27.10.2021 - 15:01 Uhr
WaidhausOberpfalz

Erneut Verkehrschaos bei Waidhauser Autohof

Für Autohändler Michael Mages wiederholt sich das Dilemma in regelmäßigen Abständen. Wegen des Autochaos beim Zollamt kann er nicht auf sein Firmengelände. Hinzu kommt die Gefährdung der Verkehrsteilnehmer.

Keine leichte Aufgabe für die Polizeibeamten, die auch noch andere Aufgaben haben, als die Verkehrsregelung auf dem Autohof in Waidhaus zu übernehmen. Abhilfe könnte nur der Zoll schaffen.
von Elisabeth DobmayerProfil

Längst ist das Maß voll. Vollkommen frustriert ist Autohändler Michael Mages aus Waidhaus. Sein Betriebsgelände in unmittelbarer Nähe zum Zollamt und der Verag-Spedition AG ist am frühen Dienstagmorgen erneut nicht zu erreichen. Riesige Sattelzüge stauen sich auf der Staatsstraße in Richtung Waidhaus und Pfrentsch bis zum Abwinken. Nichts geht mehr. Wie so oft ein gewohntes Bild, doch gewöhnen will sich Mages daran nicht.

"Die Brummis stauen sich bis in die Ortschaft zurück, ein Durchkommen unmöglich", so Mages. Er kann nicht auf sein Areal einfahren, da die Lkw die Zufahrt blockieren. Sein Auto stellt er im Straßengraben bei der Einfahrt zum Autohof ab und läuft zu Fuß auf sein Betriebsgelände.

Die Situation ist verfahren und auch die im Sommer fertiggestellte und teilweise aufgeschotterte Behelfsstrecke scheint nur bedingt zu wirken. "Das ist verschwendetes Steuergeld", wettert Mages. Wenn es gut gehe, platzieren sich auf dieser Strecke 15 Brummis, das war's aber dann auch. Die Mehrzahl postiert sich wohl oder übel entlang der Staatsstraße 2154."Die Verantwortlichen sollen endlich den Mut aufbringen und eine grundlegende Änderung herbeiführen", fordert er. Mages fühlt sich alleingelassen. Niemand übernimmt Verantwortung. Teuer habe er das 11 000 Quadratmeter große Firmengelände erstanden. Laufkundschaft bleibt an solchen Tagen aus. "Wenn die von der Autobahn her den Stau sehen, fährt keiner zu mir raus", klagt der Firmenchef. "Das soll ich einfach hinnehmen und muss damit leben."

Diesen Eindruck erwecken die Verantwortlichen zumindest für ihn, weil sie keine Abhilfe schaffen. Mages beobachte wie sich die Busse der Lebenshilfe aus Irchenrieth und Schulbusse durch die Gefahrenstelle quälen. "Die müssen sich auf der linken Spur des Gegenverkehrs an den langen Lkw-Schlangen vorbeitasten. Das ist doch nicht zumutbar." Nicht auszudenken, wenn ein Unfall passiere. Ein Rettungsdienst käme nicht an die Unfallstelle. "Wer übernimmt dann Verantwortung?", hinterfragt Mages. Das Gleiche gelte, wenn ein Brand ausbräche.

Stau Richtung Pfrentsch verlagert

Für Mages schwindet derweil deutlich die Hoffnung auf eine baldige gravierende Änderung. Viel zu lange wartet er schon darauf. Mages weiß sich auch am Dienstag nicht anders zu helfen, als bei der Polizei in Vohenstrauß anzurufen. Die Beamten greifen verkehrslenkend ein und verlagern den Stau. Nahende Lkw-Fahrer von der Autobahn herkommend wurden gleich in Richtung Pfrentsch dirigiert. Allerdings standen die Brummi-Lenker dann vor der nicht leichten Aufgabe ihren 16,50 Meter langen Sattelzug auf der Staatsstraße zu wenden. Wer das nicht schaffte, wie ein ukrainischer Transporter, nahm einen rund zehn Kilometer langen Umweg in Kauf, um beim Eslarner Gewerbegebiet "Zankltrad" zu wenden und zurückzufahren.

Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, komme es seit einigen Wochen zu einem verstärkten Lkw-Aufkommen. Erschwerend komme hinzu, dass die Zollabfertigung zeitaufwendige Sammelguttransporte abwickle. Ein Transporter nehme da schon mal mehrere Stunden in Anspruch.

Der Pressesprecher des Hauptzollamts in Regensburg, Michael Lochner erklärt, dass der Zoll keinerlei Einfluss auf die Lkw-Fahrer habe, wo diese ihre Abfertigung durchführen lassen. Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch war noch vor der Wahl mit der stellvertretenden Leiterin des Hauptzollamts Regensburg, Petra Seidl, vor Ort. Laut Grötsch zeige Seidl Einsicht und forciere einen Zollabfertigungsneubau. Durch diesen würden sich ganz neue Regelungen ergeben, da sich die bestehende Situation dann auflöse. Für ihn müsse der Neubau zeitnah geschehen. Geplant sei das neue Gebäude in unmittelbarer Nähe zum jetzigen Zollamtsareal.

Neubau nur bedingte Lösung

Laut Lochner sei der Stand so, dass das jetzige Provisorium unter Beobachtung stehe und die Abläufe ausgewertet werden. Auch bei einem Neubau bleibe das jetzige Gebäude mit Amtsplatz aber auf jeden Fall bestehen und es würde nur begrenzte Stellplätze für die zollrechtliche Abfertigung geben, schränkt Lochner jedoch gleich ein. Außerhalb der Dienstzeiten bliebe dieses Areal für die Brummis gesperrt.

Etwas genervt von der Situation ist mittlerweile auch Erster Polizeihauptkommissar Martin Zehent, Chef der Vohenstraußer Inspektion. Er habe Mages schon mehrmals geraten, nicht bei der Polizei in Vohenstrauß, sondern bei der Einsatzzentrale Oberpfalz in Regensburg sein Anliegen vorzutragen, die dann einsatztaktisch reagieren können und Kollegen entsprechend der polizeilichen Lage nach Waidhaus beordern. "Die Polizei kann für die ganze Misere dort gar nichts."

Zehent ließ am Dienstag von der Situation Drohnen-Bilder anfertigen, um bei den verschiedenen Stellen Beweise vorzulegen, die seine Aussagen untermauern. "Gerade die immer wiederkehrende Situation auf der Staatsstraße ist mehr als gefährlich und nicht hinnehmbar", sagt Zehent.

Stau beim Zollamt Waidhaus: Erneut blockieren Sattelzüge Firmeneinfahrt

Waidhaus
Wendemanöver auf freier Strecke bringen auch andere Verkehrsteilnehmer in große Gefahr. Ein Wunder, dass noch nichts passiert ist.
Die übrigen Autofahrer schlängeln sich an den Lastkraftwagen vorbei. Im Notfall auch entgegen der Fahrtrichtung.
Mitten in Pfrentsch versucht ein langer LKW umzukehren.
Sattelzüge soweit das Auge reicht.
Sattelzüge soweit das Auge reicht.
Chaos am Autohof in Waidhaus.
Die Sattelzüge, rangieren was das Zeug hält.
Keine leichte Aufgabe für die Polizeibeamten, die auch noch andere Aufgaben haben, als die Verkehrsregelung auf dem Autohof in Waidhaus zu übernehmen. Abhilfe könnte nur der Zoll schaffen.
Kaum ein Durchkommen. Geparkt wird, wo gerade ein Plätzchen frei ist.
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