04.10.2019 - 14:34 Uhr
WaidhausOberpfalz

Waidhauser erinnern sich an Weltstar Karel Gott

Als ihr Sohn Hermann aus der Zeitung vom Tod Karel Gotts vorliest, ruft Betty Wölfel am Freitagmorgen sofort in der Redaktion an: „Der war doch so eng mit den Waidhausern verbunden."

Dutzende Male fotografierte Betty Wölfel den in der Nacht zum Mittwoch verstorbenen Karel Gott. Eines der ersten Fotos bewahrt sie noch immer in ihrem Küchenbüfett auf.
von Josef ForsterProfil

Im September 1969, also genau vor 50 Jahren, fotografierte die langjährige Heimatreporterin „die Goldene Stimme aus Prag“ das erste Mal für die Zeitung. Es war ein Foto beim Frühstück, als sich Gott eine Semmel in der Pension Zielbauer an der Hauptstraße aufschneidet. Wölfel weiß noch, dass die damalige Waidhauser Jugend schnell davon erfuhr und massenweise Autogramme von „ihrem Liebling“ haben wollte. Gerne hätten sich die jungen Mädchen ein Autogramm auf ihre Arme schreiben lassen.

Mit ungebrochener Begeisterung schildert die fast 95-Jährige vom guten Miteinander der Waidhauser und dem weltbekannten Sänger in den 1970er und 1980er Jahren. Oft sei sie geholt worden, um Fotos zu machen. Als Berichterstatterin hatte sie einen der wenigen Fotoapparate in Waidhaus schon recht früh. Und dann nimmt Betty Wölfel aus dem Küchenbüfett eine besondere Rarität.

Nur mit einem Reißnagel befestigt, hebt sie dort noch immer ein Foto aus dem Jahre 1970 auf, das Gott als ganz jungen Künstler im Kreise von Waidhausern zeigt. Mit dabei war damals auch ihr Sohn Hermann als 13-Jähriger. Es ist eines der ersten Bilder, welches sie von dem Weltstar gemacht hatte. Hermann selbst sang als begabter Sänger oft den ganzen Tag lang den großen Hit: "Einmal um die ganze Welt."

Der Nachruf

Deutschland und die Welt
Auf dem von Betty Wölfel wie ein Schatz gehütetem Bild ist auch ihr Sohn Hermann (Zweiter von links) zwischen den beiden Dierl-Brüdern zu sehen. Karel Gott legt seinen Arm um die bereits verstorbene Johanna Stefinger. Es war immer viel Auflauf, wenn Gott mit seinem BMW (im Hintergrund) in Waidhaus einkaufte oder übernachtete.

Über 20 Jahre suchte Gott den ehemaligen Truckershop Hösl unweit des alten Grenzübergangs regelmäßig auf. Er kaufte dort oft und viel ein. Inhaberin Frieda Hösl bot der Star sogar das „Du“ an und 1986 lautete eine Überschrift zu den Beiden: „Seit 20 Jahren dicke Freunde“. Enkel Mario Hösl kann sich noch gut daran erinnern, als er dem Gast vor lauter Aufregung beim ersten Aufeinandertreffen die linke Hand zum „Grüß Gott“ hinstreckte, anstatt die rechte.

Seine Oma war es auch, die den Auftritt beim Heimatfest 1988 einfädelte. Wie sonst wäre eine kleine Kommune wie Waidhaus zu einem Gastspiel des Weltstars gekommen. Allein die Einnahmen für das Konzert im Festzelt bei der 850-Jahr-Feier betrugen 20.150 D-Mark und überschritten damit bereits die Kosten, welche Gott für seinen Auftritt verlangte. Über 3000 Besucher genossen damals im völlig überfüllten Festzelt einen Star hautnah und ohne jegliche Allüren. Der damalige Festleiter Hans Voit überreichte den Ehrenteller der Marktgemeinde Waidhaus an Gott unter großem Beifall des ganzes Festzelts.

Wölfel weiß noch, dass der am 14. Juli 1939 in Pilsen geborene Interpret schon als Schüler Musik in Tanzcafés machte. Mit 20 Jahren habe er an einem Wettbewerb teilgenommen, wo er so angenehm aufgefallen sei, dass man ihm eine Gesangsausbildung empfahl. „Drei Jahre studierte er dann am Prager Konservatorium, womit ihm der Weg nach oben geebnet war." Mit Hits wie der „Schiwago-Melodie“ und der Schicksalsmelodie aus dem Film „Love Story“ sang er sich in die Herzen seines vorwiegend weiblichen Publikums. Frühzeitig füllte Gott auch im Westen die Konzertsäle und hatte hohe Einschaltquoten im Fernsehen, bald war er weltweit erfolgreich.

Erst mit der Inbetriebnahme des Autobahn-Grenzübergangs wurden die Besuche des nun Verstorbenen in Waidhaus weniger, zumal auch Frieda Hösl nicht mehr lebte. Lange Zeit hing noch die große Autogrammtafel im Trucker-Shop mit vielen Größen, die über Waidhaus ein- und ausreisten. Sogar Papst Johannes Paul II war darunter, weiß Mario Hösl noch: „Und das waren alles echte und eigens für meine Oma geschriebene Widmungen.“

Das Gebäude des Trucker-Shops steht noch immer unweit des Alten Grenzübergangs. Allerdings als Leerstand und in einem renovierungsbedürftigen Zustand.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.