Seinen Rückblick auf 24 Jahre „Bürgermeisterei“ nutzt er zudem „für ein kleines Fazit" der Amtsjahre von 1996 bis 2020. Roder verweist auf im Verhältnis zur Größe der Gemeinde gewaltige öffentliche Investitionen von circa 15 Millionen Euro oder etwa 15.000 Euro pro Einwohner.

Als wichtigste Projekte nennt der scheidende Bürgermeister die Ortskanalisation in Oberbibrach und Höflas, die Generalsanierung von Grundschule und Turnhalle, den Umbau und die Renovierung des Gemeindezentrums, die Mitfinanzierung der Kindergartensanierung in Schlammersdorf einschließlich der Einrichtung einer Kinderkrippe, den Erwerb von Bauerwartungsland durch die Kommune und die Erschließung von 50 Wohnbauparzellen.

Roder erinnert zudem an die Sanierung von Orts- und Gemeindeverbindungsstraßen, den Ausbau der Ortsdurchfarten, den Bau von Geh- und Radwegen sowie des Dorfladens, den Breitbandausbau in allen Ortsteilen, eine gute Grunderwerbspolitik und die Errichtung des Mietwohngebäudes in der Vorbacher Hauptstraße. „Mit dieser Verbesserung der Infrastruktur war es möglich, die Lebensqualität der Gemeinde wesentlich zu verbessern“, zeigt er sich überzeugt.

Diese Feststellung verbindet der langjährige Gemeindechef auch mit der finanziellen Entwicklung der Kommune. „Beim Amtsantritt im Jahr 1996 war die Gemeinde noch mit rund 850.000 Euro verschuldet. Rücklagen gab es fast keine“, blickt er zurück. Trotz dieser besorgniserregenden Bedingungen sei es gelungen, die Großinvestitionen der Kommune finnaziell abzufedern und die Verschuldung vollständig abzubauen.

Diese Entwicklung unterstreicht Roder mit einer weiteren markanten Haushaltsstelle: Er verweist auf einen sensationellen Rücklagenstandvon über 10 Millionen Euro zum Ende des Haushaltsjahres 2019. Diese bedeute ein Rücklagenpolster von 10.000 Euro pro Einwohner.

"Die Einnahmequellen werden weiter sprudeln", ist er sich sicher und spricht sogenannte erdiente Zuwendungen an, bei denen er im Jahr 2020 mit einer Größenordnung von weit über einer Million Euro rechnet. Den kommunalen Haushaltsgrundsätzen folgend verweist der Bürgermeister zwar auch auf die unvermeidliche Zahlung der Kreisumlage von circa 2,8 Millionen Euro. Diese Verpflichtung ändere jedoch wenig am festen Fundament einer freien Rücklage von deutlich über 8 Milllionen Euro.

Dass diese positive Entwicklung nicht gottgegeben sei, auch daran erinnert Werner Roder. Dabei hebt er das konsequente Ausschöpfen aller Einnahmequellen hervor. Dazu zählt er auch die kostendeckende Erhebung von Beiträgen und Gebühren, die bestmögliche Nutzung staatlicher Fördermöglichkeiten, das nachhaltige und sparsame Wirtschaften und natürlich die gemeindlichen Steuerquellen, zum Beispiel die Einnahmen aus der Gewerbesteuer ansässiger Unternehmen. Der scheidende Bürgermeister weist dabei besonders auf die Gewerbesteuereinnahmen der vergangenen beiden Jahre hin.

Dieser Erfolgsbilanz folgt im Mitteilungsblatt ein aufrichter Dank an jedermann, der zu dieser Entwicklung beigetragen habe. Doch kein Rückblick ohne Ausblick. Von der Basis der soliden Finanzlage Vorbachs ausgehend zeigt sich der scheidende Gemeindechef optimistisch, weitere wichtige Investitionen anzugehen: „trotz eines sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abschwungs“.

Dabei nennt er die Dorferneuerung in Oberbibrach, den Bau eines neues Feuerwehrgerätehauses in Vorbach und den Radwegbau von Oberbibrach in Richtung Schlammersdorf. Roder plädiert zudem dafür, auch weiterhin ein Augenmerk auf die freiwilligen Leistungen zu richten: „Die Jugend- und Seniorenarbeit und die der ortsansässigen Vereine verdienen es.“

Der findige und stets "fündige" Bürgermeister vergisst auch nicht einen Appell zum Sparen und zur Nachhaltigkeit. „Auch die Zukunft verlangt nach einer bedarfsgerechten Infrastruktur“, mahnt er. Roder empfiehlt deshalb eine immerwährende Ausschau nach intelligenten Lösungen und Finanzierungen. Für diese verantwortungsvolle Aufgabe wünscht er seinem Nachfolger Dr. Alexander Goller und dem neu gewählten Gemeinderat allzeit viel Erfolg und eine glückliche Hand.

Ab 1. Mai 2020 ist Werner Roder wieder in Vollzeit beim Bezirk Oberfranken beschäftigt. In Bayreuth bekleidet er als Verwaltungsdirektor das herausragende Amt des Geschäftsleiters des Bezirks. Während seiner Bürgermeisterzeit verzichtete Roder im Interesse dieser Tätigkeit freiwillig auf 25 Prozent seines Bezirks-Gehalts.

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