15.10.2019 - 09:52 Uhr
WaidhausOberpfalz

Gemeinde ergreift Initiative

Der enorme Flächenverbrauch durch weitere Photovoltaik-Anlagen wird überall in der Landschaft immer sichtbarer. Vehement beschäftigt sich der Marktrat in Waidhaus mit einer Alternative.

Die erste Sonnenstromanlage auf freier Flur ging erst vor wenigen Wochen am Rande der Autobahn in Betrieb. Mit einem eigenen Programm hofft der Marktrat, dass künftig Dächer Vorrang erhalten.
von Josef ForsterProfil

Ein Antrag des CSU-Ortsverbands brachte den Stein ins Rollen. Der Vorschlag zielte auf die Unterstützung eines „100-Dächer-Programms“ durch die Gemeinde. Gemeinsam mit der CSU-Marktratsfraktion forderte der Ortsverband die Förderung von Hauseigentümern, damit diese eine Photovoltaikanlage auf ihren Dächern installieren und den erzeugten Strom als Eigenverbrauch nutzen. Weil es gerade im Bereich Sonnenstrom längst auch viele unseriöse Anbieter gebe, welche die Verbraucher in Unsicherheit stürzten, sei eine Hilfestellung durch die Gemeinde dringend geboten.

Mit dem Antrag wurde die Kommune aufgefordert, eine Ausschreibung für ein Komplettangebot mit Speichermodulen inklusive Montage zu erstellen. Dieses solle von einem Gutachter auf zertifizierte Betriebe und Bauteile geprüft werden. Darüber hinaus forderten die Antragsteller Informationsveranstaltungen, um die interessierten Bürger über die Wirtschaftlichkeit und Rendite einer Anlage auch in Zeiten bei niedriger Einspeisevergütung aufzuklären. Informationen zu den Fördermöglichkeiten erneuerbarer Energien oder neu aufgelegten Programmen dürften dabei nicht fehlen. Grundsätzlich solle die Gemeinde als Aufklärer und Wegbereiter eine führende Rolle einnehmen.

Nach der Vorstellung des Antrags durch Bürgermeisterin Margit Kirzinger sorgte sie gleich im Anschluss für eine Überraschung, mit einem bereits festen Termin für den geforderten Fachvortrag durch ein Ingenieurbüro. Der Infoveranstaltung am Montag, 11. November, 19 Uhr, würde zudem am Mittwoch, 27. November, ein Angebot für individuelle Beratungstermine im Rathaus von 14 bis 17 Uhr folgen. Einen separater Energieberatungsstand regte Kirzinger darüber hinaus beim Adventsmarkt der Vereinsgemeinschaft am Sonntag, 1. Dezember, an. Einen Grund für dieses Vorpreschen nannte die Bürgermeisterin vor dem Einstieg in die Diskussion: „Wir finden den Antrag gut und haben uns bei der Kampagne bereits angemeldet.“

CSU-Ortsvorsitzende Nicole Hoch und Vorstandsmitglied Maria Reichenberger-Hösl waren als unterzeichnende Antragsteller bei der sich im Anschluss ergebenden Diskussion aufmerksame Zuhörer. UWG/PL-Fraktionssprecher Josef Schmucker bat um Auskunft, was den Unterschied zwischen dem Antrag und der erfolgten Initiative durch die Gemeinde ausmache. In ihrer Antwort verwies die Rathauschefin auf die Thematik einer konkreten Beratung.

Josef Kleber (CSU) wusste mehr und sagte: „Wir sind der Meinung, der Markt Waidhaus müsse mehr tun in Sachen Energiewende, die Bürger mitnehmen und begeistern.“ Bei dem Antrag ginge es darum, dass die Gemeinde aktiv die Bürger für das Energiewende-Projekt unterstütze. Hausherren sollten kostenlose Tipps zu Umsetzung, Finanzierung und Förderung erhalten. Darüber hinaus fordere die CSU das Einholen eines Pauschalangebots, welches durch ein Ingenieurbüro zu prüfen wäre, sowohl auf die Hardware, wie auch der Anbieter selbst. Auf das geprüfte Angebotspaket sollten die Bürger zurückgreifen können, „so dass niemanden schlaflose Nächte beschert“ würden. Kleber führte dazu „ein großes ungenutztes Potenzial an Dachflächen“ an, welches sich für Solaranlagen „gut bis sehr gut“ eigne: „Wir möchten die Bürger ermuntern, ihre Häuser mit Photovoltaik-Anlagen nachzurüsten.“

Strom vom eigenen Dach sei nicht nur umweltfreundlich, sondern auch eine attraktive und geförderte Geldanlage mit hoher Rendite. So könne jeder selbst seinen persönlichen Beitrag zur Energiewende leisten kann.

Im Energieatlas-Bayern habe Kleber nachgelesen, dass in Waidhaus Ende 2017 bereits 86 Prozent des verbrauchten Stroms im Ort durch Windräder, Biogas und Solarenergie erzeugt würden. „Wenn wir 100 Dächer mit diesem Projekt ausrüsten, geht es auch stark Richtung 100 Prozent. Wir wollen, dass der Markt Waidhaus mehr macht und die Energiewende voranbringen. „Ich hatte fünf Energieberater da, jeder erzählt dir etwas anderes. Mir wäre deshalb wichtig, den Bürgern zur Seite zu stehen und regionale Ausschreibungen zu betreiben.“ Die Bürgermeisterin gab jedoch zu bedenken: „Wir können als Kommune nicht sagen, Bürger nimm das Büro XY.“ Dazu untermauerte Geschäftsleiterin Kerstin Wilka-Dierl: „Bei einer Ausschreibung kommt eine konkrete Firma heraus. Das ist gegen den Wettbewerb, das darf nicht sein.“

Eine Unterstützung des Antrags sicherte SPD-Fraktionssprecher Johannes Zeug den Antragstellern dennoch zu: „Ich stehe voll mit dahinter, dass wir in diese Richtung gehen.“ Ein Dächerprogramm beurteilte Zeug als sinnvoll, weil die bisherigen Anträge immer auf Freiflächen abzielten. Dabei handle es sich um landwirtschaftliche Flächen zur Herstellung von Lebensmitteln: „Damit kann ich mich nicht anfreunden. Auf die Dächer, da bin ich voll mit dabei.“

Als Beschlussvorschlag schlug Kirzinger die Übernahme des Eigenanteils von 30 Euro bei einer individuellen Beratung vor. Eine Teilnahme am Programm „Mit Sonne rechnen im Landkreis Neustadt/WN“ bestätigte die Bürgermeisterin und sicherte eine Erkundigung zu, ob eine Möglichkeit der Ausschreibung im Hinblick auf den Wettbewerb über die Gemeinde erfolgen könne. Das Ergebnis der Recherchen werde sie wieder in den Marktrat tragen. Ewald Zetzl (CSU) wollte noch einen Schritt weiter gehen: „Die ersten 20 erhalten außerdem 500 Euro von der Gemeinde als Zuschuss.“ Weil Kirzinger begründete: „Das muss in den Haushalt, da will ich nicht vorgreifen und kann es auch nicht“, schloss sich der Marktrat einstimmig ihrem zuvor geäußerten Beschlussvorschlag an.

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