19.09.2021 - 15:43 Uhr
WaidhausOberpfalz

Gierige Grundstücksbesitzer bei Denkmaltag in Waidhaus

Ortsheimatpfleger Andreas Ringholz nutzt die Veranda des Besuchergebäudes, um die vielen Interessierten mit Informationen versorgen zu können.
von Josef ForsterProfil

Zum „Tag des offenen Denkmals“ unter dem Motto „Sein & Schein in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ lud der Heimatkundliche Arbeitskreis Waidhaus erstmals an den Pfrentschweiher ein. Ortsheimatpfleger Andreas Ringholz und die Tourismus-Beauftragte der Stadt Pleystein, Maria Herrmann-Preßl, begrüßten viele interessierte Zuhörer aus der Umgebung.

Herrmann-Preßl erzählte über die Entstehung und die Trockenlegung des Pfrentschweihers, der fast ein halbes Jahrtausend einer der größten Stauseen in der mittelalterlichen Landschaft auf heute bayerischem Gebiet war. Unwirtschaftlichkeit und vermehrter Fischdiebstahl von allen Seiten führten 1840 zur endgültigen Trockenlegung. Bereits 1855 wurde die erste bayerische Wiesenbauschule auf dem Grund des ehemaligen Sees eröffnet.

Ringholz berichtete von der geplanten Waldbahn Dianaberg-Pfrentsch, welche Langholz vom Sägewerk Dianaberg zum Umladen bis zur Bahnhaltestelle Pfrentsch auf der Trasse des Bocklwegs bringen sollte. Nach Ausführungen über die gräflich Kolowratsche Familie und deren holzverarbeitenden Betriebe, erzählte er, dass der grenzüberschreitende Bahnanschluss nicht realisiert werden konnte, da einige Waidhauser aus Gier nicht genug bekommen konnten für ihre Grundstücke.

Überrascht lauschten die Zuhörer auch seinen Ausführungen über das Oberkommando des Heeres, das im April 1945 in Pfrentsch agierte. In einem gut getarnten und gepanzerten Sonderzug residierte Generalfeldmarschall Kesselring zehn Tage im Bereich der dortigen Bahnhaltstelle im Wald. Bei einer vermutlichen Länge von 460 Metern waren unter anderem Salon-, Schlaf- und Gepäckwaggons dabei, neben Wachmannschafts- und bewaffneten Flugabwehrwaggons.

Ganz knapp vor dem Einmarsch der Amerikaner in Weiden flüchtete der Zug in den Süden. Der Heimatkundliche Arbeitskreis Waidhaus möchte nun in jedem Jahr am bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ teilnehmen.

 

 

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