10.09.2021 - 17:38 Uhr
WaidhausOberpfalz

So erlebte der Zoll in Waidhaus die Zeit der Grenzschließung

Im vergangenen Jahr war die Grenze zu Tschechien zwei Mal wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Das Hauptzollamt Regensburg schildert, wie die Situation war - und was das mit dem Wolf zu tun haben könnte.

Ein Mitarbeiter des Zoll hält Zigaretten in seiner Hand.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Zwei Mal war die Grenze zu Tschechien wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Nur wer einen triftigen Grund hatte oder Pendler war, durfte die Grenze noch passieren - zum Tanken und Einkaufen aber nicht mehr. In den sozialen Netzwerken entflammten Diskussionen, da Verwirrung darüber herrschte, ob man nicht doch schnell über die Grenze fahren könnte. Für viele Menschen war der Einkaufstourismus im Nachbarland offenbar von größter Bedeutung. "Wie will ich mich denn bei den fünf Minuten tanken an der Tankstelle anstecken?", kommentierte eine Facebook-Nutzerin. Manche überlegten, "nochmal schnell rüber zu fahren", um günstig Zigaretten zu kaufen. Unter den Nachrichten zu den Grenzschließungen sammelten sich schnell hunderte Kommentare - zum Teil sehr wütende.

Aber wie war die Situation für den Zoll? Haben die Leute nur wütend im Internet gepoltert oder kam es zu spektakulären Schmuggelaktionen?

Kein Hollywood an der Grenze

Als die Grenzen geschlossen wurden, war das vergleichbar, "wie wenn es den Eisernen Vorhang wieder gebe", schildert Michael Lochner, Pressesprecher des Hauptzollamt (HZA)Regensburg, seinen Eindruck am Telefon. Die Telefone der Zollbeamten der Kontrolleinheit Verkehrswege Waidhaus und die des HZA Regensburg standen nicht mehr still. "Die Kollegen wurden mit Anrufen bombardiert", sagt der Pressesprecher. Vor allem ging es den Anrufern um eine Sache: Kann man an der tschechischen Grenze noch Zigaretten kaufen und sein Auto tanken?

Wie war also die Situation für die Zollbeamten? "Also hollywoodreife Schmuggel-Szenen gab es nicht. Es ist niemand mit seinem SUV über einen Schlagbaum gefahren", erzählt Lochner am Telefon und lacht. Dann wird er wieder ernst: "Das Schmuggelaufkommen ist nicht gravierend höher geworden. Die Kollegen haben nach wie vor Kontrollen durchgeführt und Aufgriffe getätigt."

Nichtsdestotrotz, wenn es um Zigaretten geht, ließen sich die Leute etwas einfallen: Berufspendler brachten ihren Kollegen die Zigaretten mit. "Aber das war verboten", erklärt Zoll-Pressesprecher Lochner. "Nur die Zigaretten für den eigenen Gebrauch sind erlaubt. Wenn es dann mehr Stangen sind, ist das auffällig."

Die Angst vor dem Wolf?

Das HZA Regensburg informiert auf seiner Internetseite, dass der Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union grundsätzlich frei ist. Für verbrauchsteuerpflichtige Waren gelten aber besondere Regelungen. Auch solche Waren können aus jedem Mitgliedstaat der EU - ausgenommen Sondergebiete - abgabenfrei und ohne Zollformalitäten nach Deutschland mitgebracht werden. Jedoch nur in bestimmten Mengen und nur für den persönlichen Bedarf. Mitbringsel für Nachbarn, Kollegen oder Freunde sind nicht zulässig. Für verbrauchsteuerpflichtige Waren, wie zum Beispiel Alkohol oder Zigaretten, wurden Richtmengen festgelegt, bis zu denen automatisch eine Verwendung zu privaten Zwecken angenommen wird. Dieser Richtwert liegt bei zehn Litern Spirituosen und 800 Zigaretten.

Die Zigarettenhändler der Asia-Märkte in Tschechien ließen sich von den Grenzschließungen auch nicht aufhalten. Die Händler boten ihre Zigaretten im Internet an. "Ein Bote hat die Ware in einem Paket an die grüne Grenze gebracht. Das Paket gab es dann im Austausch mit Geld", schildert der Pressesprecher. Die Zoll-Beamten kontrollierten aber auch die grüne Grenze, so gut es möglich war. Nacht-und-Nebel-Aktionen an der grünen Grenze habe es aber keine gegeben.

Lochner weiß auch warum: "Nachts ist es möglich, dass man auf der grünen Grenze einem Wolf begegnet."

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Hintergrund:

Hauptzollamt (HZA) Regensburg

  • Einsatzfläche des HZA Regensburg: 13.000 Quadratkilometer
  • Zum HZA Regensburg gehören vier Zollämter, fünf Kontrolleinheiten Verkehrswege, vier Einheiten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit, Zentrale Belegsammlung in Furth im Wald, die Agrardieselstelle Selb und die Vollstreckungs- und Verwertungsstelle Hof
  • Einzugsbereich der Kraftfahrzeugsteuer-Festsetzungsstelle: Regierungsbezirke Niederbayern und Oberpfalz sowie die Landkreise Wunsiedel, Hof, Freising, Dachau und Erding
  • Insgesamt verrichten rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Hauptzollamt Regensburg Dienst
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