15.10.2020 - 15:47 Uhr
WaidhausOberpfalz

Energie: Marktrat will geregelte Verhältnisse

Neuland betritt die Marktgemeinde mit ihrem Energie-Entwicklungsplan für Wind- und Sonnenstrom-Anlagen. Eine andere Kommune im Altlandkreis Vohenstrauß dient dabei als Vorbild.

Ausreichend entfernt vom Ortsrand (im Hintergrund) und ideal sichtgeschützt durch Hecken liegt die derzeit einzig größere Freiflächenanlage für Sonnenstrom. Vor weiteren Anfragen und Anträgen will sich der Marktrat nun mit einem Energie-Entwicklungsplan wappnen.
von Josef ForsterProfil

Große Einigkeit gab es bei den Markträten über eine gutachterlich geprägte Ausarbeitung möglicher Standorte für weitere Energieanlagen. Unter die Lupe soll dabei das gesamte Gebiet der Marktgemeinde genommen werden.

Bei der Vorstellung des Vorhabens führte Bürgermeister Markus Bauriedl in der jüngsten Marktratssitzung Leuchtenberg als beispielgebend an. Die dortige Aktion könne auch für Waidhaus das Richtige und wegweisend sein. Durch die Verwaltung sei deshalb bereits Kontakt mit dem dort agierenden Planungsbüro aufgenommen worden. Informationen aus den ersten Gesprächen gab Bauriedl nun weiter.

Für die Erhebung der Tauglichkeit des Gemeindegebiets habe das Büro einen Zeitrahmen von vier bis fünf Monaten Dauer genannt. Die beteiligten Fachleute garantieren völlige Neutralität. "Wir erhalten somit eine abwägungssichere Aufstellung für Windkraft- und Sonnenstromanlagen", urteilte der Bürgermeister.

Die Sinnhaftigkeit einer solchen Sonderplanung bekräftigte Bauriedl mit einem Hinweis auf eine Neuregelung durch die bayerische Staatsregierung. Demnach seien nunmehr 200 Anlagen statt bislang 60 in benachteiligten Gebieten möglich. Über die Prüfung möglicher Flächen hinaus würde ein Planungsbüro die zu etwaigen Ausschlüssen führenden rechtlichen Vorgaben ermitteln. In einer verlässlichen Datenbasis sei ersichtlich, wo Windkraft- sowie Sonnenstrom-Anlagen möglich wären.

Energiestrategie in Waidhaus

Waidhaus

"10-H-Regelung" aufhebbar

Zusätzlich werde eine zuverlässige Einschätzung der Wirtschaftlichkeit eventueller Anlagen vorgenommen; jedoch nur für Windräder. Unter Anführung der "10-H-Regelung" sah jedoch Johannes Zeug "keine einzige Stelle, wo ein Windrad möglich ist". Geschäftsleiterin Kerstin Wilka-Dierl hielt eine Geltung dieser Vorschrift jedoch einzig bei einer zusammenhängenden Bebauung entgegen; was nicht auf Einzelgehöfte oder Weiler treffe. Außerdem könne der Marktrat diese Regelung auch aufheben, ergänzte Bauriedl .

Durch den besonderen Flächenplan erhalte die Kommune eine nach Rangfolge gelistete Aufstellung aller infrage kommenden Standorte, führte Bauriedl weiter aus. Hierbei habe der Marktrat schon im Vorfeld ein gewichtiges Mitspracherecht und lege Auswahlkriterien fest. Während Bauriedl einzig bei "Tabuzonen" und zwingenden rechtlichen Vorgaben wenig Spielraum sah, habe die Gemeinde bei allen anderen Kriterien ein Mitspracherecht.

Zweiter Bürgermeister Josef Schmucker wollte wissen, ob die Verwaltung nur mit diesem Planungsbüro Kontakt aufgenommen habe. Bauriedl bestätigte eine Anfrage bei weiterer Firmen sofort, weshalb die Beauftragung erst im nichtöffentlichen Teil Thema sein werde. In der öffentlichen Sitzung gehe es einzig darum, ob ein Energie-Entwicklungsplan etwas für Waidhaus wäre.

"Dann können wir das Ganze ein bisschen eingrenzen, damit es nicht ausufert", sprach sich Schmucker sofort positiv für das Vorhaben aus. Ein wesentlicher Vorteil sei: "Es hängt also im Endeffekt von uns ab, welche Flächen wir noch freigeben wollen." Auch könne es nicht schaden, da man in Waidhaus immer offen für erneuerbare Energien sei.

Andreas Ringholz erhofft sich durch die Erhebung einen umfassenden Überblick zu weiteren machbaren Flächen: "Und bei zu großen Ausmaßen könnten wir möglichen Investoren gleich mit Argumenten widersprechen."

Gemeinde kann Flächen bestimmen

Zu den vom Bürgermeister angesprochenen weichen und harten Faktoren bei Gebietsausweisungen wollte Johannes Zeug mehr wissen. Die Geschäftsleiterin antwortete ihm mit einem Hinweis auf Gesetze und Regelungen als harte Kriterien, welche deshalb "unaufweichlich" seien. Dazu bestätigte Wilka-Dierl die Möglichkeit, gänzlich auszuschließende Flächen von vornherein festzulegen. Der Marktrat und die Gemeinde könne bevorzugte Flächen nach Kategorien und Rangfolge bestimmen, so Bauriedl.

Vom einstimmigen Beschluss zur Ausarbeitung eines entsprechenden Standortplans richtete der Bürgermeister an das Gremium noch die Bitte, dass sich alle an die im Plan festgezurrten Ergebnisse halten müssten. Dies sah er gleichsam als "Verpflichtung für den gesamten Marktrat". Darüber hinaus riet er für die Beschlussfassung zu einem ergänzenden Passus, alle Anfragen und Anträge zurückzustellen, bis der neue Plan endgültig stehe.

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