11.10.2018 - 09:42 Uhr
WaidhausOberpfalz

Ab in die Werkstatt

Die Orgelmatinee mit dem 16-jährigen Markus Mathy war für längere Zeit das Letzte, was die „ältere Dame“ von sich gab. Die Orgel muss gereinigt werden.

Beim renommierten Orgelbauer Rainer Kilbert (Mitte) aus Lappersdorf und seinem Mitarbeiter weiß Pfarrer Georg Hartl (rechts) die Überholung der Kirchenorgel in guten Händen.
von Josef ForsterProfil

Nach dem Abschluss der Innenrenovierung begann Anfang der Woche als ergänzende Maßnahme die Säuberung, Wartung und Reparatur der großen Orgel in der Emmeramskirche. Bei Kirchenpfleger Siegfried Zeug liefen alle Vorbereitungen für das erneute Projekt zusammen. Nun betreut er auch die Durchführung. Aufgrund von Verschmutzung – auch während der Renovierungsmaßnahme - und Verbrauchserscheinungen über die vergangenen Jahre hinweg, muss das Instrument komplett zerlegt und gereinigt werden.

Der in Lappersdorf ansässige Orgelbauer Rainer Kilbert machte der Kirchenverwaltung ein akzeptables Angebot, die eine Wartung des Instruments als „dringend notwendig“ einstufte. Nicht nur die Gottesdienstbesucher bemerkten ab und zu, dass die Orgel von Zeit zu Zeit nicht so mitmachte, wie die Organisten sich das wünschten. Immerhin knapp 37 Jahre hat die am 28. Februar 1982 geweihte Weise-Orgel mittlerweile auf dem Buckel. Ende 1978 entschlossen sich der damalige Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung eine Pfeifenorgel anzuschaffen, nachdem die Pfarrangehörigen signalisiert hatten, sich an den Kosten zu beteiligten.

Noch heute erinnern sich die Älteren gerne daran, was danach geschah. Denn die Spendenbereitschaft der Waidhauser war so groß, dass auch die Renovierung der Autobahnkirche keine finanziellen Probleme mehr aufwarf. Auf rund 150 000 D-Mark beliefen sich die Kosten einst für das fertiggestellte Werk. Zehn Prozent Zuschuss gab es damals von der Diözese, so dass die Pfarrei über 100 000 D-Mark irgendwie selbst aufbringen musste. „Um auch die Pfarrkirche von Waidhaus mit einer angemessenen Orgel ausstatten zu können“, hieß es damals im Pfarrbrief am 1. Oktober 1978. Ab 1963 behalf sich die Pfarrgemeinde mit einer im Jahr 1963 angeschafften Elektronenorgel im Wert von knapp 7000 D-Mark. Das als Provisorium nach der aufwändigen und kostspieligen Kirchenvergrößerung angedachte Instrument musste jedoch letztlich fast zwei Jahrzehnte lang herhalten. In der vergrößerten Pfarrkirche kamen die Waidhauser also erst ab dem Tag der Fertigstellung an Weihnachten 1981 in den Klanggenuss einer angemessenen Orgelmusik.

Bei der Ausstattung fiel die Wahl auf zwei Manuale und eine Pedalreihe. Die Firma Michael Weise in Plattling baute das gesamte Instrument mit mechanischen Spiel- und elektrischen Registertrakturen. In altbewährter Weise erhielt das Gehäuse Schleifladen eingebaut. Durch 1584 Pfeifen, darunter gedackte aus Holz und halbgedackte aus Zinn, stehen 20 Register für die Organisten zur Verfügung. Außerdem drei Koppeln zum sanften Regulieren der Töne. Eine Fußpumpe für den Blasebalg, die Lunge einer Kirchenorgel, war Anfang der 1960er Jahre nicht mehr üblich. Ein Windmotor galt bereits als Standard, der jedoch nun gleichfalls bei der aktuellen Maßnahme einer Überholung unterzogen wird.

Mit einer „orgellosen Zeit“ während der nächsten Wochen müssen die Gläubigen dennoch nicht leben, denn der renommierte Orgelbauer hatte gleich am ersten Tag eine Ersatzorgel mitgebracht und sofort beim linken Seitenaltar der „Anna Selbtritt“ aufgebaut. Es ist ein Positivorgel, Marke Eigenbau, die trotz ihrer geringen Ausmaße beim ersten Spiel alle Anwesenden angenehm überraschte.

"Die Musik spielt" in den nächsten Wochen nicht auf der Empore, sondern vor dem linken Seitenaltar in der Pfarrkirche.
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