03.11.2020 - 10:41 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Wackersdorf: Aus Deponie wird Lebensraum

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Mit rund 55 Millionen Euro Kosten ist die Rekultivierung des Westfelds nahe des Steinberger Sees veranschlagt. Der zweite Bauabschnitt ist nun abgeschlossen. Wertvolle Lebensräume sollen entstehen.

Vertreter von Uniper und der ausführenden Firma Kassecker stehen vor dem "Irlacher See". Hier ist der tiefste Punkt des rekultivierten Westfelds nahe des Steinberger Sees. Der Irlacher See dient als Sickerwassersammler.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

70 Jahre lang prägte der Braunkohletagebau das Revier zwischen Wackersdorf und Steinberg am See. Seit 2009 rekultiviert Uniper als Rechtsnachfolger der Bayerischen Braunkohleindustrie (BBI) nun das Westfeld - einen Tagebau südlich von Wackersdorf. Nun ist der zweite Bauabschnitt abgeschlossen, teilte Uniper-Pressesprecher Jan Kiver mit.

In rund 15 Arbeitsmonaten schufen die beteiligten Baufirmen bis etwa März 2020 in rund 50000 Arbeitsstunden mit modernsten Arbeitsgeräten rund um die mit gut 30 Metern tiefste Stelle des Westfeldgeländes eine grüne Hügellandschaft samt wieder hergestelltem Irlacher See. Dabei seien die ehemals intensiv industriell und bergmännisch genutzten Flächen abgedichtet und die Oberfläche durch einen in Schichten angelegten Aufbau des Rekultivierungsbodens neu gestaltet worden. Ziel: Der Region ökologisch wertvolle Landschaften zurückzugeben, so Kiver.

Für Sickerwasser

Der wieder erstandene Irlacher See dient als Sickerwassersammler. "Diese Wässer werden mit Hilfe der vier hochmodernen, neuen Saugpumpen in die Wasseraufbereitungsanlage gepumpt und von dort, entsprechend den behördlichen Vorgaben gereinigt, in den Knappensee weitergeleitet, " teilte Uniper mit. In einem vom Umweltconsultingbüro Base Technologies initiierten Forschungsprojekt wird erprobt, diese energieintensive, chemische Wasseraufbereitung langfristig durch ein energiesparendes und Kohlendioxid-vermeidendes, biologisch passives Reinigungsverfahren zu ersetzen.

Während der Bauphase waren erhebliche Erdbewegungen notwendig.

Abraum und Asche

Für die Sanierung in diesem Bauabschnitt wurden gewaltige Mengen Erdreich und Material bewegt. Allein 50 000 Kubikmeter Material wurden für eine Befahrschicht aufgebracht, dann 6000 Kubikmeter Ausgleichsschicht aufgebracht und 35 000 Quadratmeter Ton-Dichtungsbahnen aus Betonit verlegt. Ziel ist, dass möglichst wenig Oberflächenwasser in die Deponie eindringt. Hier lagern neben Abraum auch Aschen aus dem ehemaligen Bayernwerk Dachelhofen.

Auf die Dichtmatten wurden nochmal bis zu insgesamt 1,20 Meter Stärke Bodenschichten aus Sand, und Muttererde aufgebracht - rund 44 000 Kubikmeter. "Insgesamt mussten aus der Region rund 240 000 Tonnen Rekultivierungsböden per Lkw antransportiert werden. Die Transportwege wurden im Sinne von Klimaschutz und Ressourcenschonung kurz gehalten. Die Flächen wurden inzwischen begrünt und entwickeln sich positiv, so Kiver. Der Abschnitt 2 habe 10 Millionen Euro gekostet. Auch der Waldumbau in den angrenzenden Flächen läuft weiter.

Nächstes Projekt: Der Damm

Nun steht weitere Büroarbeit an: Die Planungen für den Westfeld-Damm im Südosten der Fläche stehen an. Hier war früher der Kohlebunker für das Bayernwerk. Hier lagern neben Kohleresten und Abraum ebenfalls Asche und Bauschutt aus dem Abriss des Kraftwerks. Sobald die Genehmigungen vorliegen, soll im Frühjahr 2021 hier die Arbeit beginnen. Angesetzt ist die Rekultivierung dieser Fläche mit Kosten von etwa 12 Millionen Euro. Bis zum Winter 2022/23 soll dieser Abschnitt und damit die Rekultivierung des Westfelds abgeschlossen sein. Wie es mit der Irlacher Hochhalde weitergeht, ist noch unklar.

Die Arbeiten im Westfeld in diesem Sommer

Wackersdorf
Weitere Altlasten im Blick:

Die Irlacher Hochhalde

Westlich des Westfelds erstreckt sich die 45 Hektar große Irlacher Hochhalde. Auch diese Fläche ist als Altlastenverdachtsfläche eingestuft. Hier lagert Abraum aus dem Braunkohletagebau und Asche aus dem Bayernwerk. In den 1950er-Jahren wurde die Halde abgedeckt und bepflanzt. Der Grund gehört Uniper. Pressesprecher Jan Kiver teilte auf Nachfrage mit, dass Anfang 2021 Ergebnisse eines Gutachtens zur Gefährdungsabschätzung erwartet werden. "Die zuständige Untere Bodenschutzbehörde im Landratsamt Schwandorf wird mit diesem Gutachten die Möglichkeit haben, über die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen für die Halde zu entscheiden. Die Entscheidung wird in 2022 erwartet", so Kiver. Insofern tangiere der Flächennutzungsplan für das Interkommunale Gewerbegebiet an der A 93 den potenziellen Planungsraum des bodenschutzrechtlichen Verfahrens zur Hochhalde. "Sollten aus bodenschutzrechtlicher Sicht weitere Maßnahmen erforderlich werden, könnten neben grundsätzlichen Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen möglicherweise auch Sanierungs- und/oder Sicherungsmaßnahmen, etwa die Abdeckung oder Abdichtung der Halde mit Boden oder eine anderweitige Rekultivierung infrage kommen." Der Zweckverband für das Gewerbegebiet hat in seiner letzten Verbandsversammlung die Hinweise in seinen Flächennutzungsplan aufgenommen.

Pläne für Interkommunales Gewerbegebiet werden konkret

Schwandorf
Ein Bild aus der Bauphase: Projektleiter Andreas Stake erläutert die Sanierung des Westfelds. Die orange Fläche, auf die er deutet, ist der Damm.
Das Westfeld südlich von Wackersdorf im Plan: Die hellgrünen Flächen sind abgearbeitet. Der dunkelgrüne Abschnitt ist der Westfeld-Damm, der nun noch zur Sanierung ansteht.
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