14.04.2021 - 14:39 Uhr
WaidhausOberpfalz

Lkw-Stau vor dem Zollamt Waidhaus sorgt seit Jahren für Unmut: Lösung in Sicht?

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Autohändler Michael Mages ist mit seiner Geduld am Ende. Seit Jahren wird sein Firmengelände in Waidhaus von Sattelzügen, die auf die Zollabfertigung warten, zugeparkt. Eine weitere Zufahrt soll Abhilfe schaffen. Mages bliebt skeptisch.

Das Luftbild zeigt deutlich, wie viele Sattelzüge sich auf der Staatsstraße, der Zubringerstraße und dem Gelände von Zoll und Spedition in Waidhaus drängen.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Michael Mages betreibt seit 1999 in Waidhaus einen Autohandel. Sein Gelände befindet sich direkt an der A 6 und ist über die Staatstraße Richtung Pfrentsch zu erreichen. In den ersten Jahren ist er der einzige Gewerbetreibende auf dem Gelände südlich der Autobahn. Doch mit der EU-Osterweiterung 2004 ändert sich dies. Seitdem befinden sich auf diesem Areal außerdem die Verag-Spedition AG und das Zollamt. Dies hat zur Folge, dass seitdem an manchen Tagen eine wahre Flut von Sattelzügen auf den Parkplatz drängt. Oft stehen die Lkw Stoßstange an Stoßstange, nicht nur auf den Zufahrtstraßen, sondern auch noch bis auf die Staatstraße hinaus.

"An diesen Tagen komme ich nicht einmal selbst auf mein Gelände", klagt Mages, geschweige denn seine Kunden. "Erst jetzt am Montag stauten sich die Lkw wieder bis auf die Autobahn." Sein 11.000 Quadratmeter großes Firmenareal ließ er umzäunen. Die Einfahrt verschließt ein Rolltor. Obwohl vor dem Zaun in Abständen größere Felsbrocken liegen, wird dieser immer wieder angefahren. "Auch das Tor hat schon 3-mal etwas abbekommen", ärgert er sich. "Mittlerweile ist der Rahmen verzogen." Dies geschehe beim Rangieren, oft auch nachts, ist sicher der Unternehmer sicher.

Täglich bis zu 100 Lkw

Das Hauptzollamt in Regensburg, in dessen Zuständigkeitsbereich das Zollamt Waidhaus fällt, ist sich dieser Situation bewusst. "Es ist nicht unsere Sache, die Verkehrsprobleme zu lösen", sagt Pressesprecher Michael Lochner auf Anfrage. Täglich fahren 80 bis 100 Lkw das Hauptzollamt Waidhaus an, an manchen Tagen sind es auch nur 60. "Unsere Zöllner tun alles, damit die Lkw-Fahrer nur kurz verweilen müssen", informiert er. Sattelzüge, die aus dem Osten kommend über Waidhaus einreisen, müssten nicht zwangsläufig das nächstgelegene Zollamt anfahren, sondern könnten auch auf die Ämter in Weiden oder Amberg ausweichen. "Wir können den Lkw-Fahrern nicht vorschreiben, welches Binnenzollamt sie anfahren."

Das weiß auch der Autohändler Mages. Doch viele Fahrer würden in Waidhaus ihre Ruhepausen einlegen und bei dem türkischen Imbiss, der sich im gleichen Gebäude wie Zollamt und Spedition befindet, Rast machen. "Das ist so eine Art Treffpunkt", weiß er.

Das Problem beschäftigt auch die Kommune. "Wir haben vor drei Wochen im Markgemeinderat einen Beschluss gefasst, eine provisorische Einbahnstraße zu bauen", sagt der Waidhauser Bürgermeister Markus Bauriedl. Die Zufahrt soll künftig über die neue Variante direkt an der Staatsstraße erfolgen. Sattelzüge, die wieder rausfahren, werden über die bisherige Straße an dem Mages-Gelände vorbei geleitet. Nun ist ein Ingenieurbüro damit beauftragt, den Bau auszuschreiben. Bis die Arbeiten beginnen können, wird wohl eine Weile dauern.

Ein weiterer Parkplatz?

Michael Mages bezweifelt, dass die geänderte Straßenführung das Problem löst. "Es müsste außerdem ein weiterer Parkplatz gebaut werden, um genügend Kapazitäten zu haben", meint er. Bürgermeister Bauriedl gibt ihm in diesem Punkt Recht. "Ein zusätzlicher Rückhalteparkplatz wäre nicht schlecht", sagt er.

Der Waidhauser Rathauschef würde ebenso wie Michael Mages die chaotische Verkehrs- und Parksituation lieber heute als morgen abstellen. "Mein erster Weg jeden Tag führt mich raus zum Zollamt", erzählt er. Doch er hofft, das jetzt Bewegung in die Angelegenheit kommt.

In der vergangenen Woche hat es bereits eine Videokonferenz mit dem CSU-Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht und Vertretern der Generalzolldirektion und des Hauptzollamts Regensburg gegeben. Thema war nicht nur die aktuelle Situation, sondern auch das Verkehrskonzept, dass die Generalzolldirektion im Hinblick auf eine künftige Standortentscheidung in Auftrag gegeben hat. Seit Jahren ist ein Neubau des Zollamtes in Waidhaus im Gespräch, konkrete Pläne gibt es jedoch nicht. "Wir wissen nicht, was in fünf Jahren ist", mutmaßt Bauriedl.

Das Verkehrschaos, das vor allem nach Feiertagen auftritt, beschäftigt auch die Polizeiinspektion Vohenstrauß. "Unsere Aufgabe ist es, zu überwachen, dass die Feuerwehranfahrtszone frei bleibt", informiert Erster Polizeihauptkommissar Martin Zehent. Es müsse gewährleistet sein, dass Feuerwehr und Rettungsdienst immer durchkommen. "Doch es gibt zwischendrin kurze Zeiträume, in denen das nicht der Fall ist", erklärt Zehent. " Für Mages ein Unding: "Das Zoll- und Speditionsgebäude ist aus Holz. Was ist, wenn's brennt?"

Bundespolizei verteilt Flyer

In den vergangenen Tage hätten die Beamten der Inspektion von der Bundespolizei Unterstützung bekommen, die die Sattelzüge bereits auf der Autobahn abfangen und Flyer verteilen, auf denen in Türkisch, Serbisch und Russisch erklärt wird, dass außer dem Zollamt in Waidhaus auch Weiden oder Amberg angefahren werden kann.

Für den Autohändler Mages dauert das alles schon viel zu lange. Er hat es satt, immer wieder vertröstet zu werden. "Muss erst etwas passieren, bevor sich etwas ändert?", fragt er sich. Für den Schaden an seiner Zaunanlage könne er auch niemanden zur Rechenschaft ziehen. "Wenn sich nicht bald was tut, werde ich gerichtliche Schritte einleiten", sagte er. "Das wäre dann der letzte Ausweg."

Ausflüge nach Tschechien bleiben verboten

Waidhaus

Kommt ein Neubau des Zollamtes? Und wenn ja, wo?

  • Seit 2004 gibt es das Zollamt in Waidhaus.
  • Zunächst als Übergangslösung wird es in dem Holzgebäude der Spedition untergebracht.
  • Schon nach Monaten stellt sich heraus, dass die Verkehrssituation auf dem Gelände kritisch ist.
  • Der damalige Bürgermeister Anton Schwarzmeier sucht bereits 2004 das Gespräch mit Bundestagsabgeordneten Georg Girisch, Landtagsabgeordneten Georg Stahl.
  • Nach der Jahrtausendwende heißt es plötzlich, das Zollamt soll geschlossen werden.
  • Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch und Bürgermeisterin Margit Kirzinger versuchen, dies zu verhindern.
  • Dann die Nachricht: das Zollamt bleibt. Es ist sogar ein Neubau angedacht.
  • Mitte 2018 sollte entschieden werden, wo ein Neubau verwirklicht werden kann. Doch bis jetzt gibt es kein konkretes Ergebnis.
  • Zurzeit laufen wieder verschiedene Gespräche mit Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht und Vertretern der Generalzolldirektion und des Hauptzollamts Regensburg.

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