11.06.2019 - 17:45 Uhr
WaidhausOberpfalz

Katze im Baum: Feuerwehr eilt zur Hilfe

Dackel im Fuchsbau, Pferd im Wasser, Katze auf Baum – das sind typische Alarmierungen für die Feuerwehr. So wie neulich in Waidhaus, als Katze „Boppele“ im Baum saß. Doch nicht überall ist der Einsatz kostenlos.

Leserin Suleika Zimmermann hat den Einsatz auf dem Handy festgehalten. Sie ruft die Feuerwehr wegen einer Katze im Baum, sieben Minuten später sind die Retter da. Würde die Anruferin in Niedersachsen wohnen, wäre sie vielleicht nicht so begeistert. Dort müsste sie wohl den Einsatz zahlen, und nicht die Gemeinde.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

(blu/jak) Neulich, an einem Samstag, in Waidhaus, mitten auf dem Marktplatz. Von ihrem Küchenfenster aus entdeckte Suleika Zimmermann eine heimatlose Katze, die sie öfter mal füttert. „Das kleine Boppele“ nennt sie sie. Doch an diesem Tag sei ein Hund gekommen und erschreckte das „Boppele“. „Die Katze flüchtete den Baum hoch. Sie blieb stundenlang miauend in mindestens zehn Metern Höhe.“

Es sei offensichtlich gewesen, dass das vielleicht drei Monate alte Tier alleine nicht mehr herunterkommen würde. Suleika Zimmermann rief die Polizei. Diese verband sie mit der Feuerwehr. „Der nette Mann an der Strippe hat mir erklärt, dass die Rettung von Tieren kostenlos ist.“ Am Ende rückten laut Zimmermann mindestens 13 Mann in zwei Fahrzeugen an – mit Blaulicht und innerhalb von sieben Minuten.

Dieses Kätzchen flüchtete vor einem Hund in den Baum am Marktplatz in Waidhaus. Suleika Zimmermann hat sie "Red Lady" getauft.

Die Rettung von Menschen und Tieren ist Pflichtaufgabe der Feuerwehr. Sie ist kostenlos, das heißt, die Leistung zahlt die Gemeinde, für sie ist kein Kostenersatz vorgesehen. Im Falle der Tierrettung haftet ein Tierhalter also nicht selbst, wenn die Feuerwehr seine Tiere aus einer lebensbedrohlichen Situation rettet. So sieht es das Bayerische Feuerwehrgesetz vor.

Anderswo keine Pflicht

Doch das gilt nicht in allen Bundesländern. In Niedersachsen etwa zählen Tierrettungseinsätze nicht zu den Pflichtaufgaben der Feuerwehr. Es sind freiwillige Einsätze, die von der Unentgeltlichkeit ausgeschlossen sind. Das gilt selbst, wenn die Tiere sich in Lebensgefahr befinden sollten. Kostenerstattungspflichtig ist grundsätzlich der Halter des Tieres, oder auch der Anrufer. Deshalb gibt es in diesem Bundesland eine Unmenge an Vereinen, die sich um die Tierrettung kümmern, zeigt eine Internetrecherche. Doch auch wenn die Tierrettung in Bayern kostenlos ist, kommt sie zumindest im Landkreis Neustadt nicht so oft vor, erklärt Kreisbrandrat Marco Saller. Von den 2215 Einsätzen bei technischen Hilfeleistungen im Landkreis Neustadt waren 22 Einsätze wegen Tierunfällen und -bergungen, also nicht einmal 1 Prozent. Darunter falle etwa ein Tier, das in einem Weiher festgefroren sei, die berühmte Katze im Baum oder auch der Insekteneinsatz. „Hier muss jedoch eindeutig eine Gefährdung vorliegen“, betont Saller. Wenn im Rollokasten ein Wespennest ist und die Besitzer eine Allergie haben, etwa. Die Bettwanzen in der Matratze jedoch fallen in die Kategorie Schädlingsbekämpfung. Auch technische Hilfeleistung bei Wildunfällen, wie sie oft vorkomme, falle nicht in die Statistik der Tierunfälle, sondern laufe unter technische Hilfeleistung.

Andere klassische Unfälle sind etwa Tierrettungen. 2018, erinnert sich Saller, seien Rinder aus einem Gehege ausgebüxt und auf die Straße gelaufen. Oder ein Hund im Wassergraben gelandet. Vor zwei Jahren gab es einen Einsatz wegen eines Pferds in unwegsamem Gelände. Ob das Tier wirklich in Gefahr ist oder die Katze nur so im Baum sitzt, das entscheidet jedoch nicht die Feuerwehr, sondern die ILS. Der Notruf des Hilfesuchenden gehe über die 112 direkt zur ILS, die dann den Notruf weiterleitet.

Von allein wieder runter

Der Waidhauser Kommandant erinnert sich noch genau an den Einsatz mit Katze „Boppele“. „Kleintierrettung. Katze auf Baum“, hieß es in der Alarmierung. Beim Anlegen der Leiter sei die Katze von alleine herunter gesprungen. Dass so viele Retter mitkamen, sei dem Samstagabend geschuldet. „Wir wollten dann auch niemanden heimschicken“, erklärt Schwarz. Die Kameraden hätten das unter Training verbucht. „Aber neun Mann und ein Löschfahrzeug hätten in dem Fall auch ausgereicht“, sagt er und erinnert sich, wie begeistert Anruferin Zimmermann war. „Für uns ist das jedoch selbstverständlich. Das war kein großartiger Einsatz.“

Die Katze sei vermutlich aus Angst vor der Feuerwehrleiter, die immer höher in den Baum geschoben wurde, immer weiter nach oben geklettert, erinnert sich Zimmermann. „Dann kletterte sie ein Stück runter, sprang und verschwand flugs. Da wollte gerade einer der Feuerwehrleute hochgehen.“ Zahlreiche Anwohner hatten das Spektakel beobachtet und am Ende applaudiert. „Es ist schön zu wissen, dass die Feuerwehr auch Tiere in Not rettet. Wir sind in guten Händen“, bedankt sich Zimmermann. Die kleine Katze habe sie zwei Tage lang nicht mehr gesehen. „Aber jetzt ist sie wieder da.“

Würde Suleika Zimmermann in Niedersachsen wohnen, wäre ihre Freude wohl etwas getrübt: Da hätte sie – und nicht die Gemeinde Waidhaus – den Einsatz bezahlen müssen.

Schwandorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.