18.07.2021 - 15:09 Uhr
WaidhausOberpfalz

Waidhaus: dem Wirtshaus-Sterben entgegenstellen

Im krassen Gegensatz zu früheren Zeiten steht die Lage bei den Gasthäusern. Waidhaus verzeichnete einst annähernd 100 Schankstätten. Doch in die ausgedünnte Wirtshauslandschaft kommt neues Leben.

Für die Beseitigung eines weiteren Leerstands in Waidhaus stehen "EssCoBar"-Betreiber Michael und Sabine Braun mit Sohn Luca. Im Hintergrund die beiden Vorbesitzer Arthur Pflaum und Christl Schücker-Pflaum.
von Josef ForsterProfil

In weiten Teilen der Oberpfalz ging in früheren Jahrhunderten mit der kleinbäuerlichen Kultur ein hoher Grad an Selbstversorgung einher. Auch in Waidhaus gehörte hierbei der Hopfenanbau zur Grundlage für das Brauen von Hausbier. Das Braurecht war für die meisten Bauern darüber hinaus mit einem Schankrecht im eigenen Anwesen verknüpft, wie Heimatforscher Sigfried Poblotzki in seiner Waidhauser Chronik niederschrieb.

Wirtschaften und damit Bierabsatz wurden für die zu Marktflecken erhobenen Kommunen zu nicht unbedeutenden Einnahmequellen. Der Markt kassierte davon eine Art Verbrauchssteuer, das „Ungeld“. Erich Wolf hat dies am Beispiel Tännesberg in seinem Heimatbuch aufgezeigt. So auch das auf fast jedem Anwesen liegende Braurecht im Gemeinde- oder Kommunbrauhaus. Während sich in vielen Orten daraus der Begriff „Zoigl“ entwickelte, behielt im Grenzmarkt die Bezeichnung „Kommunbier“ bis heute die Oberhand.

Lukrative Sonderstellung

Die Sonderstellung als überregional bedeutsamen Grenzort machten das Schankrecht für Bauern und Gemeinde in Waidhaus schnell zu einem lukrativen Standbein. Daraus entwickelte sich schließlich eine große Zahl an Gasthäusern und Tafernwirtschaften mit einer größeren Bedeutung als die Landwirtschaft. Erst die Zeit des „Eisernen Vorhangs“ brachte hier einen erheblichen Einschnitt mit sich. Doch mit der baldigen Alleinstellung als einziger Grenzübergang in die damalige CSSR wendete sich dieses Blatt schnell wieder. Insbesondere entlang der Durchgangsstraße bestand für die Reisenden ein reichhaltiges Angebot.

Aber auch die Einheimischen nutzten die umfangreiche Auswahl gerne, wie Hans Hartung einst in seinen Geschichten niederschrieb: „Zum Schmunzeln ist manche Gegebenheit, die sich in den alten Wirtshäusern zugetragen hat. Man hat sich nach Feierabend noch schnell auf eine Halbe Kommunbier getroffen, hat sich dabei informiert, was an Neuigkeiten geschehen war, um somit auf dem neuesten Stand der ‚Dorfpolitik‘ zu sein.“

Einige Geschichten zu historischen Schankstätten hat der Heimatkundliche Arbeitskreis aufgearbeitet. So gibt es umfassende Abhandlungen zum „Hanslenzen“ am Marktplatz, den Kreuzwirt „Zum goldenen Kreuz“ und dem Gasthäusern „Zum Türken“ und „Zum Gerber“, wobei Letzteres im Volksmund nur „Scharfes Eck“ genannt wurde. In seinem ursprünglichen Zustand ist davon keines mehr, wenn auch noch manchmal Hinweis- oder Wirtshausschilder davon künden. Vielfach verschwanden jahrzehnte-, teils jahrhundertealte Traditionshäuser.

Das „Haus am Eck“ mit der Pizzeria „Fünferl“ hielt gemeinsam mit dem historischen Gasthof „Alte Post“ und der Gastwirtschaft „Zur fürstlichen Krone“ derweil das Wirtshausangebot aufrecht. Dazu ergänzten „Marktplatzstüberl“, Frühstücksrestaurant „Number One“, Café Lindner und Bistro „Flamingo“ das Angebot im direkten Ortskern.

Neues Leben

Die Initiative des ortsansässigen Theatervereins „Dorfbühne“ bescherte der Marktgemeinde nun zumindest eine teilweise Belebung des „Kreuzwirtsaals“ als eine Art Kultursaal. Mit dem festen Willen einer Wiederbelebung mit Theateraufführungen, Lehrgängen, Workshops, Krimidinner, Gasttheater, Stammtischen, Versammlungen und verschiedenen Festivitäten. Der Besitzer steckt zudem in Verhandlungen mit einem neuen Wirt, wobei auch der Theaterverein auf Synergie im Übernachtungs- und Wirtschaftsbereich setzt.

Eine weitere Rückkehr geschah jüngst beim Ärztehaus am Eingang zur Ortsmitte. Nach der Wiederöffnung der einstigen Eisdiele „La Vida“ trauten sich nun Sabine und Michael Braun, auch das angrenzende Restaurant zu übernehmen und einen weiteren Leerstand zu verhindern. Mit der neuen Bezeichnung „EssCoBar“ bereichert das Ehepaar seit Mitte Juli die Speisen- und Getränkekarten in Waidhaus.

Erinnerungen an das Waidhauser Kommunbrauhaus

 

 

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