27.03.2020 - 15:04 Uhr
WackersdorfOberpfalz

"Einfach glücklich, daheim zu sein"

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Von Neuseeland nach Wackersdorf in 35 Stunden ist das Ehepaar Götz schon öfter gereist. Doch diesmal mit Blick auf das Coronavirus unter völlig anderen Umständen. Gerhard und Maria Götz schildern ihre Rückreise – auf den letzten Drücker.

Wegen der Ansteckungsgefahr nur noch mit Schutzmaske: Gerhard und Maria Götz auf ihrer Heimreise von Neuseeland.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Es war wirklich eine Entscheidung in letzter Sekunde, das wird dem Wackersdorfer Gerhard Götz und seiner Frau Maria einen Tag nach ihrer Rückankunft in Deutschland klar. Doch von Anfang an. Seit 10. Januar war das Ehepaar unterwegs, erst drei Monate Neuseeland und dann einen Monat Australien war der Plan. Als "glückliche Rentner" unternehmen sie öfter so lange Reisen, zumal die beiden Söhne in Auckland (Neuseeland) und Australien wohnen. "Als wir hingeflogen sind, waren noch die Buschfeuer großes Thema", blickt Götz zurück.

Dann war es das Coronavirus. Aus dem Appartement von Sohn und Schwiegertochter im Zentrum Auckland verfolgte die Familie besorgt, wie sich die Lage nach China auch in Italien verschlechterte. "Das hat sich alles immer enger gezogen. Erst dachten wir noch, bis wir zurückkommen, passt das wieder", erinnert sich der 66-Jährige. Die Rückreise in die Oberpfalz war für 27. April geplant. Im März habe sich die Lage dann zugespitzt. Schließlich gab es auch in Neuseeland erste Coronafälle. Gleichzeitig wurde in Deutschland der Katastrophenfall ausgerufen. "Erst dachten wir noch, wir bleiben lieber hier", so Götz, der auch als freier Fotograf bei Oberpfalz Medien arbeitet. Doch bald wurde klar, der Aufenthalt muss abgebrochen werden. Am Donnerstag, 19. März, fiel die Entscheidung, heimzufahren.

Der Versuch einer Umbuchung verlief erfolglos. "Das ist eines der Dinge, die ich gelernt habe. Ich werde bei keinem Billiganbieter mehr buchen, nur um ein paar Euro zu sparen", betont Götz.

Die Oberpfälzer suchten Rat beim deutschen Konsulat, doch vor Ort die Ernüchterung: Geschlossen. Alle Dienste waren nur Online möglich. Bei einer thailändischen Airline suchten sie nach einem Flug. "Der letzte Flug, der noch bezahlbar war, ging am Montag. Am Dienstag hätte es schon 1000 Euro pro Person mehr gekostet." Außerdem sickerte langsam durch, dass der Flugverkehr bald zu 90 Prozent eingestellt werden würde. Schnell wurde ein neuer Flug für Montag über Bangkok nach München gebucht.

Am Samstag kam dann die E-Mail von der Airline mit dem Hinweis, dass alle Fluggäste, die über Thailand fliegen, ein Gesundheitsattest und eine Versicherungsbestätigung brauchen. Keine leichte Aufgabe, das alles an einem Wochenende zu erhalten, doch in Auckland haben die Ärzte auch samstags offen und es gab einen 24-Stunden-Dolmetscher-Dienst. So besorgte sich die Familie alles Nötige. "Am Sonntag haben wir nochmal einen schönen Tag am Meer verbracht", erzählt der Rentner. Am Montag ging es dann mit einem "mulmigen Gefühl" zum Flughafen. Bereits vor dem Gebäude mussten sich die Eltern von Sohn und Schwiegertochter verabschieden. Am Eingang wurde das Attest begutachtet. "Wir haben in viele sorgenvolle Gesichter geblickt." Dem Ehepaar fiel positiv auf, dass viel Service-Personal im Einsatz war, das sich um die Passagiere kümmerte. Es gab auch einen Arzt, der die Leute ohne Attest extra untersucht hat. "Niemand wurde alleine gelassen."

Im Flugzeug nach Bangkok saßen weniger Menschen als sonst, etwa zwei Drittel war besetzt. Alle Passagiere trugen Masken und zum Teil Handschuhe. Nach zwölf Stunden landete die Maschine auf thailändischem Boden. Dort mussten dann alle zum Gesundheitscheck. "Bei jedem wurde Fieber gemessen." Auf den Tafeln am Flughafen waren circa 80 Prozent der Flüge gestrichen. Von Bangkok nach München war der Flieger dementsprechend "proppenvoll". Viele mussten aber noch weiter, nach Berlin, Hamburg, Düsseldorf.

Nach weiteren elf Stunden erreichten Gerhard und Maria Götz im Morgengrauen den Münchner Flughafen. Da war es Dienstag. Um 7.08 Uhr saßen die Rückkehrer im Zug nach Regensburg. "Wie im Geisterzug", erinnert sich Götz. Nur drei oder vier Leute waren außer dem Ehepaar auf den Zug verteilt. Vom Schwandorfer Bahnhof aus ging es mit dem Taxi nach Hause. "Uns durfte ja niemand abholen." Um 9.30 Uhr erreichten die beiden nach insgesamt 35 Stunden Reise ihr Haus. Und das dauerte im Vergleich zu sonst nicht mal länger. "Die Papiere dabei zu haben, war ganz wichtig", resümiert der Fotojournalist. Mittlerweile gibt es auch in Neuseeland eine Ausgangssperre.

Am Mittwoch kämpften die beiden Rentner noch etwas gegen den Jetlag. Sie sind aber sehr glücklich, daheim zu sein. "Hier können wir immerhin in den Garten gehen."

Nachmittags kam die Nachricht vom Sohn, dass Neuseeland nun Alarmstufe vier ausgerufen hat. "Act as if you have Covid-19. This will safe lives", steht in der Anordnung der Regierung. Das heißt: Wenn man so vorsichtig handelt, als ob man bereits infiziert ist, kann das Leben retten. Ab diesem Wochenende laufen auch die Rückholaktionen für deutsche Touristen aus Neuseeland. "Wir sind wirklich in letzter Minute raus gekommen", erkennt Götz.

"Wie in einem Geisterzug", schildert Gerhard Götz seine Fahrt im Zug von München nach Regensburg.
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