Waidhaus
26.06.2018 - 15:00 Uhr

Grenzenloses Brausen

Auf der Autobahn von Nürnberg nach Prag fahren: Das ist in den letzten Monaten viel komfortabler geworden. Die Politik könnte die Autofahrer aber noch gehörig ausbremsen.

Die Sanierung der Autobahnbrücke bei Waidhaus erleichtert den Verkehrsfluss zwischen Deutschland und Tschechien. fjo
Die Sanierung der Autobahnbrücke bei Waidhaus erleichtert den Verkehrsfluss zwischen Deutschland und Tschechien.

(fjo) An der Grenze zu Tschechien laufen derzeit umfassende Sanierungs- und Verbesserungsmaßnahmen an der Autobahn. Als letzten Schritt saniert das Bauunternehmen Josef Rädlinger aus Cham seit Ende April die knapp 200 Meter lange Brücke über den Grenzbach. Damit einher geht das Ende der seit 20 Jahren bestehenden äußerst unebenen Beton-Oberfläche.

Der Komfort für Reisen in das Nachbarland hat sich bereits Anfang Juni gehoben, als die komplett neu asphaltierte Strecke zwischen der Landesgrenze und der Ausfahrt St. Katarina wieder freigegeben wurde. Damit einher gingen umfassende Sicherungsarbeiten auf Höhe des einstigen Autobahn-Grenzübergangs.

Beschränkung entfernt

Nach Abschluss der Maßnahmen durch die tschechische Autobahnbehörde zeigte sich, dass die bisherige Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 Stundenkilometern verschwunden war. Der Bereich kann nun mit der in Tschechien geltenden Höchstgrenze von 130 km/h passiert werden. Noch hindert die Baustelle auf der Autobahnbrücke die Autofahrer an einer Umsetzung der Neuerung auch in der Gegenrichtung.

Wollen die Autifahrer bis nach Prag, müssen sie derzeit noch mehrere Baustellen in Kauf nehmen. Allein bis Pilsen beeinträchtigen drei weitere Maßnahmen die Nutzung der Autobahn. Die Abgrenzungsarbeiten zum Bereich des einst größten Grenzübergangs Europas sind aber abgeschlossen. Nach dem Abbau der Überdachung des gesamten Abfertigungsbereichs, riegeln mittlerweile massive Betonwälle das Areal zu den Fahrbahnen ab. Geblieben ist für jede Fahrbahnseite lediglich noch eine Ausfahrt, um die neu angesiedelten Dienstleistungen nutzen zu können. Beidseits gibt es neue Tankstellen und Angebote für Reisende. Die asphaltierten Flächen dienen LKW als Parkplätze.

Mit dem Verzicht auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung entlang der einstigen Gemeinschafts-Zollanlage sind auch die Beschränkungen bei der Einreise nach Bayern verschwunden. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 100-km/h gibt es nicht mehr. Allerdings beeinträchtigt ein schlechter Straßenbelag auf einer Länge von fast vier Kilometern das Fahrverhalten bei einer Fahrt in Richtung Vohenstrauß.

Viele Fahrzeugführer scheuen eine Nutzung der Autobahn im Nachbarland. Das Gros der Tagestouristen nutzt weiterhin den "Alten Grenzübergang" an der Waidhauser Landstraße. Häufigster Grund ist die bestehende Vignettenpflicht, wobei das "Pickerl" in Deutschland zumeist billiger im Erwerb ist, als in Tschechien. Die günstigste Variante einer 10-Tages-Gebühr kostet derzeit 14 Euro.


Landstraßen anbinden

Eine Lösung für die vor allem an Wochenenden massive Verkehrsflut durch Waidhaus ließe sich durch eine Anbindung der Landstraße über den einstigen Autobahn-Grenzübergang mit wenig Aufwand realisieren. Zumal für die meisten Tagestouristen der Nachbarort Rozvadov das Ziel ist. Die entsprechenden Straßen würden zwar bereits existieren, sind jedoch hermetisch abgeriegelt und mit Toren verschlossen.

Bei der nun jüngst angekündigten Rückkehr zu Grenzkontrollen - sowohl auf tschechischer, wie auf bayerischer Seite - wären diese Überlegungen zu weiteren Verbesserungen im Verkehrsfluss allerdings nicht mehr von Bedeutung.

 
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