30.07.2020 - 12:09 Uhr
WaidhausOberpfalz

Aussiedlerhof mit Windrad?

Auf wenig Verständnis stößt das Vorhaben einer jungen Familie im Marktrat. Für eine Aussiedlung ihres Bauernhofs aus dem Ortskern liegt die Messlatte nun sehr hoch.

Einen Ersatzbau für das südliche Windrad bei Waidhaus sieht der Marktrat in der Priorität wesentlich höher, als die Genehmigung eines Aussiedlerhofs in unmittelbarer Nähe.
von Josef ForsterProfil

Intensiv und ausführlich beschäftigte sich das Gemeindeparlament in seiner zweiten Julisitzung mit dem Baugesuch über einen Aussiedlerhof. Erst vor wenigen Wochen genehmigte der Marktrat der Familie einen Milchviehlaufstall am gleichen Ort einstimmig. Zwischenzeitlich läge sogar die offizielle Baugenehmigung des Landratsamtes hierfür vor, sagte Bürgermeister Markus Bauriedl zur Einleitung in die Thematik. Ergänzend würden nun Kälberstall, Lagerhalle und Wohnhaus beantragt, um ein gänzliches Aussiedeln des landwirtschaftlichen Anwesens aus dem Ortskern an die Zufahrt zum Gasthaus Römmererhäusl anzugehen.

Andreas Ringholz (SPD) interessierte sich zunächst für die beabsichtigte Oberflächenversiegelung zwischen den Gebäuden und die Klärung der Abwässer. Weil es sich lediglich um eine Bauvoranfrage handle, sei die Befestigungsart noch nicht bekannt, antwortete ihm Geschäftsleiterin Kerstin Wilka-Dierl. Josef Kleber (CSU) ergänzte mit einem Hinweis auf den Freilauf der Kühe, weil sich diese auch außerhalb bewegen würden.

Ersatz für älteste Windräder der Region

Waidhaus

Ein ganz anderes Thema trug Ewald Zetzl (CSU) daraufhin in die Runde. Der dritte Bürgermeister befürchtete bei einer Genehmigung die falsche Weichenstellung für ein anderes Vorhaben in der dortigen Flur. Er warf deshalb die Frage auf, ob es Probleme für ein neues Windrad geben könne, wenn der Marktrat dieses Wohnhaus genehmige: „Kann es sein, dass wir dann alles blockieren?“ Bürgermeister Bauriedl konnte dies nicht beantworten. Außerdem habe es seit der Absage der geplanten Infoveranstaltung keinerlei Kontakt mehr mit dem Investor vonseiten der Gemeinde gegeben.

„Können wir das Bauvorhaben überhaupt ablehnen“, fragte zweiter Bürgermeister Josef Schmucker (UWG) und erhielt spontane Unterstützung von Bauriedl: „Zumal die Erschließung von unserer Seite gesichert ist.“ Weil Vera Stahl (SPD) im Beschluss des Marktrats eine Grundlage für die Entscheidung des Landratsamts sah, bat sie um die Vertagung einer Entscheidung, was von Zetzl sofort Unterstützung fand. Kleber hielt mit dem bereits genehmigten Milchviehstall dagegen und sah darin die Notwendigkeit, der Familie eine Herberge vor Ort zu ermöglichen, um die notwendige Betreuung der Tiere sicherzustellen. „Dann müsste im Antrag stehen, dass keine Einwände gegen den Bau eines Windrads erhoben werden. Dann hätte ich nichts dagegen“, wurde Zetzl daraufhin konkreter: „Die Windrad-Anfrage ist da und da können wir nicht den Kopf in den Sand stecken und sagen, wir wüssten von nichts. Nicht das wir jetzt ‚Ja‘ sagen und dann stehen wir da.“

Erhebliche Bedenken gegen diesen Vorschlag hatte Geschäftsleiterin Wilka-Dierl: „Das können wir gar nicht verlangen.“ Doch SPD-Sprecher Johannes Zeug hielt Zetzls Einwand als „berechtigt“ und forderte die Verwaltung auf, die Antragsteller zu fragen, ob sie unter diesen Voraussetzungen den Bauantrag aufrecht erhalten wollen und ergänzte: „Beim ersten Antrag war von einem Wohnhaus keine Rede.“ Eine ähnliche Entfernung des beantragten Wohnhauses zu bereits bestehenden Anwesen in Frankenreuth brachte Schmucker noch zur Sprache, plädierte aber dann ebenso für eine Gesprächsaufnahme mit den Bauherren. Nach dem abschließenden Hinweis Bauriedls, der darüber hinaus auch mit dem Landratsamt Kontakt aufnehmen wolle, sprach sich das Gremium einstimmig für eine Zurückstellung des Vorhabens aus. In einem späteren Punkt gab es für die Bauherren trotzdem noch eine geschlossene Zustimmung, als es um den Bau der Wasserleitung für den neuen Milchviehstall ging. Diese kann in einer Vereinbarung mit dem Straßenbauamt in Querung der Waidhauser Landstraße verwirklicht werden.

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