12.06.2019 - 10:33 Uhr
WaidhausOberpfalz

Zerstörung der Schwesterkirche

Rail, ein kleiner Ortsteil von Pfraumberg/Přimda, rückt in den Mittelpunkt der Grenzregion. Mit einem Feldgottesdienst und einem Picknick gedenken Bewohner und Ehemalige eines besonderen Jahrestags.

Eine Miniaturansicht von Rail/Rajov hat sich auf dem wiederentdeckten Altarbild erhalten. Sie zeigt den Ort am Ende des 19. Jahrhunderts.
von Josef ForsterProfil

Das Gotteshaus von Rail war einst beinahe so groß wie dessen Schwesterkirche, die Waidhauser Autobahnkirche. Die Verbundenheit der Kirchen drückt sich im gemeinsamen Patrozinium aus. Während aber die Waidhauser Kirche durch ihre neue Funktion als ökumenische Rad- und Autobahnkirche immer bekannter wird, erlitt das böhmische Kirchlein ein trauriges Schicksal. Daran soll am Freitag, 14. Juni um 17 Uhr mit einem Festgottesdienst erinnert werden. Pfarrer Miroslav Matis aus Bor/Haid kommt dafür zum ehemaligen Standort der Kirche unter den groß gewordenen Bäumen. Pfarrer Georg Hartl aus Waidhaus und Pfarrer Klaus Oehrlein aus Würzburg wollen die Messe nach Möglichkeit mitfeiern. Danach gibt es ein Picknick mit Gebäck und Getränken.

Die Veranstaltung soll an die Zerstörung des Gotteshauses vor 50 Jahren erinnern. Im Juni 1969 fiel der großflächigen Zerstörung von Rail – so der frühere deutsche Ortsname – auch die Kapelle zur Heiligsten Dreifaltigkeit zum Opfer.Grund dafür war die ungünstige Lage vier Kilometer südlich von Pfraumberg im ehemaligen Sudetenland. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs folgte auf die Vertreibung der deutschstämmigen und deutschsprachigen Bevölkerung das Niederreißen der Häuser und anderer Gebäude.

Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass ein wertvolles Kunstwerk aus der Kapelle wiedergefunden wurde: Kenner erkannten das einstige Altarbild im 2011 eröffneten Grenzmuseum zum Thema „Eisener Vorhang“ als Teil des Railer Gotteshauses. Das Original hat somit unmittelbar an der Grenze zu Waidhaus, nur einen Steinwurf von der Grenzbrücke, eine neue Heimat. Das Dreifaltigkeitsmotiv ist mit der Aufnahme in die Sammlung zudem restauriert worden. Drei Gewehreinschüsse wurden ausgenommen. Sie werden bei Führungen sogar extra gezeigt, da sie die damit einst verbundene Abneigung zu Religiösem und Deutschem noch heute zum Ausdruck bringen. Ein Detail am unteren Rand des Altarbilds zeigt in einer grünenden und blühenden Landschaft eine Miniaturansicht von Rail. Sie zeigt das Aussehen des Orts vor rund 100 Jahren.

Die Geschichte der Kapelle reicht rund 200 Jahre zurück. Ein erstes kleines sakrales Bauwerk entstand oberhalb von Teich und Dorfbrunnen. 1850 wurde es renoviert. 1913 begann die bis 1918 selbstständige Gemeinde, die alte Kapelle abzutragen. Der größere Bau unter Anleitung von Baumeister Wenzel Watzka aus Bor/Haid war ein Gemeinschaftsprojekt des ganzen Dorfs. Die Kapelle hatte bei der Vollendung ein Jahr später die Größe einer kleinen Kirche bekommen – und die Allerheiligste Dreifaltigkeit als neues Patrozinium. Noch bis 1947 fand am Sonntag nach Pfingsten, dem Dreifaltigkeitssonntag, das Fest zum Patrozinium statt. Nach 72 Jahren Pause gibt es dort morgen eine Neuauflage. Mangels Kirche jedoch unter freiem Himmel.

Eine Sitzgruppe lädt in Rail/Rajov dort zum Verweilen ein, wo einst die Kapelle Heiligste Dreifaltigkeit stand.
Das originale Altarbild mit der Heiligsten Dreifaltigkeit ist nun am alten Waidhauser Grenzübergang im 2011 eröffneten Museum "Eiserner Vorhang" zu bestaunen.
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