11.03.2019 - 10:50 Uhr
WaidhausOberpfalz

Hundeschädel bereit zur Eroberung

Die bayerische Wiege des Trendsports "Jugger" steht in Waidhaus. Die neue Vorsitzende der Sparte des Sportvereins, Franziska Gilch, wundert sich, dass die Leute immer noch fragen, was Jugger eigentlich ist.

Die Waidhauser Juggermannschaft "Drachenblut" (rechts) spielt beim Bamberger Turnier "Zur goldenen Pompfe" gegen die "Keulen Eulen" aus Saarbrücken. Auch die neue Vorsitzende Franziska Gilch (Dritte von rechts) ist dabei. Bald soll das Training auf dem TSV-Gelände wieder starten.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Zehn Spieler stehen sich in zwei Mannschaften gegenüber. Sie tragen lange Stäbe aus Schaumstoff. Ein Signal ertönt. Gleichzeitig stürmen sie aufeinander los. Einer der Spieler versucht, ein Spielgerät, genannt "Hundeschädel", in der Spielfeldmitte zu greifen, ohne von den Schaumgummiwaffen getroffen zu werden. Doch das ist nicht so einfach. Währenddessen versuchen sich die übrigen Spieler mit den Schaumstoffwaffen zu treffen und aus dem Spiel zu nehmen. Ein zähes Ringen. So beginnt eine Partie des Spiels "Jugger".

Waidhaus war bei der Trendsportart in Bayern Vorreiter und der Sport hat im Grenzort nun auch wieder eine Zukunft. Franziska Gilch ist neue Vorsitzende und plant wieder regelmäßige Trainings und ein Turnier. Dabei war die Zukunft des Spiels in der Grenzgemeinde zuvor in den Sternen gestanden. Immer seltener kam die Gruppe zum Training zusammen. Auch die traditionellen jährlichen Turniere fielen im vergangenen Jahr aus. "Die Leute haben angefangen, zu arbeiten oder sind fürs Studium weggezogen", sagt die neue Vorsitzende. "Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, ob wir den Verein auflösen, aber das wollten wir nicht, weil die Jugger ja auch eine Geschichte haben."

Der Verein wurde vor fast 20 Jahren gegründet. Damals war der Sport noch ziemlich klein. Es gab Mannschaften in Berlin, Hamburg und eben Waidhaus. "Das war damals ein Freundeskreis", sagt Gilch. Die Spieler haben sich über das Internet kennengelernt. Gemeinsam zockten sie Onlinespiele. Dann trafen sie sich auch auf dem Feld zum Jugger-Wettkampf.

Inzwischen spielt in Waidhaus die dritte Generation. Etwa zehn Leute sind aktiv und treffen sich einmal im Monat. Ihr Team heißt "Drachenblut". Jugger gibt es inzwischen in vielen Großstädten. Vor allem bei Studenten ist der Sport beliebt. "Aber im bayerischen Geburtsort fragen die Leute immer noch, was das eigentlich ist", schmunzelt die 22-Jährige Waidhauserin. 2011 und 2016 hat die Grenzgemeinde die deutsche Jugger-Meisterschaft ausgerichtet. 2016 hieß sie "Internationale Meisterschaft", "weil Teams aus Spanien, Irland Australien und Estland dabei waren", weiß Gilch.

2017 war auf dem TSV-Gelände zum 17. Mal die bayerische Meisterschaft. Bei der relativ kleinen Sportart ist das auch immer ein Turnier mit einem Augenzwinkern, weil grundsätzlich jede bayerische Mannschaft an der Meisterschaft teilnehmen kann, wenn sie nur anreist. Mannschaften aus München, Nürnberg oder Bayreuth kämpften um den Titel. An die seit der Jahrtausendwende bestehende Tradition möchte das neue Vorstandsteam, zu dem auch Nicolai Kummer als Stellvertreter gehört, wieder anknüpfen. Die Jugger wollen das Training besser koordinieren und Nachwuchs finden. "Wir sind wieder aktiv", sagt Gilch. Wer mitspielen will, könne sich über den TSV Waidhaus oder über die Jugger-Facebookseite melden.

Hintergrund:

Was ist Jugger?

Die Sportart geht auf den Film „Die Jugger – Kampf der Besten“ aus dem Jahr 1989 zurück. Darin lieferten sich umherziehende Mannschaften zur Belustigung der Wohlhabenden brutale Gladiatorenwettkämpfe. 1993 wurde Jugger nachweislich erstmals in einer harmlosen Variante in Heidelberg gespielt.

  • Ein als "Jugg" bezeichneter symbolischer Hundeschädel liegt in der Mitte des Spielfelds und muss von den sich gegenüberstehenden fünfköpfigen Mannschaften erobert werden.
  • Der "Jugg" muss vom unbewaffneten Läufer, der den Schädel als einziger Spieler anfassen darf, auf die Seite seiner Mannschaft gebracht werden.
  • Die vier anderen Spieler heißen "Pompfer". Sie dürfen aus einem Arsenal Schaumstoffwaffen wählen, wobei nur einmal eine Kettenwaffe verwendet werden darf. Es gibt etwa einen Stab, eine Langpompfe und eine Kurzpompfe mit Schild.
  • Wird ein Spieler von einer Pompfe getroffen, muss er eine bestimmte Zeit pausieren.

Der Reiz des Sports und typisch für Jugger sind die an mittelalterliche Schlachten erinnernden Szenen auf dem Feld. (dko)

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