13.07.2020 - 15:13 Uhr
WaidhausOberpfalz

Unterirdische Räume gesucht

In Waidhaus gibt es – wie in vielen anderen Orten – eine große Anzahl noch vorhandener Felsenkeller. Der Heimatkundliche Arbeitskreis (HAK) meint gar: „Gefühlt liegt hier eine höhere Dichte als anderswo vor.

Irgendwie vertraut und doch ganz anders: Ein 50 Jahre altes Foto vom westlichen Ortseingang überliefert noch mehrere Zugänge zu Felsenkellern direkt an der Hauptstraße.
von Josef ForsterProfil

Vermutlich schenken die Wenigsten Felsenkellern noch Beachtung beim Vorbeigehen und -fahren. Einige der einst mit enormen Einsatz geschaffenen Erdräume sind auch bereits verschwunden oder wurden zugefüllt. Dennoch verfügt der Grenzmarkt noch immer über eine stattliche Anzahl. „Für unsere Ahnen waren sie meist überlebenswichtig, da die Keller ein Vorgänger unserer heutigen Kühlschränke war“, sagt Vorsitzender Andreas Ringholz. Nicht nur Lebensmittel, Bier oder andere verderbliche Waren wurden hier gelagert. In Kriegszeiten kam den unterirdischen Bauwerken als vermeintlich sicherer Unterschlupf auch eine zusätzliche Bedeutung zu.

Die Mitglieder sehen zudem einen engen Zusammenhang zwischen dem lokalen Brauwesen und der Existenz von Felsenkellern in Waidhaus. Das örtliche Brauwesen geht nachweislich erwähnt zurück bis 1512. „Wir haben also eine Zeitepoche, welche älter als das deutsche Reinheitsgebot ist“, freut sich Ringholz. Aus einer Ortsbeschreibung des Jahres 1562 ist überliefert, dass in Waidhaus weiter gebraut und gemalzt wird. Im Dreißigjährigen Krieg brannten die Kroaten das Waidhauser Brauhaus nieder. Auch dazu gibt es historische fundierte Quellen.

Erforschung der Heimatgeschichte: Der Heimatkundliche Arbeitskreis Waidhaus

Von 1636 bis 1782 stand das einstige Brauhaus im Anschluss auf dem Platz beim heutigen Kriegerdenkmal. Es war komplett in Holz erbaut, bis es ebenfalls Opfer des großen Marktbrandes von 1782 wurde. 1783 wurde es an selber Stelle mit massivem Mauerwerk und Dachziegeln neu aufgebaut. Während das kommunale Brauhaus nachweislich von 1636 bis 1913 auf dem Platz beim heutigen Kriegerdenkmal stand, war danach der neue Standort bis 1978 in der heutigen Brauhausgasse.

1808 machten acht Haushalte Gebrauch vom Bierbraurecht, die allesamt Wirte oder Metzger waren: Georg Bauriedl, Wolf Adam Grötsch, von Schedl (Frankenreuth), Georg Grötsch senior, Georg Grötsch junior, Sebastian Nagler, Lorenz Grötsch und Adam Grötsch. Der letzte Braumeister war Bierwirt Georg Voit, der 1942 angestellt wurde. 1965 jedoch schrieb die Gemeindeverwaltung Waidhaus dann an das Hauptzollamt Weiden: Der Braubetrieb im gemeindlichen Kommunbrauhaus ruht vollkommen und mit einer Wiederaufnahme des Braubetriebes dürfte nicht zu rechnen sein.

Doch zurück zu den Felsenkellern. Im Innenhof des alten Rathauses, dem „Zoll- und Mauthaus“ in der Rathausgasse befand sich ebenfalls ein Felsenkeller laut Grundsteuerkataster von 1809. Aus weiteren Quellen wissen die Heimatkundlern von Brandleidern, welche nach den Ortsbränden der Jahre 1782 und 1868 ihre Felsenkeller vorübergehend als Herberge nutzten.

Die meisten Keller in der Marktgemeinde gehen auf das 18. Jahrhundert zurück, allerdings gibt es auch wesentlich ältere Exemplare. Soweit sind die Erhebungen der Heimatforscher bereits gediehen. Zugleich entstand eine grundsätzliche Einteilung in zwei Kategorien: Jene Exemplare auf Flurstücken außerhalb der Ortschaft und zum zweiten Felsenkeller, die noch unter älteren Gebäuden existieren.

Den gesamten noch vorhandenen Bestand an Kellern will sich der Verein nun aus chronistischen Zwecken annehmen. „Keine Angst; niemand hat dadurch irgendwelche Nachteile zu erwarten“, betont Ringholz, der zugleich Ortsheimatpfleger der Marktgemeinde ist. Ohne Mithilfe aus der Bevölkerung und der Eigentümer ginge es jedoch nicht. Für die Erfassung wäre es interessant, wenn die betroffenen Objekte von zuvor angemeldeten Mitgliedern des HAK besichtigt, fotografiert und grob in Länge und Höhe vermessen werden dürften. Falls dies nicht mehr möglich oder nicht erwünscht ist, bitten die Mitglieder die Bevölkerung dennoch um Meldung.

Besonders interessant wären die in gewachsenen Fels geschlagenen Keller unter den älteren Gebäuden. Hier kann es durchaus sein, dass sich Exemplare darunter befinden, deren Entstehung bis ins Mittelalter zurückgeht, denn die Gebäude darüber sind mehrfach abgebrannt, aber die Keller waren ja noch vorhanden, auf denen dann wieder neue Mauern errichtet wurden.

Deshalb bittet der Ortsheimatpfleger alle Besitzer und Pächter solcher Felsenkeller sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Am besten mittels Handy unter der Nummer 0170/4827155. Auch wer keinen Felsenkeller besitzt, aber davon weiß, wird gebeten, sich bei Ringholz zu melden: „Denn lieber wird ein Keller doppelt gemeldet, als gar nicht.“

Ein Türsturz über dem Eingang eines besonders interessanten Waidhauser Felsenkellers zeugt von einem hohen Alter.

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