17.01.2021 - 14:12 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Harald Ullmann: Wintertauchen am Murner See

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Temperaturen um den Gefrierpunkt können Harald Ullmann nicht schrecken. Der Windischeschenbacher ist einer von wenigen, die selbst im Winter zum Tauchen gehen. Im Interview verrät er, warum es im Wasser gar nicht so kalt ist.

Selfie unter Wasser im Murner See: Harald Ullmann aus Windischeschenbach geht auch im Winter tauchen.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Die Wochenenden und Feiertage nutzt Harald Ullmann zum Tauchen. Auch im Winter frönt der 59-jährige Windischeschenbacher seinem Hobby. Dafür nimmt er gerne 70 Kilometer Anfahrt in Kauf, denn sein Tauchrevier liegt im Murner See im Landkreis Schwandorf. Während so manch anderer beim Spazierengehen seinen Kragen hochstellt, um sich vor dem eisigen Winter zu schützen, schlüpft Ullmann in seinen Trockentauchanzug und steigt in den sechs Grad kalten See.

"So schlimm ist das gar nicht", versichert der Tauchlehrer. "Im Oberpfälzer Winter haben wir natürlich eine andere Ausrüstung als im Sommer im Salzwasser", erklärt er. Mit Hilfe eines Trockentauchanzugs wird man nicht einmal nass. "Darunter tragen wir spezielle Overalls oder Zweiteiler, die isolieren und wärmen." Handschuhe, eine Haube für den Kopf und Füßlinge vervollständigen den Wärmeschutz.

Auch in Coronazeiten lässt sich das Hobby Tauchen problemlos betreiben. "Man fährt im Auto einzeln an den See", erzählt Ullmann. Am Ufer kann die Ausrüstung mit dem nötigen Abstand abgelegt werden. Da Tauchgänge aus Sicherheitsgründen nur zu zweit absolviert werden sollten, muss vorher besprochen werden, nach welchem Plan der Tauchgang erfolgen soll. "Dafür muss man sich auch nicht direkt nebeneinander stellen, sondern kann ein paar Meter auseinander gehen", sagt der Windischeschenbacher. Unter Wasser besteht eh keine Gefahr, sich anzustecken, außerdem kommuniziert man nur noch mit Handzeichen.

Während sich im Sommer auf dem Gelände rund um den Murner See die Ausflügler tummeln und an heißen Tagen um die besten Plätze streiten, sind im Winter die wenigen Taucher unter sich. "Da gibt es kein Gedränge und keine Menschenansammlungen", berichtet Ullmann. Ab und zu würde sogar die Polizei vorbei fahren, um nach dem Rechten zu sehen. Zum Zeitpunkt des Interviews liegen die Inzidenzen sowohl im Landkreis Neustadt/WN als auch in Schwandorf unter 200.

Wer Tauchen zu seinem Hobby zählt, macht das nicht nur so nebenbei, dafür ist das Equipment zu teuer und der Aufwand zu groß. Neben dem Trockentauchanzug und dem Wärmeschutz benötigt ein Taucher Flossen, Maske, Schnorchel, einen Lungenautomaten, eine Flasche mit Luft, ein Jacket und einen Tauchcomputer. "Wenn wir tauchen gehen, bleiben wir zwischen 70 und 90 Minuten im Wasser", erzählt der erfahrene Windischeschenbacher Taucher. "Es muss sich schließlich lohnen."

Der Murner See hat sich in den vergangenen Jahren zum Treffpunkt für Taucher aus der gesamten Oberpfalz entwickelt. Der See in der Nähe von Wackersdorf ist sehr sauber und nur spärlich begrünt. Das liegt daran, dass der Murner See ein reiner Grundwassersee mit einem sauren pH-Wert ist, in dem sich kaum Pflanzen und Fische ansiedeln. „Das ist zwar schade, aber zum Training einfach super. Dennoch muss man auf Fauna und Flora achten und umsichtig tauchen“, erklärt Ullmann.

Um unter Wasser einige Orientierungspunkte zu schaffen, haben sich die Taucher in den vergangenen Jahren einiges einfallen lassen. Im Gewässer gibt es verschieden Punkte, die angetaucht werden können. In der Weihnachtszeit wartet sogar ein Christbaum auf die Taucher. Die LED-Lichter am Baum lassen sich einschalten und leuchten in verschiedenen Farben. „Diese Hotspots sind nur für Taucher sichtbar, wer dies erleben möchte, muss seinen Kopf Unterwasser stecken“, sagt der Tauchprofi.

Durch die verschiedenen Punkte finden auch Anfänger gute Tauchrouten. Zwischendrin gibt es Plattformen am Grund, an denen man verweilen kann, ohne mit den Flossen zu viel Dreck aufzuwirbeln. Tauchen bedeutet für Ullmann, den Alltag komplett auszublenden. "Im Wasser hört man nur noch seine Atemgeräusche und sonst nichts", sagt er. Man verliere Raum und Zeit und könne den Stress loslassen. "Wenn du aus dem Wasser rauskommst und es hat alles gepasst, bist du voller Glücksgefühle und kannst sagen: Das war ein geiler Tauchgang."

Schöne Erinnerungen

Windischeschenbach

Noch ist der Murner See nicht zu gefroren, doch auch das wäre für die eingefleischten Taucher kein Grund zu pausieren. "Dann könnten wir zum Eistauchen gehen", hofft Ullmann. Auch wenn ihm und seinen Tauchkollegen die Kälte nichts ausmacht, träumen sie dennoch von Sommer, Sonne und Meer. "Natürlich wäre ich gerne einmal wieder unterwegs", sagt der Windischeschenbacher. "Ägypten wäre schön." Doch bis es wieder möglich ist, problemlos durch die Welt zu reisen, gibt sich Ullmann auch mit heimischen Gefielden zufrieden. "Unsere Karibik ist zurzeit halt der Murner See."

Hintergrund:

Murner See: Früher Braunkohletagebau

  • Der Murner See (94 Hektar) gehört zu Wackersdorf und ist Teil der Oberpfälzer Seenlandschaft.
  • Vor 1982 war der Murner See zusammen mit dem benachbarten Brückelsee Abbaugebiet für Braunkohle.
  • Der Murner See ist ein Grundwassersee mit sehr guter Wasserqualität.
  • Danach wurden die tiefen Tagebaugruben durch das ansteigende Grundwasser geflutet – ein langsamer Vorgang, der etwa 20 Jahre dauerte.

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