01.07.2018 - 17:16 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Wackersdorf bald wieder überall

Ein zu Tränen gerührter Altlandrat Hans Schuierer. Stehender Applaus und Jubel für „Wackersdorf“ von den 400 Premierenbesuchern beim Münchner Filmfest. Der Geist von Wackersdorf ist zurück.

Hans Schuierer (mit Mikrofon) bei der Premiere des "Wackersdorf"-Films in München.

(eld) Bereits eineinhalb Stunden vor Vorstellungsbeginn bilden sich am Freitag Menschentrauben vor dem Einlass zum Kinosaal. Ein Mann läuft mit einem Schild durch die Menge "Suche Karte" und Hans Schuierer ist von Journalisten umlagert wie zu den Hoch-Zeiten des WAA-Widerstands. Er kenne zwar das Drehbuch, sei aber "sehr, sehr neugierig auf den Film." Das sind auch Timothy Battaglia und Veronika Wittmann. Der Hahnbacher und die Laiendarstellerin beim Landestheater Oberpfalz spielen die Kinder Schuierers, beobachten am Freitagabend das Treiben. Peter Jordan zum Beispiel wird von Fans um Autogramme gebeten. Er mimt den Landratsamtsjuristen Claus Bößenecker.
Dieser "schleicht" derweil unbemerkt mit den vielen Zuschauern, darunter Landtagsabgeordneter Franz Schindler und der frühere Regensburger Landrat Herbert Mirbeth, Wahlmünchnern aus der Oberpfalz und Leuten aus der Region ins Kino. Schon während der Vorstellung gibt es spontanen Applaus, der mit dem Abspann zu minutenlangem Beifall anschwillt.
Das Politdrama mit der zentralen Figur Hans Schuierer zeigt dessen Wandel auf, von einem zunächst wegen der Arbeitsplätze dem Plänen der Staatsregierung aufgeschlossenen Kommunalpolitiker hin zum entschiedenen Gegner der WAA. Dass Gesetze auch in einer Demokratie mit Füßen getreten werden, wenn sie politischen Interessen im Weg stehen, stachelt seine Wut an. Der Spielfilm ist gleichzeitig ein Plädoyer für Bürgerengagement, Mut und dem Kampf gegen den Abbau von Rechten. Passend in den Film geschnitten ist dokumentarisches Material. Das beeindruckt vor allem Timothy Battaglia. "Ich hatte Gänsehaut, bin überwältigt. Vor allem die Originalbilder haben elektrisiert". Die "Oberpfälzer Youngsters" werden von Regisseur Oliver Haffner als Erste aus dem Ensemble nach der Vorstellung auf die Bühne gebeten. Zum Schluss obliegt es Film-Schuierer Johannes Zeiler den echten Schuierer nach oben zu bitten. "Mir fehlen die Worte", sagt der 87-Jährige. "Ich bin erschüttert, wie ich das jetzt noch einmal erlebt habe, was ich am Bauzaun erlebt habe." Und an Zeiler gewandt. "Ich hätte nie erwartet, dass mir jemand so nahe kommen kann."
Haffner geht es in dem zweistündigen Streifen auch darum, zu zeigen, wie juristisch schlecht aufgestellt, der geplante Bau der Anlage war. Dafür steht Claus Bößenecker. Darauf angesprochen, ob er und Schuierer sich, wie im Film dargestellt, anfangs gar nicht grün waren, antwortet Bößenecker diplomatisch. "Zwischen einem juristischen Staatsbeamten und einem Landrat besteht ein gewisses natürliches Spannungsfeld. Wir haben uns angenähert."
Den Schlusspunkt setzt die aus Schwandorf stammende Schauspielerin Anna Maria Sturm - im Film die Aktivistin Monika Gegenfurtner - zu einem Familientreffen. Sie holt ihre Mutter Irene Maria, eine über Jahre hinweg mit Herzblut gegen die WAA Kämpfende, nach oben. Irene Maria Sturm hat auch die Aufkleber "ausgegraben" und mitgebracht. Und ihre Tochter erntet bereits vor der Vorstellung am Sendlinger Tor spontanen Applaus von Passanten als sie einen Aufkleber in die Kameras hält.

 

Ich hätte nie erwartet, dass mir jemand so nahe kommen kann.

Altlandrat Hans Schuierer

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Weitere Termine

Nach der Premiere mit englischen Untertiteln, der englische Titel heißt " Wackersdorf - be alert, courgeous and solidaric" - wird der von Ingo Fliess produzierte Film noch einmal am 5. Juli ab 10 Uhr beim Münchner Filmfest gezeigt. Im Programm der Filmnächte an der Naab im Schwandorfer Stadtpark ist er für Freitag, 10. August, 21 Uhr angekündigt. Ab 20. September ist "Wackersdorf" in den Kinos zu sehen. (eld)

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