Wackersdorf
04.07.2025 - 11:59 Uhr
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Von einer Frankfurter Bar zu einem Einbruch nach Wackersdorf

Die Täter reisten aus Hessen an. Sie hatten ein Wackersdorfer Wohnhaus im Visier, hebelten das Kellerfenster auf und stahlen eine Geldbörse mit 1000 Euro Inhalt. Einer der Männer hinterließ DNA-Spuren. Jetzt saß er vor Gericht.

Nach einem Einbruch in Wackersdorf muss ein 44-Jähriger für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Symbolbild: Nicolas Armer/dpa/Symbolbild
Nach einem Einbruch in Wackersdorf muss ein 44-Jähriger für zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Wer konnte wissen, dass sich unter dem Sofakissen ein Geldbeutel befand? Die Hausbesitzerin hatte zwar keine konkrete Antwort auf diese Frage. Aber sie vermutete: "Zuvor waren Arbeiter bei uns." Einer dieser Leute gab womöglich einen in kriminellen Kreisen geschätzten Insidertipp.

Fakt war jedenfalls in einem Prozess vor dem Amberger Schöffengericht: Am 19. Mai 2023 weit nach Mitternacht brachen zwei Männer in Frankfurt/Main auf, gelangten nach mehrstündiger Fahrt ins oberpfälzische Wackersdorf und überstiegen den Maschendrahtzaun vor einem Anwesen, das zu diesem Zeitpunkt ein älteres Ehepaar samt Hund bewohnte.

Unter dem Sofakissen

Die von weit her angereisten Einbrecher hebelten mit Gewalt ein Kellerfenster auf, zwängten sich ins Tiefgeschoss und gelangten von dort aus zum Parterre. Dort wurde ein Sofakissen angehoben und eine darunter deponierte Geldbörse mit 1000 Euro Inhalt vorgefunden. Mit ihrer Beute flüchteten die Diebe über die danach offenstehende Haustür. Der Hund des Besitzerehepaars folgte den Männern und bellte draußen vor dem Haus. Das fiel den Leuten drinnen im Gebäude zwar auf, doch die Schwandorfer Polizei wurde erst Stunden später verständigt.

"Was haben Sie gemacht, als Sie den Einbruch entdeckt hatten?", fragte Richterin Kathrin Rieger die Hauseigentümerin. Ihre Antwort verblüffte: "Ich bin zusammen mit unserem Hund auf der Couch gesessen und habe gewartet, bis es draußen hell wurde." Zu diesem Zeitpunkt waren die Täter über alle Berge.

Als die Polizei dennoch Nachricht von dem nächtlichen Übergriff erhielt, wurden DNA-Spuren eines Mannes gesichert, der aus Hessen stammte und acht Jahre Haft wegen eines Vergewaltigungsverbrechens abgesessen hatte. Zunächst war der 44-Jährige nicht greifbar. Erst am 15. August 2924 ging er mit einem gegen ihn bestehenden Haftbefehl den Behörden ins Netz. Ab dann saß er im Gefängnis.

Geständiger Familienvater

Dem Mann auf der Anklagebank wäre es angenehm gewesen, möglichst rasch auf freien Fuß zu kommen. Dem Rat seines aus Heilbronn angereisten Anwalts Bernd Stupp folgend, legte der Vater zweier Kinder ein Geständnis ab, gab den vom Gesetzgeber mit hohen Strafen bedrohten Wohnungseinbruchsdiebstahl zu und konnte sich erinnern, "wie ich in einer Frankfurter Bar auf einen mir unbekannten jungen Mann mit dem Namen Viktor getroffen bin." Der besagte Herr aus Osteuropa habe den Einbruch im oberpfälzischen Wackersdorf vorgeschlagen und ihn quasi zum Mitmachen eingeladen. Dieses Angebot, so erfuhren die Richter vom Beschuldigten, habe er angenommen, "weil ich Geld zum Drogenkauf brauchte,."

Viktor aus der Frankfurter Bar wird allem Anschein nach ungeschoren davonkommen. Zwei Jahre und acht Monate Gefängnis forderte Staatsanwalt Philipp Roggenhofer für den mit zum Tatort angereisten 44-Jährigen. "Natürlich kann es bei einem Verbrechen wie diesem keine Bewährung geben", beschrieb der Anklagevertreter seinen Standpunkt. Damit befand er sich im Meinungsunterschied zu Verteidiger Stupp, der darum ersuchte, seinen Mandanten nicht hinter Gitter zu schicken. Denn dieser könne sofort bei einer hessischen Baufirma als Arbeiter anfangen - um dann endllich ein redlicher Mensch zu werden.

Mit seinem Job muss der Angeklagte warten. Er bekam zwei Jahre und drei Monate Haft, die er sofort verbüßen muss. Zwei Behörden in Hessen scheinen den 44-Jährigen wegen weiterer Straftaten zu suchen. Eigenartig dabei ist: Sie haben offenbar bis heute nicht bemerkt, dass der Mann in einem bayerischen Gefängnis sitzt.

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