Seit 50 Jahren halten sich die Fronberger Wolpertinger für eine Minderheit, obwohl sie in der Mehrheit sind. Beim Stammtischtreffen am Samstag im Autohaus Maschek erklärt ihnen der Münchner Publizist Jan Fleischhauer dieses Phänomen, das entsteht, „wenn die Mitte der Gesellschaft das Gefühl hat, am Rande zu stehen“. Die Mehrheit im Lande werde derzeit von einer Minderheit regiert und müsse sich verspotten lassen, „weil sie gedanklich noch nicht so weit ist“, sagte der Focus-Journalist und Buchautor.
Weil er in seinem Podcast verbotene Parolen verbreitet haben soll, bekam Fleischhauer Besuch von der Polizei. Die von der Staatsanwaltschaft angeordnete Hausdurchsuchung veranlasste ihn zu der Feststellung: „Um die Meinungsfreiheit war es in diesem Land auch schon mal besser bestellt.“ Die Bundesregierung habe inzwischen eine „Meldestelle gegen Hass und Hetze“ eingerichtet und damit eine Infrastruktur für Denunzianten geschaffen.
Leute engagieren sich
Zurück zu den Realitätsverweigerern, zu denen der Journalist auch die Medien zählt. „Wer heute Zeitung liest oder fernsieht, hat das Gefühl, dass die Berichterstattung nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat.“ Die dort verkündete Säkularisierung der Gesellschaft kann Jan Fleischhauer nicht erkennen, denn: „Immer noch engagieren sich die Leute in den Vereinen, Kirchen und bei der Feuerwehr, stellen Maibäume auf, lieben Tracht und Volksmusik und leben in einer Familie.“
Wolpertinger-Präsident Josef Beer blickte auf die Gründung des Wolpertinger-Stammtisches vor 50 Jahren zurück. Die parlamentarische Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf ist im Bundeslandwirtschaftsministerium auch für das Jagdrecht zuständig und verspricht: „Der Wolpertinger bleibt gesondert geschützt.“ Denn mit ihm würden Tradition und Heimat gelebt. Geschäftsführer Reiner Hochmuth hatte die Halle geräumt für das Doppeljubiläum „40 Jahre Autohaus Maschek und 50 Jahre Fronberger Wolpertinger“.
Künstler Peter Mayer
Einen preußischen Ableger, den „Volpus Erectus Brandenburgensis“, hat es nach Strausberg bei Berlin verschlagen. Dessen Vertreter Hans Peter Thierfeld bescheinigte den Fronberger Urwolpertingern: „Ihr habt das Herz am rechten Fleck“. Auch in Nienburg an der Weser wurde das Fabelwesen schon gesichtet. Doch dort ist es mittlerweile vom Aussterben bedroht. Deshalb brachte Dietrich Harms das letzte Exemplar, das in einer Keramik des verstorbenen Schwandorfer Künstlers Peter Mayer verewigt ist, zurück zu den Wurzeln.
Die Fronberger Kirwamusikanten und die bayerische Liedermacherin „Moni“ gestalteten das Unterhaltungsprogramm. Moderiert wurde das Symposion von Melanie Meier, Josef Schönhammer und Fabian Borkner.













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