19.03.2019 - 11:15 Uhr
WaidhausOberpfalz

Heere belagern Waidhaus

Die Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs ist gut erforscht und vielfältig publiziert. Brandneues Material kommt aus der Region dazu.

Wenige Monate vor dem 2021 geplanten Historienfest zieht die Waidhauser Partnergemeinde Rozvadov die Blicke durch ein neues Buch zur Thematik auf sich, das Ortsheimatpfleger Andreas Ringholz direkt nach der Veröffentlichung zuging.
von Josef ForsterProfil

400 Jahre ist es nunmehr her, dass ganz Europa über Jahrzehnte hinweg unter dem Machtkampf zwischen evangelischen und katholischen Christen litt. Insbesondere im Jahr 1621 stand das Gebiet um Waidhaus im Blickpunkt großer Kriegsheere. Die Feldherren Mansfeld und Tilly lagen sich hier über Monate hinweg feindselig gegenüber. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts erschienen in Deutschland umfangreiche Publikationen zum Dreißigjährigen Krieg. Während der Zeit des Eisernen Vorhangs konnten die tschechischen Nachbarn bei dieser Informationsflut nicht mithalten.

Der Nachholbedarf war vor allem wegen neuer moderner Untersuchungsmethoden und der gegenseitigen Öffnung von Archiven und Museen als enorm. Intensiv beschäftigten sich in den vergangenen drei Jahren Wissenschaftler der Universität Prag mit der Thematik. Bei ungezählten Grabungen auf dem gesamten Gebiet der Nachbar- und Partnergemeinde Rozvadov halfen auch Heimatkundler aus der Region tatkräftig mit. Ortsheimatpfleger Andreas Ringholz war einer davon, dem noch dazu ein viel beachteter Einzelfund glückte. Bis ins tschechische Fernsehen schaffte es der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises durch die Ausgrabung einer seltenen und noch intakten Mörsergranate.

Über lange Zeiträume gingen die Profis mit Unterstützung von Studenten und Interessierten auf die Suche an allen bekannten Stellen. Die Wissenschaftler waren dazu mit hochoffiziellen Dokumenten ausgestattet, um ihrer Arbeit vollumfänglich nachgehen zu können. Umfangreiches Kartenmaterial unterstützte die Grabungsarbeiten, so dass die Ausbeute trotz der vier vergangenen Jahrhunderte immer größer geriet. Penibel und akribisch zeichneten die Experten jede Fundstelle und jeden Fund exakt auf. Zusammengefasst und umfassend bebildert erschien nun die fast 400 Seiten starke Publikation zu allen Funden und Forschungsergebnissen. Eines der ersten Exemplare stellten die Herausgeber dem Waidhauser Ortsheimatpfleger zur Verfügung. Ringholz beurteilt das neue Buch als künftiges Standardwerk zur Rolle Böhmens während des Dreißigjährigen Kriegs. Durch den gelegten Schwerpunkt auf die Waidhauser Nachbar- und Partnergemeinde ergebe sich zudem ein völlig neues Licht für die Bedeutung des böhmisch-bayerischen Grenzraums rund um Waidhaus drüben und herüben.

Mit Freude blickt Ringholz zudem auf den prägnant gewählten Buchtitel „Rozvadov 1621“. Als Vorsitzender des historischen Vereins „Weydhauser Fähnlein“ regte er ein Historienfest zur Thematik 2021 an. Mittlerweile bestellte ihn der Marktrat gemeinsam mit Geschäftsleiterin Kerstin Wilka-Dierl zum Festleiter. Etwas Enttäuschung zu der neuen Veröffentlichung äußerte Ringholz aber dennoch. Denn das Werk sei zwar zweisprachig erschienen, aber nicht in tschechisch und deutsch, sondern in tschechisch und englisch. Vor allem aufgrund der häufig gemeinsam mit dem Vohenstraußer Heimatforscher Karl Ochantel geleisteten Mitarbeit hätte sich Ringholz eine Dokumentation in deutscher Sprache erwartet. Zumal sich Fotos der beiden engagierten Heimatkundler im Buch befinden. Aufgrund des Verkaufspreises von 299 tschechischen Kronen, umgerechnet rund 12 Euro pro Exemplar dürfte andererseits das Interesse gering ausfallen, selbst wenn eine deutsche Übersetzung vorläge.

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