23.02.2021 - 11:48 Uhr
WaidhausOberpfalz

Grenzkontrollen bei Waidhaus: Bundespolizei aus ganz Deutschland in der Oberpfalz

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Seit über einer Woche gelten die verschärften Einreisebedingungen aus dem Nachbarland Tschechien. Die weiß-blauen Fahrzeuge der Bundespolizei sind derzeit in vielen Orten präsent. Ganz Deutschland macht Dienst in der Region.

Auf dem Parkplatz Ulrichsberg Nord der Autobahn A 6 laufen die strikten Einreisekontrollen der Bundespolizei.
von Elisabeth DobmayerProfil

Die derzeitigen Kontrollen an der Grenze zum Virusvariantengebiet Tschechien halten die gesamte Region in Atem. Im Bereich der Bundespolizeiinspektion Waidhaus, die in den Landkreisen Neustadt/WN und Tirschenreuth zuständig für die Grenzkontrollen ist, befinden sich insgesamt sechs Standorte, an denen diese pandemiebedingten Überprüfungen durchgeführt werden.

Die Grenzübergänge Waldsassen/Hundsbach und Waidhaus an der ehemaligen Bundesstraße 14 werden durch die Bayerische Grenzpolizei betreut. Die Waidhauser Bundespolizei ist dagegen in Mähring, Bärnau, an der Tillyschanz in Eslarn und im Bereich Waidhaus an der Einreisespur der A 6, am Autobahnparkplatz Ulrichsberg Nord, mit den Kontrollen beschäftigt.

„Seit Beginn der Kontrollen waren und sind die verschiedensten Kräfte aus dem gesamten Bundesgebiet im Einsatz“, erklärte Bundespolizei-Pressesprecher, Polizeihauptkommissar Franz Völkl auf Anfrage. Besondere Unterstützung bei der Betreibung der Kontrollstellen habe man von den Profis des Technischen Hilfswerks (THW) Nabburg erfahren, die die entsprechenden Infrastruktur-Voraussetzungen mit der notwendigen Energieversorgung und den Zelten für die Aufenthaltsräume der eingesetzten Polizeibeamten an den Standorten Waidhaus A 6 und Tillyschanz zur Verfügung stellen und diese auch errichteten.

Durch die konzentrierten Kontroll-Aktionen sei es notwendig gewesen, Personal aus dem ganzen Bundesgebiet zu rekrutieren. Deshalb tauchen verstärkt Bundespolizei-Fahrzeuge in den verschiedensten Orten in der Region auf, da zusätzliche Einsatzkräfte der Bundespolizei und Bundesbereitschaftspolizei in Gasthöfen und Pensionen untergebracht sind.

Jeder Fünfte wird abgewiesen

Die Lage habe sich nach einem Drittel Abweisungen in den ersten Tagen, ab Sonntag, 14. Februar, auf teilweise weniger als jeden fünften Kontrollierten eingependelt, der die entsprechenden Einreisevoraussetzungen nicht erfüllt, berichtet Völkl. Die Abweisungszahlen gehen demnach proportional zurück, weil sich die Reisenden zunehmend regelkonform verhalten. Durch die Aufhebung des Sonntagfahrverbots für Lastkraftwagen entspannte sich die Lage gerade an der A 6 bei Waidhaus in der Nacht zum Montag und auch am Montagmorgen zunehmend, was eine Reduzierung des Staus bei der Einreise von Tschechien nach sich führte.

Durch die seit vergangenen Freitag benötigte amtliche Bescheinigung systemrelevanter Berufe können die Kontrollen noch schneller abgewickelt werden. „An den Kontrollstellen achten wir auf eine zügige aber sichere Kontrolle“, sagte Völkl.

Sperrung nach Problemen aufgehoben

Nachdem es in der vergangenen Woche Probleme bei der Ausreise auf der A 6 an der gesperrten Ausfahrt Waidhaus gab, habe man diese Maßnahme wieder abgeschafft. Bei der Einreise von Tschechien herkommend bleibt die Ausfahrt Waidhaus aber weiterhin gesperrt.

Ein aus dem fränkischen Raum einreisender Deutscher führte entsprechend eine Einreiseanmeldung und wie vorgeschrieben, einen Corona-Test mit sich. Diesen hatte er erst kurz vor der Einreise nach Deutschland in Tschechien durchführen lassen und dann überrascht festgestellt, dass der Test positiv anschlug. Bei der anschließenden Kontrolle öffnete der Fahrer deshalb nur einen kleinen Spalt seines Seitenfensters, um niemanden anzustecken und teilte sein Ergebnis dem Bundespolizeibeamten mit. Durch den Fensterschlitz erhielt der fürsorgliche Reisende daraufhin eine Aufforderung, sich bei seinem Gesundheitsamt zu melden und in Quarantäne zu gehen. „Wir haben natürlich sein Gesundheitsamt informiert, aber der Mann hat sich vollkommen richtig verhalten“, hieß es von Seiten der Bundespolizei.

Schleuser weiter aktiv

Offenbar wirken sich die strikten Grenzkontrollen auch positiv auf die Sicherheit aus. Denn trotz Corona sind Schleuserorganisationen weiter aktiv. Seit Beginn der stationären Einreisekontrollen wurden 70 Fahndungstreffer mit 11 Haftbefehlen festgestellt. „Schleuserorganisationen lassen trotz der Kontrollen nicht von ihrem menschenverachtenden Handeln ab. Oft schicken sie die Migranten von Tschechien kommend zu Fuß über die Grenze nach Bayern“, weiß Völkl aus Erfahrung.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag konnten durch einen Hinweis aus der Bevölkerung in Waidhaus drei illegal eingereiste Jugendliche aus Afghanistan und Pakistan (15 bis 17 Jahre) aufgegriffen werden. Sie wurden durch einen bisher unbekannten LKW bis zur tschechisch-deutschen Grenze verbracht. Kurz vor der Grenzbrücke in Tschechien forderte sie der Fahrer plötzlich auf, den Laster zu verlassen. Die Jugendlichen wurden nachfolgend dem Jugendamt zugeführt. Die Bundespolizeibeamten haben nun hinsichtlich des Schleuserfahrzeugs die Ermittlungen übernommen.

Grenzkontrollen "so lange wie nötig"

Oberpfalz
Hintergrund:

Im Einsatz: Was macht das THW noch an der Grenze?

  • Ortsverbände aus Weiden, Pegnitz und Hof errichteten an Übergängen in Mähring und Bärnau autarke Energieversorgung mit Netzersatzanlagen sowie Flächenbeleuchtung
  • Zelte mit Sitzgelegenheiten, Beleuchtung und Beheizung als Aufenthaltsräume für Polizeibeamte
  • Anlieferung von Bürocontainern und Versorgung mit Strom
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