20.12.2018 - 16:03 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Westfeld Wackersdorf: 12 Millionen für Rekultivierung

Wo einst Braunkohle für das Bayernwerk lagerte, sollen wertvolle Biotope entstehen: Neue Räume für Eidechse, Kröte und Haselmaus am Westfeld-Damm. Warum dazu zunächst Bäume gefällt werden müssen, erklären die Verantwortlichen von Uniper.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Es klingt paradox: Zur Rekultivierung werden Westfeld-Damm und der dazugehörige Bunker - beides westlich der Industriestraße - abgeholzt. "Wir schaffen wertvollere Lebensräume als die bestehenden," sagt Jan Kiver beim Rundgang mit den Oberpfalz-Medien. Er ist Sprecher der Uniper Kraftwerk GmbH, die als Rechtsnachfolgerin von Bayerischer Braunkohle-Industrie (BBI) und Bayernwerk seit 2002 den ehemaligen Tagebau Westfeld in mehreren Abschnitten rekultiviert. Mit den 12 Millionen Euro teuren Maßnahmen am Damm und dem Bunker nähert sich die Maßnahme dem Abschluss. "Der Damm wurde in den 50er, 60er-Jahren aus betriebstechnischen Gründen angelegt," berichtete Projektleiter Andreas Stake. Er trennte die Grube des jetzigen Knappensees vom Westfeld und besteht in erster Linie aus Abraum und Kraftwerksasche. Von 1930 bis 2002 wurde hier Braunkohle gelagert und umgeschlagen, Nach dem Ende der BBI Anfang der 1980er-Jahre wurde hier tschechische Kohle per Bahn angeliefert. Die Schienenanlagen sind längst abgebaut. Zuletzt lagerte hier Baumaterial für die Sanierung des Westfelds.

Aufwendige Untersuchung

Bevor auf der etwa 30 Hektar großen Fläche Ende November die Bagger anrollten, die mit großen Zangen Bäume und Gebüsch abzwicken, waren umfangreiche, vorgezogene ökologische Ausgleichsmaßnahmen notwendig. Schließlich sollten Haselmaus, Kröte und Co. nicht aus dem Gebiet vertrieben werden. Seit 2013 wurde mit umfassenden Untersuchungen der Biotop-, Habitat-, Boden-, Wasser-, Klima- und Landschaftsbildfunktionen in einem weit über die Rekultivierungsfläche hinausgehenden Bereich von rund 74 Hektar begonnen. Sie umfassten neben der Vegetation vor allem eine Bestandserfassung von Vögeln, Reptilien, Fledermäusen, Amphibien und Insekten sowie Biotop-, Horst- und Höhlenbaumkartierungen.

Zur Vorbereitung zu den jetzt startenden Rekultivierungsmaßnahmen wurden für die Fauna des Damms und Bunkers auf über acht Hektar Ausgleichsflächen angelegt. Westlich des Rekultivierungs-Areals entstanden Landhabitate sowie Verbund- und Vernetzungskorridore sowie neu angelegte Laichgewässer. So wurden Ersatzlebensräume für Amphibien (etwa Kreuzkröte, Knoblauchkröte), Eidechsen, Fledermäuse und sonstige wertvolle Spezies wie der Haselmaus in den umliegenden Wäldern bis zum Hirtlohweiher geschaffen und die Tiere umgesiedelt.

Wenn Damm und Bunker abgeräumt sind, wird das Gelände hügelig profiliert und eine bis zu 40 Zentimeter dicke Schicht aus Naturboden aufgebracht. Das Material werde gerade besorgt, sagte Kiver. Durch die Profilierung soll das Oberflächenwasser abfließen und nicht mehr durch den Damm sickern. Am Ende sollen Magerrasenflächen entstehen, die als Lebensraum weit wertvoller seien als das, was sich nach der Nutzung hier entwickelt hatte, so Kiver.

Eine weitere Aufgabe wird bei der Rekultivierung gelöst: Der ehemalige Nordgraben wird von Verrohrungen und Überbauten befreit und soll auch dazu dienen, bei Starkregen das Gebiet rund um den Wackersdorfer Bauhof vor Hochwasser zu schützen. Dazu werden zwei große Rückhaltebeckcn und Überschwemmunsräume zwischen Westfeld-Damm und Industriestraße angelegt.

Bis 2022 fertig

Noch bis Ende Februar werde jetzt der Bewuchs auf der Fläche entfernt, so Stake. Im kommenden Jahr wird dann überprüft, ob die Ersatzhabitate von den Tieren angenommen werden. Ende 2019 erwartet Uniper das "OK" von den Behörden, um mit den Erdarbeiten Anfang 2020 beginnen zu können. Sie sollen bis 2022 abgeschlossen. Wie das gesamte, noch umzäunte Westfeld künftig genutzt werden kann, ist noch offen. "Wir sind in laufenden Gesprächen mit den Gemeinden und dem Landratsamt," sagte Stake. Steinbergs Bürgermeister Harald Bemmerl kann sich vorstellen, dass die Wege für Walker oder Jogger freigegeben werden. Die Flächen gehören Uniper.

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