26.05.2021 - 10:24 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Marmorkrebse im Murner See

Im Murner See leben immer mehr Marmorkrebse. Die Freude über den tierischen Gast hält sich aber in Grenzen.

Immer wieder stoßen Taucher im Murner See auf Exemplare des Marmorkrebses. Durch seine sehr kleinen Scheren und die Musterung seines Panzers ist er leicht zu identifizieren.
von Externer BeitragProfil

Im Murner See wurde eine wachsende Population des sogenannten Marmorkrebses festgestellt. Die Krebsart zählt in der EU zu den invasiven Arten, das heißt: Sie verdrängt heimische Krebse aus deren Lebensraum und überträgt zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit die Krebspest, eine für einheimische Krebsarten tödliche Krankheit.

Gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt und lokaler Fischerei- und Naturschutzbehörden haben die Gemeinde Wackersdorf und der Markt Schwarzenfeld deshalb Maßnahmen zur Eindämmung einer weiteren Ausbreitung umgesetzt.

„Unser Ziel ist zu verhindern, dass der Marmorkrebs seinen Weg in andere Gewässer mit heimischen Krebspopulationen findet“, erklärt Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter in einer Pressemitteilung der Gemeinde Wackersdorf. Sein Schwarzenfelder Amtskollege Peter Neumeier ergänzt darin: „Wir ziehen dabei an einem Strang“.

Im Murner See stellt der Marmorkrebs laut Mitteilung derzeit keine direkte Bedrohung für die Tierwelt dar. Aufgrund des sauren PH-Werts von 3,6 bis 3,7 leben dort keine heimischen Krebsarten – andererseits aber auch keine möglichen natürlichen Fressfeinde. Im Fokus jetzt abgeschlossener Untersuchungen stand somit das direkte Gewässer-Umfeld des Murner Sees.

Nach derzeitigem Kenntnisstand besiedeln die Marmorkrebse den kompletten Murner See sowie die direkt mit dem See verbundenen Gräben. Nicht direkt angebundene Gewässer sind derzeit noch nicht besiedelt. "Bei keinem der bisher untersuchten Krebse wurde die Krebspest festgestellt", teilt die Gemeinde weiter mit.

Ein Bericht des Bayerischen Landesamts für Umwelt zur aktuellen Situation am Murner See enthält unter anderem Handlungsempfehlungen. Zum einen sollen die umliegenden Gewässer konsequent durch Fangreusen und Wasseruntersuchungen überwacht werden, Taucher entnehmen im Murner See regelmäßig Exemplare zu Untersuchungen. Zum anderen sollen in den Ableitern des Murner Sees Krebssperren installiert werden, zum Beispiel am Edelmannsee oder Südgraben. Ein gezielter Einsatz von möglichen Fressfeinden komme aufgrund des genannten niedrigen PH-Werts des Murner Sees aktuell nicht in Frage.

Bade- und Freizeitgäste werden den Marmorkrebs in der Regel übrigens nicht zu Gesicht bekommen. Die Krebse leben vorwiegend unter der Wasseroberfläche und sind daher höchstens eine interessante Begleiterscheinung für Taucher. Allgemein appellieren die Anliegerkommunen Wackersdorf und Schwarzenfeld aber an alle Besucher, darauf zu achten, dass der Krebs nicht wissentlich oder versehentlich exportiert werde. Larven des Tiers können sich beispielsweise auch in Wasserresten an Sand- oder Wasserspielzeugen und Wassersportgeräten befinden.

Wie es in der Mitteilung weiter heißt, erreicht der Marmorkrebs eine Länge von rund zwölf Zentimetern und besitzt verhältnismäßig kleine Scheren. Wie schon sein Name vermuten lasse, sei seine gelbliche Färbung durch eine dunkle Marmorierung gezeichnet. Außerdem sei er extrem anpassungsfähig. "Eine weitere Besonderheit ist, dass er sich klont", schreibt die Gemeinde. Es gebe keine männlichen Tiere, jedes Weibchen könne sich eigenständig vermehren. Der Marmorkrebs ernähre sich vorzugsweise von Pflanzen und Schnecken.

Die Wege seiner ursprünglichen Herkunft führen bis nach Florida, wo er in der Aquarienzucht durch die Mutation einer „normalen“ Flusskrebsart entstanden sei. Bereits seit Mitte der 90er Jahre sei die Art in der deutschen Aquaristik bekannt, in freier Natur seien erste Tiere vor bald 20 Jahren in der Nähe von Karlsruhe entdeckt worden. "Seitdem verbreitet sich das Krustentier. Es wird davon ausgegangen, dass die Krebse ursprünglich von Aquarianern ausgesetzt wurden", schreibt die Gemeinde abschließend.

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