29.04.2021 - 17:55 Uhr
WaidhausOberpfalz

"Erneuerbare" in Waidhaus: Gutachten wirft viele Fragen auf

Eine Sondersitzung zur Vorstellung von geeigneten Grundstücken für Wind- und Sonnenenergie bringt den Waidhauser Marktrat nur wenig weiter. Doch am Rande kommen unerwartete Hindernisse für bereits beauftragte Projekte zur Sprache.

Die Technik der Waidhauser Windräder gilt nach 20 Jahren mehr als überholt. Ob es Ersatz oder Zuwachs gibt, ließ die erste Vorstellung von Eignungsflächen noch offen.
von Josef ForsterProfil

Überwiegend Standards erläuterte das Ingenieurbüro Markert aus Nürnberg am Montagabend in seiner gut besuchten Präsentation. Bei der Projektion gesetzlicher Vorschriften und deklarierter Eigenheiten auf die Landkarte der Marktgemeinde entbehrten viele Markträte das erhoffte Ergebnis.

Zudem sah sich Bürgermeister Markus Bauriedl noch vor dem Referat veranlasst, zu im Vorfeld geäußerten „Ängsten“ der Bürger Stellung zu nehmen: „Vom Marktrat ist es nicht gewollt, dass zu viel Solarenergie in der Natur aufgebaut wird, sondern das möglichst viel Natur erhalten bleibt.“ Das Gutachten sei dafür da, damit es nicht so werde wie in anderen Kommunen. Durch ein „neutrales Büro und anonym“ sollte die Flächenprüfung als „nur theoretische Vorstellung“ erfolgen. Das letzte Wort habe der Marktrat, der die Flächen aussieben könne.

Konzeptentwicklung dauert noch

Die Absicht des Marktrats wäre eine ganz andere, was etwa durch das beschlossene Dachflächen-Programm zum Ausdruck komme. In Waidhaus sei das Gremium „immer auf dem Stand der Zeit, um alternative Energien im Auge zu behalten“. In jedem Falle wollte Bauriedl der Präsentation vorschicken, „nicht dass es nach außen hin heiße, auf jeder heute gezeigten Fläche soll eine Solarfläche entstehen“. Soweit wäre die Sache noch nicht voran geschritten. „Jetzt geht diese Vorstellung in die Fraktionen. Dort soll dann das Für und Wider der Gebiete besprochen werden.“ Im Anschluss trage die Verwaltung die Ergebnisse zusammen und melde diese an das Ingenieurbüro weiter. Dem folge eine erneute Vorstellung im gesamten Gremium: „Ein- oder zweimal wird es bestimmt noch hin- und hergehen, bis ein Konzept entwickelt ist welches der Marktrat auch tragen kann.“

Dass der Grenzmarkt seit 2019 mehr Energie aus alternativen, als aus konventionellen Quellen gewinne, lobte Diplom-Ingenieur Rainer Brahm: „Eigentlich sind sie sehr gut aufgestellt in Waidhaus, was für Bayern und ganz Deutschland noch nicht gilt.“ Seine Begleiterin Aline Schnee sah die Bilanz zu „ungefähr 90 Prozent“ bei den erneuerbaren Energien. Dies komme laut Energieatlas-Bayern überwiegend durch die bestehenden Solaranlagen in der Natur; gefolgt von jenen auf Dächern sowie durch Windkraft und Biogas. Brahm betonte den hohen Anteil an Dachflächen in Waidhaus nochmals extra. Jene Heizenergie, welche durch Hackschnitzel und Brennholz in Eigenerzeugung geschieht, floss dabei nicht in die Statistik ein. Mit einem Hauch Wehmut erinnerte der Diplom-Ingenieur an das einst von der Staatsregierung propagierte Vorhaben, 1000 Windräder in den Staatswäldern zu bauen. Entstanden sei kaum etwas.

Über die Höhenlinien und Waldgebiete stieg Schnee in die Topographie ein und kristallisierte Schutzgebiete und -objekte heraus. Denn sowohl Landschaftsschutzgebiete und FFH-Flächen wären „kategorisch“ ausgeschlossen, ebenso Biotope. Eine Ausnahme habe ihr Büro bei der Planung von Solarstrom-Anlagen gemacht, nachdem es zu Ortslagen keinen Mindestabstand gebe: Für das Gutachten wären dennoch 100 Meter Entfernung eingeflossen. Klare Abstandsvorschriften gebe es hingegen zu Straßen und Stromtrassen.

Das Endergebnis verblüffte dann doch, denn es wurden noch große Flächenbereiche für „geeignet“ beurteilt. Etwa entlang des Raunetbachs zwischen Kuhmühle und Marxmühle im Norden bis über die Autobahn hinweg hinunter zur Pfreimd im Süden, sowie ein Gebiet rund um den Alten Grenzübergang auf bayerischer Seite. Den Aspekt der „guten Böden für die Landwirtschaft“, eingebracht von Marktrat Josef Kleber, müsse man laut Brahm aufgrund der „kleinflächigen Unterschiede“ nicht berücksichtigen. Von vornherein „leer“ ausgegangen, wäre das Gebiet der Marktgemeinde für neue Windräder alleine aufgrund der aktuellen Abstandregelungen. Deshalb habe das Büro eigenständig die Abstandsflächen reduziert, begründete Schnee. Ihr Gutachten ziele deshalb auf lediglich 800 Meter Entfernung zu Wohngebieten und 500 Meter zu Mischgebieten und Einzelgehöften. Trotzdem könne es vor allem in den Waldgebieten im Norden – welche als Potenzialflächen eingestuft wurden – noch zu Einschränkungen aufgrund des Artenschutzes kommen.

Waldgebiete mit Vorteilen

Missverständlich äußerte sich Zweiter Bürgermeister Josef Schmucker zu der Unterscheidung, warum durch die Gutachter für Windräder Abholzungen im Wald gutgeheißen würden, aber nicht für Solarflächen. Er plädierte deshalb für eine generelle Herausnahme aufgrund des Status von Landschaftsschutzgebieten.

Diese Forderung ließ Brahm nicht unkommentiert stehen. Vielmehr sah er bei Windrädern in Waldgebieten „große Vorteile“, weil diese „weniger zu sehen sind und die zu rodende Fläche nicht allzu groß“ sei, was er mit dem Begriff „unauffällig“ umschrieb. Zusätzliche Rodungen wegen der erforderlichen Materialtransporte konnte er allerdings nicht ausschließen. Ergänzend riet er den Markträten "bei Problemen" zu einer Änderung bei ausgewiesenen Landschaftsschutzgebieten, was jeder Kommune möglich wäre. Lediglich bei solchen Gebieten innerhalb von Naturparks wäre ein 1:1-Ausgleich nötig.

Energie-Entwicklungsplan angestrebt

Waidhaus

Andreas Ringholz bat um erweiterte Informationen zu der erforderlichen Infrastruktur und zu den hier vorkommenden Windgeschwindigkeiten. „Waidhaus ist vom Wind her gut geeignet“, antwortete ihm Brahm. Denn umso höher die Gebiete lägen, umso stärker wehe der Wind. Dabei komme es bis zu 7 Meter durchschnittlicher Windgeschwindigkeit, was beträchtlich sei. In weiten Teilen der Marktgemeinde wären die Windströme somit „ausreichend“ für die Nutzung. Dazu verdeutlichte der Diplom-Ingenieur: „Je höher, desto besser.“ Moderne Anlagen erreichten bis zu 200 Meter Höhe: Das sind ganz Andere, als jetzt dort stehen. Das ist heute Standard.“

Georg Kleber bat unter Hinweis auf „oft fehlende Gründe für die Festlegung der Landschaftsschutzgebiete“ um eine visuelle Übersicht, welche hierauf verzichte. Schnelle Versuche bei der Kartographie führten jedoch in der Sitzung noch nicht zu dem erbetenen Ergebnis. Anders jedoch die durch Dritter Bürgermeister Ewald Zetzl vermuteten „massiven Probleme und Verzögerungen durch verschiedene Behörden“ für die vom Marktrat gutgeheißene Solaranlage beim Weiler Marxmühle, wobei eine Zwischenfrage auf vermutete Bodenschätze abzielte, was Bürgermeister Bauriedl bestätigte.

Vorrang für Bodenschätze

Brahm dazu: Vermuteten Bodenschätzen sei Vorrang einzuräumen. Schnee ergänzte gar, dass hierfür der so bezeichnete Regionalplan geändert werden müsse, was sie als „langwierig und deshalb für eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage als uninteressant“ sah. Dabei zähle gar nicht, ob es zu einem Abbau der Bodenschätze komme: „Das spielt keine Rolle.“ Aber die Rohstoffindustrie lege ganz großen Wert auf diese Darstellung im Regionalplan, weil dies in der Bevölkerung im Allgemeinen auf großen Widerstand stoße.

Laut Bürgermeister habe die Gemeinde für künftige Anfragen von Investoren „etwas in der Hand, um konkret Auskunft zu geben, ob die gewünschte Fläche drin sei oder von vornherein durch das Gutachten und den Marktratsbeschluss ausgeschlossen ist“. „Unser Gutachten ist vor allem für die Verwaltung, damit für Investoren und Anfragen eine Grundlage vorhanden ist. Für die Verwirklichung eines Vorhabens ist stets ein separates Verfahren nötig, wo auch der Marktrat wieder gefordert ist“, bekräftigte Brahm.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.