26.05.2020 - 09:43 Uhr
WaidhausOberpfalz

Waidhaus: Margit Kirzinger jetzt Altbürgermeisterin

Die Verabschiedung und Ehrung der ausgeschiedenen Bürgermeisterin Margit Kirzinger fällt eng zusammen mit ihrer Wiederwahl zur stellvertretenden Landrätin. Ihre Leistungen würdigt der neue Rathauschef Markus Bauriedl.

Die Verabschiedung und Ehrung von Margit Kirzinger (rechts) durch ihren Nachfolger Markus Bauriedl gipfelt in der Ernennung zur Altbürgermeisterin.
von Josef ForsterProfil

Die Ernennung von Margit Kirzinger zur Altbürgermeisterin bezeichnete ihr Nachfolger Markus Bauriedl als „erfreulichen Tagesordnungspunkt“. Geschickt verpackte er ihre „lange politische Laufbahn“ nach seiner Gratulation zur Wiederwahl als stellvertretende Landrätin in eine Motorrad-Tour; sei doch ihr „größtes Hobby seit Jahrzehnten das Motorradfahren“.

Bauriedl blickte auf Mai 1990 zurück: „Du startest mit Vollgas durch und zogst als erste Frau in der Geschichte des Markts Waidhaus in den Marktgemeinderat ein.“ Im gleichen Jahr gelang die Wahl in den Kreistag: „Nun gabst du noch mehr Gas.“ Doch wie bei einer Tour sei zwar das Ziel klar; die Strecke dagegen meist neu oder nur teilweise bekannt. Bauriedl erwähnte „nicht einsehbare Kurven oder Kreuzungen“ oder langsame Verkehrsteilnehmer, welche zu kurzfristigen Bremsmanövern führten, bevor es auf der Überholspur beschleunigt weiterginge. Manche Strecke sei unerwartet gesperrt gewesen, so dass die eine oder andere Umleitung genommen werden musste. Doch zwischendurch habe es – wie bei jedem Ausflug – schöne Aussichten und Erlebnisse entlang der Stecke gegeben.

Dann wurde Bauriedl nochmals konkret: „Bei dieser langen Tour gab es nochmals ein geschichtliches Ereignis. 2014 wurdest du zur Bürgermeisterin gewählt und somit als erste Frau des Marktes Waidhaus Bürgermeisterin.“ Als umsichtige und erfahrene Motorradfahrerin hatte Kirzinger stets den Lenker voll im Griff: „Du hast dich für unsere Gemeinde eingesetzt und Vieles auf den Weg gebracht.“ An vielen Projekten sei Kirzinger bereits in ihrer langen Amtszeit als Markträtin beteiligt gewesen. Als Schwerpunkte nannte Bauriedl die Familienpolitik mit Schule und Kindertagesstätte, aber auch die Seniorenarbeit und die Vereine. Daran knüpfte der Bürgermeister einen Rückblick auf viele Maßnahmen als Bürgermeisterin. Heraus hob Bauriedl den „immer sehr guten Kontakt zu unseren tschechischen Nachbarn“, was die Partnerschaft „immer mehr vertiefte“.

Mit der Verabschiedung war es aber noch nicht getan. Bereits am 4. Mai habe der Marktrat auf Antrag der SPD-Fraktion im nichtöffentlichen Teil den Beschluss gefasst, Kirzinger zur Altbürgermeisterin zu ernennen. Bauriedl verlas zur Übergabe den Text der Ernennungsurkunde und überreichte zu dieser den Waidhauser Löwen und einen Blumenstrauß. Ein Eintrag ins Goldene Buch durfte nicht fehlen.

Kirzinger nahm im Anschluss Stellung zu ihrem Weggang aus dem Rathaus: „Es ist gewiss auch der Situation geschuldet, dass ich mir diesen Abschied nicht in dieser Form vorgestellt habe.“ Und sie sprach von einem „eigenartigen Gefühl“ nach 30 Jahren Kommunalpolitik Abschied von der Verantwortung für Waidhaus und den vielen Aufgaben zu nehmen. Viele Gedanken hätten sie in den letzten Wochen beschäftigt: „Das ist aber normal. Schließlich geht für mich ein sehr wichtiger und langer Lebensabschnitt zu Ende.“ Aber gerade in der Politik sei es oft so, dass man nicht selbst über seine Zukunft entscheide, wozu sie Goethe zitierte: Das Leben gehört den Lebendigen, und wer lebt, muss auf den Wechsel gefasst sein.

Wichtig sei ihr gewesen, Fußspuren zu hinterlassen, was ihr in diesen drei Jahrzehnten – vor allen zuletzt als erste Bürgermeisterin - gelungen sei. 30 Jahre Kommunalpolitik hätten sich für sie als interessant dargestellt „und haben mir sehr viel Freude bereitet. Sie waren aber auch strapaziös und Kräfte zehrend und auch – und hier bitte ich um Verständnis für eine gewissen Unbescheidenheit - nicht ganz erfolglos und gut für unsere Marktgemeinde.“ Besonders am Herzen gelegen wäre ihr zudem an einer guten Zusammenarbeit mit der Nachbar- und Partnerschaftsgemeinde Rozvadov. Dies verband sie mit Genesungswünschen an Bürgermeister Pavel Pajer: „Ich bitte sie alle, die Hoffnung nicht aufzugeben, dass er wieder ganz gesund wird.“

Ein Resümee zur Arbeit der vergangenen sechs Jahre schloss sich an: „Viele Projekte konnte ich nicht zu Ende führen. Das ist aber zu verschmerzen, denn die Weichen für eine erfolgreiche Umsetzung sind bereits gestellt.“ Zum Ende der Amtszeit frage sie sich, was gut und richtig war, was gut gelaufen sei und was hätte besser laufen können. Das Meiste sei aus ihrer Sicht gut gelaufen, was nur durch das Zusammenwirken so vieler Kräfte möglich gewesen wäre. Damit verband Kirzinger Dankesworte an alle Mitarbeiter und ganz besonders Geschäftsleiterin Kerstin Wilka-Dierl. Über die Bauhofmitarbeiter und Markträte würdigte sie die Unterstützung durch die Senioren- und Jugendbeauftragten, die Ehrenamtlichen und Pfarrer Georg Hartl. Konkret nannte sie die Feuerwehren und die Helfer vor Ort, sowie Lehrer, Erzieher und Waidhauser Firmen.

Ihr besonderer Dank ging an Lebensgefährte Hans Stefinger: „Dafür freue ich mich jetzt umsomehr, dass wir jetzt mehr Zeit füreinander haben.“ Über das entgegengebrachte Verständnis der ganzen Familie dankte Kirzinger der Waidhauser SPD und SPD-Marktratsfraktion um Sprecher Johannes Zeug. Zuletzt würdigte sie ihre Förderung durch Günther Stöckl, der sie in jungen Jahren forderte und förderte: „Er legte den Grundstein für mein politisches Schaffen.“

Zum Bericht der vorherigen Marktratssitzung

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