04.07.2021 - 10:34 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Grundlagen für würdevolles Sterben schaffen

Wie ein „Donnerschlag“ kam für Dr. Heribert Stauder das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Recht auf selbst bestimmtes Sterben und die Beihilfe zum Suizid. Der Palliativmediziner sieht darin ein Warnsignal an die Gesellschaft.

Der Palliativmediziner Dr. Heribert Stauder sprach vor bayerischen Beamten zu einem sensiblen Thema.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Mitglieder des Bayerischen Beamtenbundes aus ganz Bayern trafen sich zum Seminar „Suizid und Suizidhilfe“ in der Glück-Auf-Gaststätte in Wackersdorf. Kreisvorsitzender Wolfgang Meischner erwartet vom Bundestag ein Gesetz zur Stärkung der Palliativversorgung, „damit die Menschen in Würde sterben können“.

Dr. Heribert Stauder ist Facharzt für internistische Onkologe am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg und Vorsitzender des Ethikkomitees der Klinik. Er hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Recht auf selbst bestimmtes Sterben und die Beihilfe zum Suizid in dieser Form nicht erwartet. Das Recht auf selbst bestimmtes Sterben soll demnach nicht nur für kranke, sondern auch für gesunde Menschen gelten. Dem Gesetzgeber komme nun die Aufgabe zu, diese juristische Maxime in die Praxis umzusetzen.

In einem Filmausschnitt verdeutlichte der Mediziner die Problematik. Ein Mann erzählt, wie seine schwerstkranke Frau „um den Tod gebettelt“ habe und nicht „im Bett krepieren“ wollte. Er musste im Internet nach Hilfe suchen, um seine Frau von ihrem Leiden zu erlösen. Wie, wollte der Mann im Film nicht preisgeben, um nicht belangt werden zu können.

Für die Seminarteilnehmer war klar, dass der Gesetzgeber die Grundlagen für ein würdevolles Sterben schaffen müsse. Es könne nicht sein, dass sich Menschen vor den Zug werfen oder eine Brücke hinabstürzen müssen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Dr. Heribert Stauder stellt die Gegenfrage: „Rechtfertigt schweres Leid einen Suizid?“ Er verteidigt das Verbot der aktiven Sterbehilfe, hält aber die Praxis der „indirekten Sterbehilfe“ durch Verabreichung von Morphinpräparaten zur Schmerzlinderung und die Beendigung lebensrettender Maßnahmen für sinnvoll.

Die Befürworter eines "schnellen Todes" warnt der Palliativmediziner: „Es gibt kein Turbomedikament, das den Menschen innerhalb kurzer Zeit aus dem Leben befördern kann“. Der Vertreter des Ethikkomitees gab zu verstehen, dass es im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder keine Beihilfe zum Suizid geben werde. Gleichgültig, wie das neue Gesetz ausfallen werde.

Der Seelsorger für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen im Bistum Regensburg, Christoph Seidl, nimmt die Kirche in dieser Frage nicht aus der Verantwortung. Er wünscht sich ein Netzwerk an Hilfsangeboten „für lebensmüde Menschen“. Suizid-Gedanken widersprächen den Leitsätzen der Kirche zum Lebensschutz. Und: „Wer Hilfe zum Suizid erbittet, kann nicht gleichzeitig auch die Krankensalbung empfangen“.

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